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Gletscherschmelze lässt Gefahr von Felsstürzen in Hohen Tauern ansteigen

Die von Forschern der ZAMG vermessenen Gletscher in den Hohen Tauern verloren im vergangenen Jahr knapp einen Meter an Eisdicke, die Pasterze im unteren Bereich bis zu neun Meter. Die Erwärmung im Hochgebirge in den letzten Jahrzehnten erhöht auch die Gefahr von Steinschlag.

Rückzug: die Gletscherzunge Pasterze am Fuß des Großglockners. SN/zamg
Rückzug: die Gletscherzunge Pasterze am Fuß des Großglockners.

Das Projekt "Permafrostmonitoring Hohe Tauern" untersucht mittels Laserscanning, Drohnenmessungen und Computersimulationen die Änderung der Steinschlagtätigkeit in der Nähe der Pasterze.

Österreichs Gletscher starteten 2019 mit überdurchschnittlich viel Schnee in den Sommer. Allein im Mai wuchs die Schneedecke um 100 bis 150 Zentimeter. Diese späten Schneereserven wurden durch den heißesten Juni seit Messbeginn größtenteils aufgebraucht.

"Auf den Gletschern des Hohen Sonnblicks kam es zu einem eher späten Ausapern, und es entstanden auch nennenswerte Schneerücklagen, was zuletzt 2016 der Fall war", sagt Anton Neureiter von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

Das immer wärmere Klima in den Alpen führt auch zu einer Zunahme des Steinschlags. "Das passiert zum einen durch das Einsickern von Wasser in Felsspalten und zum anderen wahrscheinlich auch durch das Auftauen des Permafrosts. Das gefährdet stellenweise alpine Infrastruktur und die Sicherheit von Wanderwegen", erklärt Michael Avian, Experte für Erdbeobachtung an der ZAMG.

Im Projekt "Permafrostmonitoring Hohe Tauern" untersuchen die Universität Graz (Leitung), die TU Graz und die ZAMG Änderungen in der Stabilität des Felses und der Steinschlagtätigkeit im Bergsturzbereich Burgstall an der Pasterze. Finanziert wird das Projekt vom Nationalpark Hohe Tauern.

Nach einem Bergsturz im Jahr 2007 werden seit 2010 terrestrische Laserscanning-Messungen (Vermessung der Geländeoberfläche mittels Laser) der Nordostwand des Mittleren Burgstalls und der Südwand des Hohen Burgstalls durchgeführt. "Im Bergsturzbereich Mittlerer Burgstall ist die laufende Steinschlagaktivität aus den Laserscanning-Modellen zu erkennen, mit Felsblöcken von bis zu fünf Kubikmetern. Die Südwand des Hohen Burgstalls zeigt nur geringe Steinschlagbereiche, mit kleineren Blöcken von maximal zwei Kubikmetern", erklärt Avian.

Messungen zum Schutz von alpinen Steigen

Weiters komplettieren flächendeckende und hochauflösende optische Aufnahmen des Mittleren und Hohen Burgstalls mit Drohnen die jährlichen Messkampagnen. Diese sind als Nullmessung für zukünftige jährliche Flugkampagnen im Untersuchungsgebiet Burgstall gedacht. Hier sind vor allem die alpinen Steige im Umfeld der Oberwalder Hütte von Interesse, da diese in den letzten Jahren teilweise durch Steinschlag gefährdet waren und bisher nicht mit terrestrischem Laserscanning aufgenommen wurden.

Aufgerufen am 28.11.2021 um 03:42 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/gletscherschmelze-laesst-gefahr-von-felsstuerzen-in-hohen-tauern-ansteigen-83978584

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