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Forscher berechneten steigende Hochwassergefahr an Küsten weltweit

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Küstennähe. Sturmfluten oder Starkniederschläge verursachen in den besiedelten Gebieten schon heute immer wieder beträchtliche Schäden. Internationale Forscher rechnen damit, dass solche Extremereignisse entlang vieler Küstenregionen der Nordhemisphäre künftig öfter gemeinsam auftreten und damit die Hochwassergefahr tendenziell noch steigen könnte. An der Studie waren auch Klimaforscher der Universität Graz beteiligt.

Sturmfluten oder Starkniederschläge verursachen in den besiedelten Gebieten schon heute immer wieder beträchtliche Schäden. SN/pixabay
Sturmfluten oder Starkniederschläge verursachen in den besiedelten Gebieten schon heute immer wieder beträchtliche Schäden.

Bisher haben Risikoabschätzungen extreme Wetterereignisse wie Sturmfluten und Starkniederschläge weitgehend unabhängig voneinander betrachtet. Mittlerweile wurde aber beobachtet, dass diese Extremereignisse oft durch die gleiche Wetterlage ausgelöst werden und daher immer wieder auch gleichzeitig auftreten. Das verschärfe laut Wissenschaftern wie Douglas Maraun vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel die Problematik: Wenn die Sturmfluten große Wassermengen auf die Küstenregion zutreiben und sich vor allem in Flussmündungen das abfließende Wasser des Starkregens aufgestaut, steigt der Wasserspiegel noch mehr.

Maraun war Teil einer internationalen Forschergruppe, die bereits für den europäischen Küstenbereich untersucht hat, wie sich durch die weitere Klimaerwärmung das Hochwasserrisiko, das gemeinsam von Starkregen und Sturmfluten verursacht wird, bis ins Jahr 2099 verändern könnte. Die Ergebnisse der Zukunftsprognose wurden im Herbst 2019 publiziert.

Es habe sich gezeigt, dass in Nordeuropa die Niederschläge intensiver werden, so dass die Gefahr von gleichzeitig auftretenden Starkniederschlägen und Sturmfluten tendenziell steigen könnte, fasste Maraun damals zusammen. Für Küstengebiete dürfte das im Bereich von Flussmündungen verstärkte Hochwasserereignisse mit sich bringen. Konkret sei unter der Annahme einer weiteren Klimaerwärmung um vier Grad Celsius bis 2099 für die Westküsten Großbritanniens, Nordfrankreichs, der Ost- und Südküste der Nordsee sowie der östlichen Hälfte des Schwarzen Meeres von einer starken Zunahme eines Überschwemmungsrisikos auszugehen. Brennpunkte, an denen die zweifachen Unwetterereignisse mehr als einmal innerhalb von sechs Jahren auftreten, könnten den damaligen Modellierungen zufolge der Bristol-Kanal und die britische Küste von Devon und Cornwall sowie die niederländische Nordseeküste werden.

Nun liegen die ebenso wenig rosigen Ergebnisse für Küstenregionen weltweit vor. Erschienen sind sie jüngst in der Fachzeitschrift "Communications Earth & Environment". Wie schon in der ersten Publikation der Studie wurden wieder Daten aus der Zeitspanne von 1970 bis 2004 mit Szenarien zum Zeitraum von 2070 bis 2099 verglichen, erklärte Maraun gegenüber der APA. Die Forscher haben zuletzt Simulationen von Stürmen und Niederschlägen zusammen mit Simulationen von Sturmfluten analysiert, die von Wissenschaftern des Joint Research Center der Europäischen Kommission in Ispra (Italien) durchgeführt wurden. Dabei konnten sie beobachten, dass ein Zusammentreffen von Sturmfluten und Starkregen vor allem in der Westwindzone und in Regionen zustande kommt, die von Tropenstürmen wie Hurrikans und Taifunen betroffen sind. Die abgeleiteten Simulationen versprechen nichts Gutes.

"In einem Szenario mit hohen Emissionen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sturmfluten und Starkniederschläge gleichzeitig auftreten, bis ins Jahr 2100 weltweit um mehr als 25 Prozent im Vergleich zur Gegenwart an. In Gebieten nördlich des 40. Breitengrads könnten solche kombinierten Ereignisse mehr als zweieinhalbmal häufiger auftreten", erklärte der Klimatologe. Besonders betroffen wären dann die Nordhemisphäre in den USA, Kanada, Nordeuropa und an den Küsten Ostasiens wie China, Korea und Japan sowie auf der Südhemisphäre entlang der Südküste von Südamerika und in Neuseeland", fasste der Grazer Experte zusammen. In Teilen der Subtropen hingegen würden sie seltener werden.

Quelle: APA

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