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Gesundheitspsychologin: "Trotz Krise die Träume und Visionen nicht vergessen"

Gesundheitspsychologin Gappmayer-Löcker gibt Tipps, wie Erwachsene Kriegsangst bewältigen.

Experten raten, sich gerade in Krisenzeiten nicht von Informationen überrollen zu lassen.  SN/www.imago-images.de
Experten raten, sich gerade in Krisenzeiten nicht von Informationen überrollen zu lassen.

Im Fernsehen rollen Panzer. Es wird diskutiert, wie lange das Gas noch reicht. Putin droht mit Atomwaffen. Millionen Ukrainer dürften bald auf der Flucht sein. Kein Wunder, wenn auch Erwachsene Angst bekommen. Was kann man Betroffenen raten? Die klinische und Gesundheitspsychologin Erna Gappmayer-Löcker sagt: "Dass in der Ukraine Krieg ist, ist schlimm. An dem kann ich nichts ändern. Was ich ändern kann ist die Frage: Wie gehe ich damit um?" Eine Möglichkeit sei, sich zu informieren, um Sicherheit zu bekommen - aber gezielt: "Man sollte sich nicht von Infos überschwemmen lassen, sondern auch noch eine gewisse Distanz haben", sagt sie.

Wichtig sei, sich mit anderen über das Geschehen auszutauschen und Gedanken, Gefühle und Ängste zu besprechen: "Diese Gespräche sollten mit Hoffnung, Zuversicht und Ermutigung enden, damit man nicht noch belasteter ist als vorher."

Gappmayer-Löcker, die seit 1996 an der Landesklinik in Tamsweg arbeitet, rät aber auch, Gedanken und Gefühle auszusprechen, wenn man keine Gesprächspartner habe oder wolle: "Die eingesperrten Gedanken sollten trotzdem raus. Ich würde daher auch zu Selbstgesprächen ermutigen, weil dann die Gedanken leichter zu ertragen sind, wenn es um so negative Dinge wie die Angst geht." Gut sei, zu definieren, wovor man konkret Angst habe, und sich Lösungen zu suchen: "Wenn ich fürchte, kein Gas mehr zu haben, kann ich mir überlegen, wie ich aus der Lage herauskommen könnte. Das entschärft die Angst."

Wer zu häufigem Grübeln neige, könne zudem mittels Gedanken-Stopp-Übung diese Negativ-Spirale durchbrechen. Gappmayer-Löcker empfiehlt weiters, trotz der schwierigen Zeiten Träume und Visionen nicht zu vergessen: "Es ist wichtig, an positiven Zielen festzuhalten. Eine Lösung wäre, mehr Zwischenziele zu machen; trotz Krisen die Tagesstruktur einzuhalten, regelmäßig zu schlafen und nicht auf vermehrten Alkohol-Konsum zu setzen." Denn sich mit angenehmen Dingen zu beschäftigen, könne helfen, die Schwere zu neutralisieren. Zwecks Entspannung rät die Gappmayer-Löcker, die auch Notfallpsychologin ist, Atemübungen zu machen. Wenn jemand unmittelbar etwas für die Leute im Krisengebiet tun möchte, könne er bei Hilfsorganisationen mitarbeiten, spenden oder bei Initiativen wie "pray for freedom" aktiv werden, sagt sie.

Haben wir generell verlernt, mit solchen Krisen wie diesem Krieg umzugehen? Gappmayer-Löcker betont, dass wir durch die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft dazu neigen würden, den Blick auf das Ganze zu vergessen: "Das macht uns jetzt ein bisschen hilflos. Denn als Menschen sind wir mit den anderen verbunden, da kann man sich nicht abkapseln. Aber viele haben so gelebt, als ob das gehen würde."

Wohin Sie sich in einer Krise wenden können

Kinder, die Hilfe brauchen bzw. deren besorgte Eltern können sich an folgende Stellen wenden:

  • Rat auf Draht (bundesweit): 147
  • Kinderschutzzentrum Salzburg, 0662/44 911
  • Landes-Ambulatorium Am Ball: 0662/26 59 54-60

Erwachsene können sich an folgende Hotlines wenden:
  • Telefonseelsorge (bundesweit): 142
  • Pro Mente Krisenhotline Salzburg: 0662/43 33 51



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