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Grillvergnügen ohne Tropenholz

Brutzeln die Würstchen gerade über heimisches Eschenholz oder ist es vielleicht Tropenholz, dass hier verbrennt? Welche Holzart in der Grillkohle steckt, ist beim Kauf oft nicht erkennbar. Nun gibt es eine Technik, wie man das herausfindet.

Sommerzeit ist Grillzeit. Und dazu benötigt man ordentliche Grillkohle. Doch die Angaben der Hersteller seien nicht immer korrekt, sagt Sergej Kaschuro vom deutschen Thünen-Kompetenzzentrum für Holzherkünfte, der Proben untersuchte. Fazit: Öfter als man denkt, garen wir unsere Köstlichkeiten mit Hilfe von Holzkohle aus Tropenholz.

Allein nach Deutschland importieren Holzhändler jährlich an die 200.000 Tonnen Holzkohle. In Österreich werden immerhin noch 14.500 Tonnen Holzkohle verbraucht und mehr als 90 Prozent stammen aus dem Ausland.

Abholzung in Südamerika

Die Hauptlieferanten für Europa sind Paraguay und Argentinien. Für unser Freizeitvergnügen wird dort der riesige der Chaco-Wald abgeholzt, ein riesiges tropisches Wald- und Savannengebiet in Südamerika.

Forscher am Thünen-Kompetenzzentrum Holzherkünfte in Hamburg haben jetzt ein Verfahren etabliert, mit dem sie einzelnen Kohlestücken ansehen können, aus welchem Holz sie stammen. Dafür nutzen sie eine neuartige Mikroskopiertechnik, die schnell ein Ergebnis liefert.

Polarisiertes Licht

Auch wenn man es den schwarzen Brocken nicht ansieht, weisen sie in ihrem Inneren immer noch ihre typische Holzstruktur auf. Um Proben von Hölzern zu bestimmen, stellen die Thünen-Experten normalerweise ultrafeine Schnitte her, die sie unter dem Mikroskop analysieren.

Doch das ist bei Holzkohle nicht möglich, weil sie zerbröseln würde. Die Hamburger Wissenschafter setzen daher auf ein neues Verfahren, bei dem von oben polarisiertes Licht auf die Oberfläche der zu untersuchenden Holzkohlestücke fällt.

Verbraucherschutz

Ein spezielles Mikroskop scannt die raue Oberfläche des Objekts ab und setzt daraus ein detailliertes, hochauflösendes Bild zusammen. Anhand der abgebildeten Feinstruktur können die Experten bestimmen, ob das Kohlestückchen früher eine Buche, eine Eiche oder etwa ein Tropenbaum war.

Konkret einsetzen konnten die Holzwissenschafter ihre neue Untersuchungstechnik jetzt auf Bitten der österreichischen Verbraucherschutz-Einrichtung, dem Konsumentenschutz der Arbeiterkammer in Oberösterreich. Die hatte Holzkohle von 18 verschiedenen Anbietern aus Baumärkten, Discountern und Supermärkten eingeschickt und um Bestimmung der Holzarten gebeten.

Vebrauchertäuschung

In drei Säcken fanden die Experten Tropenhölzer, bei weiteren drei Gebinden entsprachen die gefundenen Hölzer nicht den Deklarationen auf der Packung.

"Bisher war es uns Wissenschaftern nur in Einzelfällen und mit großem Aufwand möglich, bei Holzkohlefragmenten auf das Holz zu schließen, zum Beispiel bei archäologischen Funden", sagt Analytiker Gerald Koch vom Kompetenzzentrum in Hamburg.

"Holzkohle unterliegt zwar nicht der EU-Holzhandelsverordnung, die festlegt, dass in die EU importierte Hölzer und Holzprodukte aus legalem Einschlag stammen müssen", sagt er. "Dennoch ist es eindeutig Verbrauchertäuschung, wenn Angaben auf den Holzkohleverpackungen nicht stimmen." Durch die neu entwickelte Kombination von Mikroskopier- und Bildanalysetechnik sei die Wissenschaft nun erstmals in der Lage, entsprechende Untersuchungen auch routinemäßig in größerem Maßstab durchzuführen.

Die Forscher hoffen jetzt auf weitere Aufträge.

700 Hektar täglich

Es gibt einen Grund, warum Gillexperten besonders auf tropische Harthölzer wie den Quebracho-Baum aus Südamerika schwören. Die Kohle brennt sehr gleichmäßig. Sie übersehen aber dabei: In seiner Heimat, dem Chaco-Wald in Südamerika, ist die Art inzwischen vom Aussterben bedroht und steht sogar schon auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN. Fast 700 Hektar des sehr artenreichen Chaco-Waldes werden täglich abgeholzt, hauptsächlich um Platz für die Viehzucht und für den Sojaanbau zu schaffen. Der Holzeinschlag und die Holzkohleproduktion sind dabei ein wichtiger Teil des Geschäfts. Sie finanzieren die Rodungen.

So grillen Sie mit gutem Gewissen

1. Bei Grillkohle auf die Gütesiegel FSC und PEFC achten.

2. Nach Grillkohle aus den reinen Abfallprodukten Kokosnussschalen oder 3. Olivenkernen Ausschau halten - eine ökologische Alternative.

3. Bei einem der 8 Köhler in Österreich Grillkohle ab Hof kaufen.

4. Solargriller ausprobieren. Er benötigt weder Kohle, Strom noch Gas.

Aufgerufen am 18.09.2018 um 09:37 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/grillvergnuegen-ohne-tropenholz-1199065

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