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Forscher warnen vor weitreichenden Folgen des Gletscherschwunds

Bis zum Jahr 2100 könnten in den Alpen nur noch vier Prozent der Eisfläche von Anfang dieses Jahrhunderts übrig sein. Weltweit schmelzen die Gletscher. Viele der Auswirkungen dieses Schwunds - auch für die Bevölkerung - wurden bisher zu stark ignoriert, warnen Forscher.

Schrumpft: Österreichs bekanntester Gletscher, die Pasterze. SN/ots/di norbet freudenthaler
Schrumpft: Österreichs bekanntester Gletscher, die Pasterze.

Zehn Prozent der Landfläche der Erde sind von Gletschern bedeckt - Tendenz rapide fallend. Aufmerksamkeit hat insbesondere eine Folge dieser großen Schmelze erhalten, nämlich dass der Meeresspiegel steigen wird. Andere Folgen des Gletscherschwunds, wie der auf die Wasserversorgung der Bevölkerung, wurden bisher zu wenig beachtet, mahnt ein internationales Forscherteam mit Schweizer Beteiligung im Fachblatt "PNAS".

Den größten Anteil der verlorenen Eismassen tragen die Gletscher am Golf von Alaska, der kanadischen Arktis sowie die Eisschilde Grönlands und der Antarktis bei, wie die Forschenden - darunter Tom Battin von der ETH Lausanne und Christopher Robinson von der Forschungsanstalt Eawag - im Fachartikel schreiben. Den größten individuellen Verlust verzeichnen jedoch die europäischen Alpen und die Anden in Südamerika.

Während der vergangenen 30 Jahre habe sich der Alpenraum besonders stark erwärmt. Zusammen mit vermindertem Schneefall ist die Eisfläche seit 1850 um mehr als die Hälfte (54 Prozent) geschrumpft, hieß es weiter. Derzeitigen Berechnungen zufolge könnten in den Alpen bis Ende des 21. Jahrhunderts nur noch vier bis 13 Prozent der Eisfläche von 2003 übrig sein.

Große Auswirkungen des weltweiten Gletscherschwunds seien beispielsweise auf Flüsse zu erwarten, heisst es in einer Mitteilung des Fachjournals. Ihre Wasserversorgung wird unvorhersehbarer, da sie weniger von Schmelzwasser und mehr von zufälligen Niederschlägen abhängen werden. Damit verändern sich auch die Umweltbedingungen dieser Gewässer-Ökosysteme dramatisch.

Zum Vergleich: die Pasterze im Jahr 1920. SN/ots/di norbet freudenthaler
Zum Vergleich: die Pasterze im Jahr 1920.

Das schmelzende Eis gibt zudem Schadstoffe frei, wie beispielsweise Emissionen aus der Industrie, Pestizide oder andere überdauernde Schadsubstanzen, die mit dem Schmelzwasser in Bächen, Flüssen und Grundwasser landen. Der Gletscherschwund werde so auch die Bevölkerung beeinträchtigen, die in vielen Facetten von Gletscher-gespeisten Flüssen abhängig sei, betonen die Wissenschafter. Von Wasserversorgung und Landwirtschaft über Fischerei bis hin zur kulturellen und religiösen Rolle, die Flüsse in vielen Gesellschaften spielen.

Das schiere Ausmaß der Folgen des Gletscherschwunds auf die davon abhängigen Ökosysteme sei bisher nicht voll erfasst worden, kommentierte Hauptautor des Fachartikels Alexander Milner von der University of Birmingham. "Von Artenvielfalt bis Tourismus, von Wasserkraft bis zur Versorgung mit sauberem Wasser, die Bandbreite der Risiken für unsere derzeitige Lebensweise ist groß."

Die Wissenschafter rufen daher zu mehr Forschung über die Risiken in den am meisten betroffenen Regionen und zu größeren Bemühungen bei der Anpassung an die laufenden und bevorstehenden Veränderungen auf.

Quelle: Apa/Sda

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