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Gefeiert wird immer - Archäologen entdecken historische Trinkbecher

Trinkgelage in Wittenberg - im Mittelalter. Archäologen haben tausende Scherben von Trinkbechern bei Ausgrabungen im Schlosshof entdeckt. Und eine Besonderheit, die an die Gegenwart erinnert.

Ein Sommertag vor über 500 Jahren. Im Schlosshof in Wittenberg sind lange Tische aufgebaut. Der Duft von Hirschbraten liegt in der Luft. Die Leute trinken und trinken. Sind ihre Becher leer, werfen sie die Trinkgefäße auf den Boden - sie zerschellen auf dem Schlosshofpflaster. Diener reichen neue Becher, gefüllt mit Wein. So jedenfalls stellen sich Archäologen das Treiben auf dem Schlosshof in Wittenberg vor, wo sie nun einen reichen Fund gemacht haben.

"Wir haben ganze Schichten mit Bechern gefunden und auch Tierknochen, die haben sehr viel Wild, meist Hirsch, gegessen", sagt Grabungsleiter Holger Rode. "Die Feiern haben hier im Schlosshof, im Sommer, stattgefunden. Die Becher wurden dann einfach weggeworfen. Das ist vergleichbar mit dem heutigen Umgang mit Pappbechern."

Die Trinkbecher stammen aus dem 15. Jahrhundert. Etliche sind mit Rollstempelmustern, manche mit Maskenauflagen verziert. Andere haben wiederum eine glatte Oberfläche. Die Farbe der Tonbecher variiert zwischen grünlich, grau bis rotbraun. "Dass sie nur einmal benutzt wurden, das sieht man. Von Seiten der Herrschaft wurde dies bewusst gewollt, um zu zeigen, was man sich leisten kann", sagt Rode.

Diese Becher kommen nur im Schloss vor, kaum in der sonstigen Stadt. "Das war auf diese Gelage beschränkt und dafür wurden die Becher auch hergestellt", sagt Rode. "Gefeiert haben alle Adelsgeschlechter, die Askanier bis 1422, danach die Wettiner, die haben das alle so mit den Bechern gemacht."

Im Wittenberger Schlosshof wird seit Anfang November gegraben, bevor eine Abwasserleitung gelegt wird. "Was wir nachweisen können, ist die Ringmauer, die das gesamte Areal umgab", sagt Rode. "Ebenso fanden wir Reste der Hofpflasterung der askanischen Burg. Aber das Problem ist, dass uns immer noch typische Mauerwerke fehlen, wie ein Turmgrundriss."

Der Wettiner Friedrich der Weise (1463-1525) begann auf dem askanischen Burggelände um 1480 mit dem Bau seines Schlosses und der Kirche. Von der außergewöhnlichen Ausstattung des Schlosses zeugen jetzt gefundene farbige Ofenkacheln. "Sie gehören zu den wenigen erhaltenen Stücken, welche die Erstausstattung des kurfürstlichen Schlosses repräsentieren", sagt der Archäologe.

Zu sehen sind farbige Ofenkacheln mit weltlichen und biblischen Motiven. Einen baugleichen Ofen wie Friedrich der Weise, hatte auch Luther. "Derartige Öfen waren aufgrund der mehrfarbigen Kacheln unfassbar teuer. Luther konnte den Ofen nur von einem Herrscher oder Kardinal geschenkt bekommen haben", sagt Landesarchäologe Harald Meller.

Bei der Grabung kamen auch einzigartige bunte Bodenfliesen aus dem Schloss zutage. "Das ist sehr selten in Europa", sagt Rode. Die Glasur hat sich abgelöst, das sei wahrscheinlich auch der Grund, dass sie schon nach wenigen Jahren bei Umbauarbeiten als Bauschutt aus dem Fenster geworfen worden seien.

"Die Glasur war einfach nicht für eine Laufoberfläche geschaffen. Außerdem sind die Fliesen natürlich auch dem Zeitgeschmack unterworfen. Wahrscheinlich war es nicht besonders schlimm, sie nach wenigen Jahren durch einen moderneren Bodenbelag zu ersetzen", sagt Rode und meint: "Die Fürsten mussten ja mit der Zeit gehen. Sie konnten nicht mit altem Zeug repräsentieren."

Quelle: Dpa

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