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Im Naturhistorischen Museum hat der T. Rex auch Federn

Den Blick auf die Superstars naturkundlicher Museen, die Dinos, kann man ab Mittwoch (20.10.) auf neue Weise im Naturhistorischen Museum (NHM) Wien werfen. Die Sonderschau "KinoSaurier. Fantasie & Forschung" widmet sich den verschiedenen Sichtweisen auf die Riesenechsen im Film und in der Wissenschaft - im Hollywoodjargon also "Filmwissenschaft meets Paläontologie". Eine Hauptrolle spielt der neue Plateosaurier des Hauses am Ring, aber auch der mittlerweile gefiederte T. Rex.

Neue Sonderschau startet am 20. Oktober SN/nhm wien, c. rittmannsperger
Neue Sonderschau startet am 20. Oktober

Wie einander Wissenschaft und fiktionale Darstellung der bis vor rund 65 Millionen Jahren dominanten Tiere auf unsere Erde gegenseitig beeinflussen, soll die in Kooperation mit dem Landesmuseum Hannover durchgeführte Schau zeigen. Das tut sie in den Sonderausstellungsräumen des NHM bis 18. April 2022 auch mit allerhand Zitaten aus popkulturellen Darstellungen oder den mitunter stilprägenden Streifen selbst. Dem gegenüber stehen jene statischen Fossilien, aus denen Forscher bisher so viele tiefe Erkenntnisse über das Leben der vielfältigen Tiere gewonnen haben und die letztlich Filmemachern alle Jahre wieder höchst einträgliche Blockbuster bescheren.

Hier stoßen nicht nur Geistes- auf Naturwissenschaften und Popkultur, sondern auch kleine Dinoexperten auf teils unwissende Eltern, so die NHM-Generaldirektorin, Katrin Vohland, bei der Präsentation am Dienstag. Den Balanceakt will man auch mithilfe der aufwendig restaurierten und für die Schau erstmals aufgestellten Original-Überreste eines 210 Millionen Jahre alten Plateosauriers bewältigen, die das Sauriermuseum Frick (Schweiz) dem NHM als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hat.

Das Gros der Präsentation kommt allerdings aus Hannover, dazu kommen Artefakte aus der NHM-Sammlung. Auch das Museum selbst wird in einem neuen Animations-Kurzfilm zum Schauplatz der cineastischen Dino-Erweckung, wenn in dem Streifen "T. rex wants to break free" von Günter Nikodim ein archetypischer Raubsaurier aus dem Museum auf den Maria-Theresien-Platz stürmt.

Der war in Wirklichkeit jedoch vielleicht gar kein drachenartiger, blutrünstiger Räuber, sondern möglicherweise nur ein "gefiederter Aasfresser", so Vohland. Mit schmerzlichen Veränderungen mussten Dino-Fans aber schon mehrfach fertig werden, wie NHM-Paläontologin Ursula Göhlich betonte. So erwiesen sich die ersten, sehr aufrechten Aufstellungen des T. Rex als falsch. Er steht jetzt meist deutlich geduckter in den Museen: "Der Wissensstand hat immer auf die Darstellungen zurückgewirkt."

Waren Saurier in der 1950er-Jahren noch "dick, träge, grün, zum Aussterben verdammt" und entsprechend langsam, wie die Kuratorin der Ausstellung in Hannover, Annette Richter, ausführte, entstand später das Bild der schnellen Raubsaurier. Dann wurde den vermeintlich kalten Echsen sogar ein Sozialleben zugestanden. In den vergangenen Jahrzehnten erwiesen sich vor allem viele Räuber als federtragend. Spätestens hier hätten einige Besucher der Schau in Deutschland schwer geschluckt, wie die Paläontologin erklärte.

Die Macher der "Jurassic Park"-Filmreihe konnten im letzten Aufguss des Stoffes mit dem Fortschreiten der wissenschaftlichen Erkenntnisse auch nicht mehr mit. Für einen T. Rex als "großes Hühnchen", das Jagd auf Parkbesucher macht, war die Zeit vermutlich noch nicht reif, so der Ko-Kurator der Schau, Daniel Hercenberger, vom Filmmuseum Düsseldorf. Trotzdem dienten Dinos im Film immer wieder als Leitfiguren für neue Trickmethoden und Animation.

In der Ausstellung gehe es letztlich darum, mit viel Anschauungsmaterial zu "unterminieren, was da so geglaubt wird", so Richter. So würden aber auch heute noch potenzielle Geldgeber danach fragen, was es denn nun mit den ominösen Dino-Blutproben aus in Bernstein gefangenen Stechmücken auf sich hat. Man müsse eben immer wieder erklären, warum das unmöglich ist und der wildromantischen Vorstellung eines Zusammentreffens von Sauriern und Menschen eine Absage erteilt werden muss. Die bleibt dann also weiter dem Film und naturkundlichen Museen vorbehalten.

(S E R V I C E - www.nhm-wien.ac.at)

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