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Der Komet Wirtanen leuchtet hell

Nach der Vollmondphase könnte er wieder zu sehen sein. Das astronomische Ereignis erinnert an den Stern von Bethlehem. Doch es ist immer noch nicht geklärt, ob dieser ein Komet war.

Wirtanen leuchtet hell.  SN/APA/AFP/LESIA/Observatoire de Paris-PSL/NICOLAS BIVER
Wirtanen leuchtet hell.

Wenn das Wetter mitspielt, ist er am Nachthimmel zu sehen: Komet 46P/Wirtanen war gerade der Sonne sehr nah und hat heute, Sonntag, seinen kleinsten Abstand zur Erde. 46P/Wirtanen ist jetzt "nur" elf Millionen Kilometer von uns entfernt, etwa dreißig mal weiter als der Mond. Jetzt ist der Schweifstern am besten zu beobachten. Wie "ein nicht sehr heller Stern" leuchtet der Schweifstern, sagte der Weltraumforscher Martin Volwerk. Ein Fragezeichen bei der Sichtbarkeit ist aber die Bewölkung über Teilen Österreichs.

Nachdem der Komet vergangenen Donnerstag seinen sonnennächsten Punkt passiert hatte, entwickelte sich seine Sichtbarkeit bisher erwartungsgemäß gut.

Die Lichtkurve des am 17. Jänner 1948 vom US-Astronomen Carl Alvar Wirtanen entdeckten Kometen entwickelt sich "wie vorhergesagt",sagte der Weltraumforscher vom Grazer Institut für Weltraumforschung (IWF) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Am hellsten leuchten Kometen meist wenige Tage nach dem Passieren des sonnennächsten Punktes, da die Wärme erst weiter in den Himmelskörper eindringen muss, damit in der Folge mehr Gas und Staub entweicht. "Wenn das Wetter mitspielt, dann kann man den Kometen auch mit dem bloßen Auge anschauen. Man wird ihn als etwas größeren grünen Fleck sehen", sagte Volwerk.

Ein Fernglas erhöht die Chance auf eine Beobachtung unterhalb des Sternenhaufens der Plejaden.

Ein Komet ist lange nicht so deutlich sichtbar wie ein Stern gleicher Helligkeit. Denn das Leuchten kommt bei 46P/Wirtanen von der grünlichen Koma, einer riesigen Wolke aus Gas und Staub, die den dunklen Kometenkern umgibt und für uns eher einen diffusen Lichtfleck bildet. Diese Koma ist aus unserer Sicht etwa so groß wie der Vollmond. In Teleskopen ist nicht nur die Koma deutlich zu sehen, sondern auch der feine Schweif des Kometen.

In Österreich ist die Sicht nicht überall gut

Leider wenig Glück hatte man in Graz oder im Raum Wien aber in den vergangenen Tagen. Auch der Blick nach vorn verheißt wenig Besserung, vor allem im Osten Österreichs, sagte Alexander Pikhard von der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA). Im Westen und Süden des Landes sind die Chancen vermutlich etwas besser. Nach dem 16. Dezember wird die Vollmondphase den Blick "schon gewaltig stören", gegen Ende des Jahres könnte Wirtanen dann aber noch durchaus gut zu sehen sein, schätzte Pikhard.

Der Komet gehört zur sogenannten Jupiter-Kometenfamilie. Mit einer Umlaufdauer um die Sonne von derzeit nur rund 5,4 Jahren besitzt er eine der kürzesten Umlaufperioden aller bekannten Kometen. Nachdem der ungefähr 1,2 Kilometer große Komet nun den sonnennächsten Punkt seiner Bahn erreicht hat, kommt er auch in die Nähe der Erdbahn - konkret in etwa 30-fache Mondentfernung (11,7 Millionen Kilometer). Das ist die erdnächste Begegnung seit seiner Entdeckung.

Ist der Komet ein "Stern von Bethlehem"?

"Als aber Jesus zu Bethlehem in Judäa geboren war, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem, die sprachen: Wo ist der neue König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland aufgehen gesehen und sind gekommen, ihm zu huldigen." So steht es beim Evangelisten Matthäus. Seit die Weihnachtsgeschichte erzählt wird, gibt es Theorien darüber, was der Stern von Bethlehem war.

Eine Theorie besagt, es könnte eine Supernova gewesen sein, also ein Stern, der am Ende seiner Entwicklung durch eine gewaltige Explosion zerstört wird. Für eine Supernova spricht, dass das "helle Leuchten" plötzlich am Himmel zu sehen war und dass sein Leuchten alle anderen Sterne am Himmel überstrahlt hätte. Dagegen spricht, dass eine solch gewaltige Himmelserscheinung von den Sternenforschern des Altertums nicht unbemerkt geblieben wäre. Denn die sonst so zuverlässigen chinesischen Astronomen verzeichneten für den angenommenen Zeitraum der Geburt Jesus (zwischen 7 und 4 vor Christus) keine Supernova.

Die meisten Menschen bringen den Stern von Bethlehem in Verbindung mit einem Kometen. Die Darstellungen des Weihnachtssterns in der Kunstgeschichte als Schweifkomet haben diesen Eindruck entstehen lassen. Gegen die Theorie, dass der Stern von Bethlehem ein Komet war, spricht allerdings, dass Kometen in der Astrologie des Altertums als Unheilsbringer angesehen wurden.

Möglich wäre noch eine Planetenkonjunktion: Im Jahr 7 vor Christus kam es zu einer außerordentlichen Begegnung von Jupiter und Saturn am Himmel: die beiden Planeten kamen sich sehr nahe (Konjunktion) und das innerhalb eines Jahres sogar drei Mal. Das ist extrem selten. Dagegen spricht, dass die Planeten nie so nahe beieinander gestanden haben, dass sie wie ein einziger heller Stern leuchteten. Das Matthäus-Evangelium erwähnt aber nur einen hellen Stern.

Quelle: APA

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