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Heiße Phase im Rennen um Corona-Impfstoff

Die britische Regierung geht von einer möglicher Verteilung noch vor Weihnachten aus.

Experten gehen davon aus, dass es noch im Winter einen Corona-Impfstoff geben wird. SN/AP
Experten gehen davon aus, dass es noch im Winter einen Corona-Impfstoff geben wird.

Weltweit arbeiten Wissenschafter und Pharmaunternehmen daran, rasch einen Corona-Impfstoff zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Was sonst viele Jahre dauert, soll jetzt binnen Monaten geschehen. "Ich bin mir sicher, dass es noch im Winter einen Impfstoff geben wird, der auch in der EU zugelassen ist", sagte Impfstoffforscher Peter Kremsner schon vergangene Woche in den SN.

Lightspeed, zu deutsch "Lichtgeschwindigkeit", nennt etwa das deutsche Unternehmen Biontech sein Impfstoffprojekt, das es zusammen mit dem US-Pharmariesen Pfizer vorantreibt. Der Wirkstoff ist einer von momentan etwa einem Dutzend Kandidaten in der dritten und letzten Phase der klinischen Prüfung mit Zehntausenden Probanden. Einem Bericht der britischen Zeitung "The Times" zufolge könnte dieser Impfstoff noch vor dem konkurrierenden Vakzin von AstraZeneca verfügbar sein. Die Regierung in London gehe davon aus, dass der Impfstoff von Biontech und Pfitzer noch vor Weihnachten verteilt werden könnte, heißt es in dem Bericht.

Sowohl beim Impfstoffkandidaten von Biontech und Pfizer, als auch bei jenem von AstraZeneca startete bereits der Zulassungsprozess bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA.

In den USA ist man hingegen teils weniger optimistisch. Nach Ansicht des Immunologen Anthony Fauci werde es vor Jänner keine Notfallzulassung für einen Impfstoff durch die US-Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde (FDA) geben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erwartet den Start von Impfungen zur Jahresmitte 2021. Risikogruppen und Beschäftigte im Gesundheitssystem können als erste mit einer Impfung rechnen.

Klar ist dabei: Die Zulassung eines Impfstoffs wird die Pandemie nicht sofort beenden. Experten weisen darauf hin, dass kein Impfstoff eine 100-prozentige Wirksamkeit erreicht, also nicht jeder Geimpfte zuverlässig vor einer Infektion geschützt ist. Das ist nicht ungewöhnlich: Beim Masernimpfstoff etwa ist die Effektivität mit 95 Prozent relativ hoch. Grippeimpfstoffe haben eine Schutzwirkung von 60 bis 70 Prozent. Für die Zulassung der ersten Corona-Impfstoffe hat die US-Zulassungsbehörde FDA eine Wirksamkeit von mindestens 50 Prozent als Ziel vorgegeben, in der EU gibt es noch keine Empfehlung.

"Es ist möglich, dass erste Impfstoffe nicht immer verhindern können, dass es zu einer Ansteckung kommt", sagt Arne Kroidl, leitender Prüfarzt für Corona-Impfstudien am Tropeninstitut des Klinikums der Universität München. "Allerdings ist ein deutlicher Effekt hinsichtlich klinischer Symptome oder schwerer Verläufe zu erwarten, eine verminderte Viruslast würde zudem eine verminderte Infektiosität wahrscheinlich machen."

Quelle: SN, Dpa

Aufgerufen am 24.11.2020 um 05:27 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/heisse-phase-im-rennen-um-corona-impfstoff-94879549

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