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Die spektakulärsten Naturfotos des Jahres

Das Natural History Museum in London kürt jedes Jahr im Herbst die besten Naturfotografien des Jahres. Sieger heuer wurde der französische Unterwasserfotograf und Biologe Laurent Ballesta mit seinem Bild von einer Gruppe von Zackenbarschen beim Laichvorgang.

Der französische Unterwasserfotograf und Biologe Laurent Ballesta hat sich heuer den Titel "Wildlife Photographer of the Year" gesichert. Sein Siegerbild mit dem simplen Titel "Creation" fängt den seltenen Anblick von Camouflage-Zackenbarschen ein, die sich ein Mal im Jahr bei Vollmond einem wahren Paarungsrausch hingeben.
Camouflage-Zackenbarsche sind in vielen Ozeanen der Welt zu finden. Sie leben in flachen Riffen, wo ihre gesprenkelten braunen Körper zwischen den Felsen und Korallen unsichtbar sind. Ein solcher Ort ist eine Lagune in Fakarava, Französisch-Polynesien, die Ballesta und sein Team seit fünf Jahren während der Paarungszeit frequentieren.

Die Paarungszeit ist kurz und dauert nur eine Stunde - und tritt immer bei Vollmond und bei abnehmender Flut ein. Zehntausende Barsche versammeln sich in dem Gebiet. Das Wasser wird so zu einem kräftigen Kaleidoskop aus braun-weiß gefleckten Körpern in einer milchigen Wolke aus Eiern und Spermien.

Jury-Vorsitzende: "Das Bild ist überraschend, energisch und faszinierend"

Rosamund "Roz" Kidman Cox, Autorin, Redakteurin und Vorsitzende der Jury, sagt über das Siegerfoto: "Das Bild funktioniert auf so vielen Ebenen: Es ist überraschend, energisch und faszinierend und hat eine überirdische Schönheit. Es fängt auch einen magischen Moment ein - eine wahrhaft explosive Schöpfung des Lebens - und lässt das Ende des Exodus der Eier für einen Moment wie ein symbolisches Fragezeichen hängen." Doch dieses außergewöhnliche Ereignis erregt auch Aufmerksamkeit anderer Art: Nach Einbruch der Dunkelheit gesellen sich Graue Riffhaie dazu, jagen in Rudeln und verschlingen so viele Barsche wie möglich.

Leben und Tod unter Wasser

Haie sind jedoch nicht die einzige Bedrohung für diese normalerweise solitär lebende Art: Camouflage-Zackenbarsche werden auf der ganzen Welt gegessen, insbesondere im Fernen Osten, wo sie als hochpreisige Meeresdelikatessen serviert werden.

In den letzten Jahren haben Fischer damit begonnen, Laichplätze anzugreifen, was zu einem starken Rückgang der Zackenbarschzahlen führte. Die Populationen von Camouflage-Zackenbarschen sind daher weltweit bedroht und werden jetzt auf der Roten Liste der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) als gefährdet eingestuft.

Museumsdirektor: Siegerfoto "enthüllt eine verborgene Unterwasserwelt"

Glücklicherweise wird daran gearbeitet, diese Art zu schützen: Zum Beispiel ist die Lagune, in der Ballesta diese spektakuläre Szene festgehalten hat, heute ein UNESCO-Biosphärenreservat. Dieser Schutz ermöglicht es Zackenbarschen, nur mit natürlichen Feinden zu gedeihen, die die Population in Schach halten.
Doug Gurr, Direktor des Museums, sagt: "Der diesjährige Gewinner des Wettbewerbs enthüllt eine verborgene Unterwasserwelt, einen flüchtigen Moment faszinierenden Tierverhaltens, das nur wenige gesehen haben." Und das in einem für den Planeten möglicherweise entscheidenden Jahr, in dem wichtige Diskussionen auf der COP 15, der UN-Konvention über die biologische Vielfalt, und der COP 26, der UN-Klimakonferenz, stattfänden, betonte Gurr. Daher sei Laurent Ballestas Schöpfung "eine überzeugende Erinnerung daran, wofür wir stehen und was wir verlieren, wenn wir den Einfluss der Menschheit auf unseren Planeten nicht angehen".

Junger Naturfotograf des Jahres 2021

Bei einem weiteren Bild wurde eine Zeltspinne fotografisch festgehalten, die ihr Netz webt und von einem vorbeifahrenden Tuk-Tuk beleuchtet wird. Diese einzigartige Perspektive hat dem zehnjährigen Vidyun R. Hebbar den Preis "Young Wildlife Photographer of the Year 2021" eingebracht.

Vidyan lebt in Bengaluru, Indien, und genießt es, alltägliche Stadtbewohner einzufangen, die oft übersehen werden. Vidyan nahm vor zwei Jahren zum ersten Mal am Wettbewerb "Wildlife Photographer of the Year" teil, mit einem weiteren spektakulären Foto einer Spinne, das ihm bereits einen Anerkennungspreis einbrachte.

Jury-Vorsitzende "Roz" Kidman Cox: "Es ist eine so einfallsreiche Art, eine Spinne zu fotografieren. Das Bild ist perfekt gerahmt, der Fokus ist genau richtig. Sie können die Reißzähne der Spinne und das verrückte Gewebe der Falle sehen. Die Fäden sind wie ein zartes Nervennetz, das mit den Füßen der Spinne verbunden ist. Aber das wirklich Clevere ist die kreative Kulisse - die leuchtenden Farben einer motorisierten Rikscha."

50.000 Teilnehmer beim Wettbewerb zum Naturfotografen des Jahres

Der diesjährige Wettbewerb umfasste 19 Kategorien, darunter drei neue Gruppen: Ozeane, Feuchtgebiete und Naturkunst. Die beiden Gewinner, die im Rahmen einer Online-Zeremonie bekannt gegeben wurden, wurden aus mehr als 50.000 Einsendungen und 95 Ländern ausgewählt. Die Kategorien zelebrieren die faszinierende Schönheit der Natur und stellen wichtige Ökosysteme ins Rampenlicht, von denen viele vom Aussterben bedroht sind.

Jeder Beitrag wurde anonym von einem Expertengremium hinsichtlich seiner Originalität, Erzählweise, technischen Exzellenz und ethischen Praxis bewertet.
Die Ausstellung wird am 15. Oktober 2021 im Museum in London eröffnet, gefolgt von einer internationalen Tournee, beginnend mit Großbritannien und unter anderem durch Dänemark, Kanada, die USA, Australien sowie weitere Länder.

Aufgerufen am 22.10.2021 um 12:18 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/die-spektakulaersten-naturfotos-des-jahres-110841949

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