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Erstmals fossile Knorpel von Tintenfischen entdeckt

Rätselhafte Strukturen im Gestein entpuppten sich bei Untersuchung von Forschern des NHM Wien als 233 Mio. Jahre alte Tintenfisch-Knorpel.

Fossile Knorpel und Armhäkchen von Tintenfischen. SN/nhm wien, alexander lukeneder
Fossile Knorpel und Armhäkchen von Tintenfischen.

Wissenschafter des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien und der Uni Wien haben erstmals fossile Tintenfisch-Knorpel nachgewiesen. Wie sie im Fachjournal "Plos One" berichten, wurden die bisher unbekannten Strukturen im Gestein im Vorjahr bei Grabungen in Niederösterreich entdeckt. Mittels Computertomographie (CT) und Materialanalysen konnten sie die Objekte eindeutig als 233 Mio. Jahre alte Knorpel von Tintenfischen identifizieren, teilte das NHM am Donnerstag mit.

Der Fund gelang 2021 bei Grabungen des NHM an einer der wichtigsten Fossil-Fundstellen Österreichs: ein kleiner Graben beim Polzberg zwischen Gaming und Lunz am See (NÖ). Dabei wurden auch bisher unbekannte, bis zu drei Zentimeter große, schwarze Strukturen aus der alpinen Triaszeit (vor rund 233 Mio. Jahren) im Gestein entdeckt.

Die Paläontologen Petra Lukeneder von der Universität Wien und Alexander Lukeneder vom NHM Wien untersuchten mehr als 80 unterschiedliche Exemplare dieser rätselhaften Strukturen. Mit Hilfe von Micro-CT-Aufnahmen konnten sie in ihr Inneres blicken und digitale 3D-Modelle der fossilen Reste erstellen, die von unzähligen, sich verzweigenden Gängen durchzogen waren. Zusätzliche haben sie ihre chemische Zusammensetzung mit Hilfe von Rasterelektronen-Mikroskop und Materialanalysen bestimmt.

Sie zeigten, dass die Objekte aus reinem Kohlenstoff bestehen. Rund um sie sind hunderte Fanghäkchen von Tintenfisch-Armen eingebettet und auch Schulpe, das Innenskelett der Tintenfische, fanden sich in der Nähe. Durch den Vergleich der digitalen 3D-Modelle der fossilen Strukturen mit modernen Tiergruppen konnten die Forscher die Objekte eindeutig als fossile Tintenfisch-Knorpel identifizieren. Im ursprünglichen Material reicherte sich durch geochemische Prozesse allmählich Kohlenstoff an. Dadurch blieben die Knorpel erhalten.

Die Funde konnten der Tintenfisch-Art "Phragmoteuthis bisinuata" zugeordnet werden, ein ausgestorbener Verwandter der modernen Tintenfische, der vor 233 Mio. Jahren lebte. Heute lebende Tintenfische bilden sehr ähnliche Knorpel-Strukturen im Kopfbereich aus, die Gehirn und Augenbereich der Tiere stärken.

Die ausgegrabenen Tintenfische lebten im Reiflinger Meer, einem Seitenast des Tethys-Ozeans. In dieser Phase der Erdgeschichte kam es zu einem weltweiten Massenaussterben, das über zwei Millionen Jahre andauerte.

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