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Forscher entdeckten neues Mineral in Mondmeteoriten

Ein europäisches Forscherteam hat in einem Mondmeteoriten ein neues Mineral entdeckt und es "Donwilhelmsit" genannt. Der Fund dieses Minerals ist für die Erforschung der Entstehungsgeschichte des Mondes und die im Erdinneren ablaufenden Prozesse von großer Bedeutung, berichten die Wissenschafter im Fachjournal "American Mineralogist". Das untersuchte Fragment des Meteoriten "Oued Awlitis 001" wurde 2015 vom Naturhistorischen Museum (NHM) Wien angekauft.

Bei Einschlägen von Meteoriten oder Asteroiden auf dem Mond, können Gesteine von der Mondoberfläche in den Weltraum geschleudert werden. Einige wenige davon können später als Mondmeteorite auf der Erde landen.

Bei diesen Einschlägen am Mond treten extrem hohe Temperaturen und enormer Druck auf. Mikroskopisch kleine Bereichen des Mondgesteins können dabei schmelzen. Diese winzigen Schmelzzonen interessierten die Forscher um Jörg Fritz vom Zentrum für Rieskrater und Impaktforschung Nördlingen (Deutschland) besonders, weil dort für den Bruchteil einer Sekunde jene Bedingungen aufgetreten sind, die im Inneren der Erde herrschen. Es bilden sich dabei Minerale, die ansonsten unerreichbar im Erdinneren verborgen sind.

Das sind etwa Minerale wie Wadsleyit, Ringwoodit oder Bridgmanit. Sie bilden große Teile des Erdmantels, wurden zunächst aber in Hochdruckexperimenten hergestellt und erst später als natürliche Minerale in Meteoriten gefunden. "Donwilhelmsit" besteht aus Kalzium-, Aluminium-, Silizium- und Sauerstoffatomen (CaAl4Si2O11). Die Forscher eines internationalen Konsortiums, das von Ludovic Ferrière, dem Kurator der NHM-Meteoritensammlung, geleitet wurde, haben das neue Mineral mithilfe optischer und elektronenoptischer Methoden entdeckt, detailliert beschrieben und seine Kristallstruktur mit hoher Genauigkeit bestimmt.

Gefunden wurde "Donwilhelmsit" in winzigen Schmelzzonen des Mondmeteoriten "Oued Awlitis 001". Dieser wurde 2014 in der West-Sahara entdeckt und hat eine ähnliche Zusammensetzung wie die Gesteine, aus denen die Kontinente der Erde bestehen. Durch Erosion werden diese Kontinente kontinuierlich abgetragen. Die Sedimente gelangen durch Wind und Flüsse in die Ozeane und lagern sich am Meeresboden ab. Durch plattentektonische Prozesse werden sie zusammen mit der dichten ozeanischen Kruste tief in den Erdmantel hinabgezogen. Ab einer Tiefe von 460 bis 700 Kilometer wandeln sich die Minerale durch die hohen Druck- und Temperaturbedingungen in diesem Bereich in dichtere Minerale um. Das ist auch mit dem neu entdeckten "Donwilhelmsit" passiert.

Das neue Mineral wurde nach dem US-amerikanischen Mondforscher Don E. Wilhelms benannt. Er arbeitete bei den Apollo-Missionen mit, die erste Gesteine vom Mond zur Erde brachten.

Ludovic Ferrière hatte 2015 die Crowdfunding-Aktion "Helfen Sie uns, den Mond zu bekommen!" organisiert, um ein Stück des Mondmeteoriten "Oued Awlitis 001" anzukaufen. Davon wurde ein Fragment für die Untersuchungen entnommen, die nach wie vor weitergehen. "Ohne die Unterstützung durch die Sponsoren wäre diese Entdeckung nie möglich gewesen", betonte Ferriere gegenüber der APA. Ein rund 31 Gramm schweres Stück dieses Meteoriten ist im Meteoritensaal des NHM Wien ausgestellt.

Quelle: APA

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