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Der Mensch will immer weiter hinaus

Die Sehnsucht, Neues zu entdecken, ist so alt wie die Menschheit. Schon in der Antike gab es erste ausgedehnte Entdeckungsreisen. Heute strebt der Mensch in die Unendlichkeit des Weltalls.

Urlaub in fernen Ländern reicht manchen nicht mehr. Sie wollen Ausflüge ins Weltall machen. Die Vorbereitungen für den Weltraumtourismus sind voll im Gang. SN/afp
Urlaub in fernen Ländern reicht manchen nicht mehr. Sie wollen Ausflüge ins Weltall machen. Die Vorbereitungen für den Weltraumtourismus sind voll im Gang.

Die Entdeckung der Welt

Der Mensch war schon immer auf der Suche nach neuen Ufern und neuen Lebensräumen. Das begann schon bei unseren Vorfahren vor Millionen Jahren. Anfangs schwangen sie sich noch von Baum zu Baum. Später eroberten sie das flache Land - und begannen irgendwann, aufrecht zu gehen. 1974 fanden Forscher in Äthiopien Lucy - das rund drei Millionen Jahre alte Skelett eines Weibchens, dessen Beckenknochen auf einen aufrechten Gang hindeuten. Vor 1,5 bis zwei Millionen Jahren war dann der homo erectus, der aufrecht gehende Mensch da. Dieser breitete sich weit über Afrika, die Wiegen der Menschheit, hinaus aus.

In der Jungsteinzeit, die zwischen 9500 und 5000 vor Christus begann (im Bild Stonehenge), wurde der Mensch zwar sesshaft. Doch der Drang, immer neue Ufer zu suchen und neue Länder zu erobern, blieb. Als älteste überlieferte Entdeckungsreise gilt eine von der altägpytischen Königin Hatschepsut im 15. Jahrhundert vor Christus in Auftrag gegebene Expedition nach Punt im östlichen Mittelmeerraum.

Schon die alten Griechen hatten Kolonien in Italien und rund um das Schwarze Meer. Die Herrschaft der Perser reichte bis Ägypten und Indien. Alexander der Große (Bild links) schuf mit seinen Truppen im 4. Jahrhundert vor Christus vom kleinen Makedonien ausgehend ein Weltreich, das bis Ägypten und Indien reichte. Ab dem 8. Jahrhundert stießen die Wikinger mit ihren technisch hochstehenden Schiffen von Skandinavien aus bis nach Island, Grönland, Nordafrika und an das Kaspische Meer vor. Unter Leif Eriksson erreichten sie Nordamerika. Große Wirkung hatten auch die (mitunter angezweifelten) Reiseberichte des venezianischen Kaufmanns Marco Polo (1254 - 1324). Er hatte auf dem Landweg China bereist.

Das eigentliche Zeitalter der großen Entdeckungen begann in der Neuzeit. Anfang des 15. Jahrhunderts unternahmen Portugiesen erste Entdeckungsfahrten entlang der Westküste Afrikas. Das wohl einschneidendste und folgenschwerste Ereignis war 1492 die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus (Bild rechts), der eigentlich einen Seeweg nach Indien gesucht hatte. Vor allem Kaufleute waren daran interessiert, diesen Seeweg zu finden, um Waren billiger zu erhalten. Federführend waren die Seefahrernationen Portugal und Spanien. Den Seeweg nach Indien entdeckte schließlich Ende des 15. Jahrhunderts der Portugiese Vasco da Gama. Ferdinand Magellan umsegelte von 1519 - 1522 die Welt.


Die Engländer
und die Holländer begannen Anfang des 17. Jahrhunderts mit dem Aufbau von Kolonialreichen. Eine Rolle spielte neben der Suche nach Ressourcen und dem Handel auch missionarischer Eifer und wissenschaftliches Interesse. Letzteres spielte auch bei den Weltumsegelungen von James Cook eine große Rolle, der Australien entdeckte. Im 19. Jahrhundert setzte unter den europäischen Kolonialmächten auch ein regelrechter Wettlauf um die Inbesitznahme von Afrika ein. In das 20. Jahrhundert fallen die Bestrebungen, den Nord- und Südpol zu erreichen: Der US-amerikanische Polarforscher Robert Peary nahm für sich in Anspruch, 1909 als Erster den geographischen Nordpol entdeckt zu haben. Der norwegische Seefahrer Roald Amundsen (Bild links) erreichte 1911 als erster Mensch vor seinem britischen Rivalen Robert Falcon Scott den Südpol.

Reise in die Unendlichkeit

Nicht nur in ferne Länder strebt der Mensch. Seit jeher will er auch immer höher hinaus, wie schon der antike Mythos vom jungen Ikarus erzählt, der mit seinen Wachsflügeln immer weiter Richtung Sonne fliegt, bis er abstürzt. Leonardo da Vinci hatte um 1500 bereits konkrete Pläne für Flugzeuge. Ende des 18. Jahrhunderts gelangen die ersten bemannten Ballonfahrten. Es vergingen aber noch einmal mehr als hundert Jahre Jahre, bis der deutsche Flugpionier Otto Lilienthal mit seinen erfolgreichen Gleitflügen für Aufsehen sorgte. Einen längeren, gesteuerten Motorflug schaffte das US-amerikanische Brüderpaar Wilbur und Orville Wright im Dezember 1903. Der Flug dauerte 12 Sekunden - über eine Strecke von 37 Metern. Vier Jahre später hob in Frankreich der erste bemannte Hubschrauber ab - er schaffte eine Höhe von 30 Zentimetern. Die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war auch die Zeit der beginnenden Luftschifffahrt.

In die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts fällt der Beginn der Passagierluftfahrt - und, ab dem Ersten Weltkrieg, der Einsatz von Flugzeugen zu Kriegszwecken. Die Maschinen wurden größer und schneller - bis hin zum Überschall-Passagierflieger Concorde. 1969 ging ein anderer alter Traum in Erfüllung - die ersten Menschen betraten den Mond. In den 1960er Jahren starteten auch schon die ersten Raumsonden in Richtung Mars. Während private Investoren heute touristische Weltraumflüge planen (Bild links), arbeiten Weltraumagenturen daran, in diesem Jahrhundert bemannte Missionen zum Mars zu schicken.

Reise in den Mikrokosmos

Während der Mensch immer tiefer ins Weltall eindringt, lernt er immer mehr über den Mikrokosmos im eigenen Körper. Die kleinsten lebenden Einheiten sind die Zellen. Und im Zentrum der Zelle, im Zellkern, befindet sich das Erbgut, also die gesamte Erbinformation (Genom). Die wissenschaftliche Suche nach den Gesetzen der Vererbung begann um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Schon in den 1850er Jahren machte der Mönch Gregor Mendel in seinem Klostergarten in Brünn erste Kreuzungsversuche mit Erbsen.

1944 entdeckte der kanadische Mediziner Oswald Avery, dass die DNA, die in jeder menschlichen Zelle steckt, der Träger der Erbinformation ist. Damit war auch der Grundstein für die moderne Molekulargenetik gelegt. 1982 gab es in den USA das erste mit Hilfe der Gentechnik produzierte Medikament: Es handelte sich dabei um Insulin für Zuckerkranke. Vier Jahre später wurde das erste Gen gefunden, das eine Erbkrankheit auslöst - Muskelschwund. 1996 sorgte Klonschaf Dolly weltweit für Aufsehen. Erstmals war ein Tier aus dem Erbgut eines anderen Tieres geklont worden. Dolly wurde 2003 allerdings eingeschläfert, nachdem es an einem Virus erkrankt war.

Am 26. Juni 2000 trat US-Präsident Bill Clinton mit der Meldung an die Öffentlichkeit, das menschliche Erbgut sei entschlüsselt - er fasste das in die pathetischen Worte: "Heute lernen wir die Sprache, in der Gott das Leben schuf." Seit 2003 gilt das menschliche Genom als vollständig entschlüsselt.

Quelle: SN

Aufgerufen am 14.08.2020 um 10:56 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/der-mensch-will-immer-weiter-hinaus-90813022

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