Wissen

IMP - Heimstätte der Wiener Life Science-Forschung mit neuem Gebäude

Wenn es um die Wiener und die österreichische Spitzenforschung in Sachen "Life Sciences" geht, kommt man nicht um das Institut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien-Landstraße herum.

Der deutsche Pharmakonzern Boehringer Ingelheim hat das Projekt 1984 gemeinsam mit dem US-Biotech-Unternehmen Genentech gestartet. Es war und ist der Kristallisationspunkt des Vienna Biocenter.

Am Mittwoch wurde nach acht Jahren Planung und Realisation das neue IMP-Forschungsgebäude mit einem Mitteleinsatz von 52 Millionen Euro durch Boehringer Ingelheim im Beisein von führenden Wissenschaftern und österreichischen Politikern eröffnet.

Das Ereignis am Mittwoch stellte die Fortsetzung einer mittlerweile schon langen Erfolgsstory. 1984 hatten sich der deutsche Konzern und Genentech an einen Tisch gesetzt, um die Etablierung eines gemeinsamen Instituts für die medizinische Grundlagenforschung auf der Basis der modernen Molekularbiologie in die Wege zu leiten.

Wissenschafter sollten unabhängige Basisforschung vor allem mit der Zielrichtung der Aufklärung von biologischen Mechanismen rund um Krebs betreiben. Sollten für die Pharmaunternehmen verwertbare Resultate erzielt werden, könnten diese sie nutzen.

Blick in ein Labor des neuen IMP-Forschungsgebäude am Mittwoch, 01. März 2017, im Rahmen einer Presseführung anl. der Eröffnung des neuen Gebäudes des Instituts für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien. SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Blick in ein Labor des neuen IMP-Forschungsgebäude am Mittwoch, 01. März 2017, im Rahmen einer Presseführung anl. der Eröffnung des neuen Gebäudes des Instituts für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien.

Der erste wissenschaftliche Direktor wurde 1986 der in Fachkreisen weltweit bekannte Molekularbiologe Max Birnstiel. Er starb am 15. November 2014 im Alter von 81 Jahren in der Schweiz. Ihm folgte 1997 der Brite Kim Nasmyth, Spezialist auf dem Gebiet der Zellzykluskontrolle. 2006 übernahm diese Funktion Barry Dickson, ein Fliegen-Genetiker. Derzeit ist der gebürtige Deutsche Jan-Michael Peters (seit 2013) der wissenschaftliche Leiter. Er widmet sich besonders der Forschung in Sachen Zellteilung.

Das Institut selbst wurde 1985 offiziell gegründet. Im Jahr darauf erfolgte die Übersiedlung in das eigene Gebäude in Wien-Landstraße. 1993, nach der Übernahme von Genentech durch den Schweizer Pharmakonzern Roche, übernahm Boehringer Ingelheim die Genentech-Anteile am IMP.

Blick in ein Labor des neuen IMP-Forschungsgebäude am Mittwoch, 01. März 2017, im Rahmen einer Presseführung anl. der Eröffnung des neuen Gebäudes des Instituts für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien. SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Blick in ein Labor des neuen IMP-Forschungsgebäude am Mittwoch, 01. März 2017, im Rahmen einer Presseführung anl. der Eröffnung des neuen Gebäudes des Instituts für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien.

Das IMP war und ist "der" Kristallisationspunkt der Wiener Biotech-Szene. Direkt benachbart entstand ab 1992 das "Campus Vienna Biocenter". Im Grunde genommen ging es dabei um die Ansiedlung von Instituten der Universität Wien gemeinsam mit Biotech-Unternehmen.

Ab 1999 schlossen Boehringer Ingelheim und die Österreichische Akademie der Wissenschaften einen Vertrag bezüglich der Errichtung bzw. der Zusammenarbeit beim Aufbau und Betrieb des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA) ab. Das IMBA entstand als "Nachbar" des IMP und zog dort mit dem Jahr 2006 ein.

Für das "Austrian Adacemy of Sciences - Life Sciences Center Vienna" mit dem Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI) und dem IMBA gibt es High-Tech-Forschungseinrichtungen, die gemeinsam benutzt werden (Core-Facilities).

Blick in den Mikroskop-Raum des neuen IMP-Forschungsgebäude am Mittwoch, 01. März 2017, im Rahmen einer Presseführung anl. der Eröffnung des neuen Gebäudes des Instituts für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien. SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Blick in den Mikroskop-Raum des neuen IMP-Forschungsgebäude am Mittwoch, 01. März 2017, im Rahmen einer Presseführung anl. der Eröffnung des neuen Gebäudes des Instituts für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien.

Hinzu kamen in der unmittelbaren Umgebung Start-Up-Biotech-Unternehmen. Boehringer Ingelheim hat seine Onkologie-Forschung von der Identifizierung neuer Ziele bis zur Definierung potenziell wirksamer Moleküle (Biologika oder synthetisch herzustellende kleine Moleküle) im Rahmen seiner internationalen F&E-Aktivitäten in Wien konzentriert.

Seit 1986 haben Wissenschafter am IMP mehr als 2.000 wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht. Es sind mittlerweile 60 bis 90 pro Jahr. Die Zahl der ERC-Grants (Europäischer Forschungsrat) seit 2007 beträgt aktuell 14. IMP-Forschungen waren bisher mit 93 Patenten verbunden. An dem Institut arbeiten insgesamt 15 Forschungsgruppen (250 Beschäftigte) mit Beteiligten von 40 Nationen. Das Vienna Biocenter umfasst insgesamt 1.400 Wissenschafter mit rund hundert Forschungsgruppen.

Molekulare Zellbiologie, Strukturbiologie und Biochemie, Gen-Expression und Chromosomen-Biologie, Stammzellbiologie und Entwicklungsbiologie, Immunologie und Krebs sowie Neurowissenschaften sind die aktuellen Forschungsgebiete des Instituts. Das neue Gebäude bietet auf acht Ebenen 15.000 Quadratmeter Fläche (nutzbare Fläche: 8.200 Quadratmeter). 3.000 Quadratmeter machen allein die Labors aus.

Quelle: APA

Aufgerufen am 26.09.2018 um 12:58 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/imp-heimstaette-der-wiener-life-science-forschung-mit-neuem-gebaeude-328657

Schlagzeilen