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Corona: Tiroler Covid-19 Kinderstudie zeigt wachsende Nervosität

Der Anteil jener Kinder, die aufgrund der Pandemie psychische Probleme haben und dabei vom Normal- in den klinischen Bereich der Spitäler gerutscht sind, hat sich in Tirol vervierfacht.

Viele Kinder trifft die Corona-Pandemie psychisch stärker, als Erwachsene glauben.  SN/robert ratzer
Viele Kinder trifft die Corona-Pandemie psychisch stärker, als Erwachsene glauben.

Die dritte Erhebungswelle der Tiroler Covid-19 Kinderstudie vom Juni 2021 zeigt eine wachsende Nervosität unter den Jüngsten. Der Anteil der Kinder, die vom Normalbereich in den klinischen Bereich gerutscht sind, habe sich seit der ersten Erhebung im März 2020 auf 23 Prozent vervierfacht, zitierten die Studienautorinnen die Ergebnisse in einer Aussendung. Man dürfe den Druck nun "nicht weiter erhöhen". Durch etwaige Schulschließungen würde sich die Situation noch zuspitzen.

Denn Kinder bräuchten "Stabilität und eine organisierte Tagesstruktur sowie den Austausch mit Gleichaltrigen", unterstrich die Direktorin der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Innsbruck und Hall, Kathrin Sevecke. "Die Anzahl der Kinder, die Symptome zeigen, wird größer", mahnte sie. Mit der Lockerung der Corona-Maßnahmen im Sommer sei den Kindern "nur eine kurze Verschnaufpause vergönnt" gewesen. Jene, die bereits angeschlagen waren, hätten sich psychisch nicht erholen können.

Ein Team der Universitätsklinik für Kinder und Jugendpsychiatrie erhebt in Hall seit Pandemiebeginn in einer Online-Befragung das psychische Befinden von Kindern in Tirol und Südtirol. Der erste Teil der Online-Erhebung wurde im Lockdown im März 2020 durchgeführt.

Damals sei die Mehrheit der Kinder noch im Normalbereich verortet gewesen. Im zweiten Teil vor einem Jahr wiesen bereits 16 Prozent klinisch relevante Krankheitszeichen auf. "Das bedeutet, dass man unbedingt professionelle Hilfe suchen soll", erläuterte Silvia Exenberger, die ebenfalls an der Studie beteiligt ist. Die Klinische und Gesundheitspsychologin hebt den Hörer ab, wenn Eltern nach der Befragung das Telefonangebot wahrnehmen.

Besonders drastisch habe sich die kritische Entwicklung dann bei der jüngsten, dritten Erhebung im Juni 2021 gezeigt: Die Symptome reichen von Stress, Überforderung und Angst bis hin zu weiteren Traumazeichen.

Bei den bisherigen Online-Befragungen haben im Durchschnitt jeweils 700 Elternteile mitgemacht. Bei den Schülern sei die Teilnehmerzahl von anfänglich durchschnittlich 220 im Juni auf 150 gesunken, berichteten die beiden Expertinnen. Dabei wäre es besonders wichtig, dass möglichst viele Kinder selber bei der Studie mitmachen. Die Befragungen hätten nämlich gezeigt, dass jene ihr psychisches Befinden weitaus belasteter einschätzen als deren Eltern. "Manche Symptome können Eltern nicht sehen, wenn die Kinder nicht darüber sprechen", argumentierte Exenberger.

Am 1. Dezember startet die vierte Erhebung. Es werden noch Umfrage-Teilnehmer gesucht - Kinder zwischen acht und 13 Jahren, sowie Eltern von Kindern im Alter zwischen drei und 13 Jahren aus Nord-, Ost- und Südtirol. Der Fragebogen kann unter https://kidscreen.ches.pro abgerufen und ausgefüllt werden.

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