Wissen

Coronavirus: Wie wir die Älteren schützen können

Das Coronavirus kann vor allem für ältere Menschen mit Vorerkrankungen gefährlich werden. Warum das so ist und wie man am besten vorbeugen kann.

Vor allem ältere Personen sind gefährdet, an dem Coronavirus zu erkranken. Ihnen gilt besonderer Schutz. SN/dpa/A3250 Oliver Berg
Vor allem ältere Personen sind gefährdet, an dem Coronavirus zu erkranken. Ihnen gilt besonderer Schutz.

Die bisherigen Erfahrungen mit dem neuen Coronavirus zeigen: Die älteren Menschen sind besonders gefährdet. Mittlerweile liegen auch erste Studien aus China und anderen Ländern vor, die das mit konkreten Zahlen untermauern können.

Demnach sind zum Beispiel Kinder im Alter von zehn Jahren und darunter bisher im Schnitt nur zu einem Prozent von einer Infektion betroffen gewesen, wie aus einer im "Journal of the American Medical Association" veröffentlichten Studie hervorgeht. Die Rede ist hier natürlich nur von den registrierten Fällen.

Im Gegensatz dazu machen die Daten der chinesischen Gesundheitsbehörden klar, wie sehr ältere Menschen aufpassen müssen: Das Durchschnittsalter der Coronapatienten, die gestorben sind, ist 75 Jahre. Wie sehr dabei Vorerkrankungen eine Rolle spielen, wird aus einer exemplarischen Studie aus Wuhan deutlich: Demnach starben von 191 Patienten in Spitalsbetreuung 54: Davon hatten 30 Prozent der Patienten Bluthochdruck, 19 Prozent Diabetes und acht Prozent Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Aufgrund dieser alarmierenden Daten appellieren Maria Flamm und Jürgen Osterbrink vom Zentrum für Public Health und Versorgungsforschung an der PMU Salzburg eindringlich: "Unsere älteren Mitbürger benötigen gerade jetzt die Solidarität der Jungen. Der bestmögliche Schutz unsere älteren Mitbürger muss die höchste Priorität haben."

Warum sind die Älteren besonders betroffen? Grundsätzlich steigt das Risiko einer schweren Erkrankung nach Angaben des deutschen Robert-Koch-Instituts ab 50 bis 60 Jahren stetig mit dem Alter an. Das Immunsystem reagiert auf Infektionen nicht mehr so perfekt wie noch in jungen Jahren. So können unspezifische Krankheitssymptome wie Fieber schwächer ausfallen oder überhaupt fehlen, wodurch Erkrankte häufig auch erst später zum Arzt gehen.

Mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko für ein akutes Lungenversagen. Die bisherigen Erfahrungen in Wuhan belegen, dass Menschen, die eine verstärkte Neigung dazu haben und schon Lungenprobleme hatten, verstärkt vom Coronavirus tödlich getroffen wurden.

Lungenversagen ist aber nicht die einzige Todesursache. Unter den Opfern in Wuhan gab es, wie ein dortiges Dialysezentrum berichtet, auch Patienten, die nicht an den Folgen einer schweren Lungenentzündung, sondern an Herzversagen, Schlaganfällen oder Hirnblutungen starben. Diese Patienten zeigten nicht die klassischen starken Krankheitssymptome wie Atembeschwerden, die sonst zum Regelfall gehören.

Um die Ursachen dafür besser zu verstehen, erklärte Josef Penninger, österreichischer Molekularbiologe und Immunologe, dessen Wirkstoff gegen das Coronavirus in den nächsten Wochen in Wuhan in einen klinischen Test geht, im SN-Gespräch: Vereinfacht ausgedrückt, ist der sogenannte ACE2-Rezeptor, an dem das Virus andockt und in die Zellen gelangt, auch der negative Regulator eines Regelkreises mit Hormonen und Enzymen. Und dieses System reguliert auch Herzfunktion, Blutdruck und andere Organfunktionen in Niere, Leber oder Lunge. Das Perfide am Coronavirus ist, dass es den ACE2-Rezeptor mit in die Zellen nimmt und damit diesen äußerst komplexen Regelmechanismus massiv stört.

Kurz auf den Punkt gebracht heißt das: Je schwerer die Vorerkrankungen, vor allem auch in der Lunge, desto höher sind die Risiken, wenn man sich mit dem Coronavirus infiziert. Stärker gefährdet sind zum Beispiel auch Menschen mit einem unterdrückten Immunsystem, wie das bei der Einnahme von Cortison der Fall ist. Im Gegensatz zur Influenza gibt es derzeit für die Risikogruppen weder eine Impfung zur Vorbeugung noch ausreichend geprüfte Medikamente, um den Krankheitsverlauf zu mildern. Schwere Fälle können im Krankenhaus nur symptomlindernd behandelt werden. Man versucht, das Fieber zu senken, mit Antibiotika zusätzlich bakterielle Infektionen zu vermeiden oder bei Atemproblemen künstlich zu beatmen.

Jürgen Osterbrink vom Zentrum für Public Health und Versorgungsforschung betont daher noch einmal mit Nachdruck, alle Maßnahmen ernst zu nehmen, um Sozialkontakte zu meiden: "Die drastischen Einschränkungen des täglichen Lebens sind aktuell ein wichtiger Beitrag zur Aufrechterhaltung des Gesundheitssystems."

Was sind nun die wichtigsten konkreten Verhaltensregeln, die ältere Menschen und andere gefährdete Personengruppen, ihre Familien und ihr sonstiges Umfeld unbedingt beachten sollten?

Hygiene

Die wichtigsten und effektivsten Maßnahmen zum persönlichen Schutz sowie zum Schutz anderer Personen vor der Ansteckung mit dem Coronavirus sind eine gute Händehygiene (regelmäßiges Waschen mit Seife oder Desinfektionsmittel), korrekte Hustenetikette (in die Armbeuge oder in ein Taschentuch) und das Einhalten eines Mindestabstands von einem bis zwei Metern zu krankheitsverdächtigen Personen.

Zimmer regelmäßig lüften.

Gesicht und vor allem Mund, Augen und Nase nicht mit den Fingern berühren.

Sozialkontakte reduzieren

Zu Hause bleiben, wann immer das möglich ist.

Private Kontakte auf das Notwendigste reduzieren bzw. Möglichkeiten ohne direkten persönlichen Kontakt nutzen (Telefon, Internet etc.).

Risikogruppen durch Familien- und Nachbarschaftshilfe versorgen.

Aktiv Hilfsangebote machen.
Enge Begrüßungsrituale vermeiden (Küssen, Händeschütteln).

Enkel sollten derzeit ihre Großeltern nicht besuchen. Deshalb umso wichtiger: Ruft Oma und Opa regelmäßig an.


Aufgerufen am 06.12.2021 um 10:06 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/coronavirus-wie-wir-die-aelteren-schuetzen-koennen-84809155

Das Coronavirus und seine Folgen

Das Coronavirus und seine Folgen

Jetzt lesen

Kommentare

Schlagzeilen