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IMP - Zwischen Genetik von "Eva" und Krebsmedikamenten

Die Geschichte des Instituts für Pathologie (IMP) in Wien ist mittlerweile mehr als 30 Jahre lang. Viele wissenschaftliche Erfolge wurden erzielt. Doch auch hervorragende Grundlagenforschung führt nur manchmal zu Erkenntnissen, welche direkt in der Medizin anwendbar werden.

Blick in ein Labor des neuen IMP-Forschungsgebäude im Rahmen einer Presseführung anl. der Eröffnung des neuen Gebäudes des Instituts für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien. SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Blick in ein Labor des neuen IMP-Forschungsgebäude im Rahmen einer Presseführung anl. der Eröffnung des neuen Gebäudes des Instituts für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien.

"Eva muss vor rund 200.000 Jahren in Afrika gelebt haben", erklärte der Gründungschef des Instituts, der Schweizer Biochemiker Max Birnstiel, Ende Februar 1987 im Rahmen seines Eröffnungsvortrages zur Informationstagung über "Biotechnologie und Gentechnik" in Bad Ischl veranstaltet wurde.

Er sollte mit 1. Jänner 1988 die wissenschaftliche Leitung des IMP in Wien übernehmen. Die Tagung wurde vom damaligen Wissenschaftsminister Hans Tuppy eröffnet.

Birnstiel stellte damals die brandneue Erkenntnis dar, wie Wissenschafter über die Sequenzierung der DNA nur über die Mütter weiter gegebenen Erbsubstanz der Zell-Kraftwerke (Mitochondrien) den Ursprung der Menschheit genetisch in Afrika festgezurrt hatten.

Der Biochemiker konzentrierte das Institut auf das Thema Krebs. "Wir kennen zwar einzelne Knotenpunkte bei der Krebsentstehung, doch das Gesamtsystem ist uns noch zu einem Großteil unbekannt.

Der Krankheitsprozess bei bösartigen Geschwülsten ähnelt einem Netz. Wir sind zwar bereits in der Lage, an manchen Eckpunkten anzusetzen, wissen aber nicht, was am anderen Ende herauskommt", sagte Birnstiel im Mai 1988 gegenüber der APA. Mit einem Gesamtaufwand von damals rund 235 Millionen Schilling (17,08 Mio. Euro) - Bund und Stadt Wien leisteten ihren Beitrag - war das IMP zuvor für 60 Wissenschafter aus dem Boden gestampft worden.

Das Jahresbudget sollte 180 Millionen Schilling betragen. Schon damals war an die später erfolgte Schaffung eines "Vienna Biocenter" mit Instituten der Universität Wien etc. gedacht worden.

Längst nicht alle Forschungsergebnisse, an denen am IMP gearbeitet wurde, waren zunächst unumstritten. 1989 glaube der italienische Wissenschafter Corrado Spadafora, mit Birnstiel befreundet, nachweisen zu können, dass Spermien von Tieren als Überträger ihnen fremder Erbsubstanz benutzt werden könnten.

Zeitweise arbeitete der italienische Wissenschafter in Wien am IMP. Seine Erkenntnisse wurden in der Fachwelt zunächst ziemlich kritisch gesehen. Dass ein solcher Gentransfer stattfinden kann, ist mittlerweile unumstritten. Die Technik wird auch bei transgenen Tieren verwendet. Spadafora arbeitet jetzt am nationalen Gesundheitsinstitut Italiens in Rom.

1994 sorgte ein am IMP in Zusammenarbeit mit Boehringer Ingelheim mit der Universitäts-Hautklinik in Wien sowie Universitätskliniken in Würzburg und Freiburg entwickelter Melanom-Impfstoff für Aufsehen. Im Dezember jenen Jahres erhielt eine 44-jährige Patientin, die im fortgeschrittenen Stadium an einer Melanom-Erkrankung litt, in einer ersten Sitzung zehn Injektionen von gentechnisch veränderten Krebszellen aus ihrem eigenen Körper, welche die Immunabwehr gegen den Tumor "scharf" machen sollten.

Die Zellen waren der Frau einige Wochen zuvor aus einer Metastase entnommen und in der Wiener "Krebsvakzin-Fabrik" (bei dem Tochterunternehmen von Boehringer Ingelheim in Wien) zu einer Vakzine "produziert" worden. Mit der Gabe dieser Zellen sollte auch eine verstärkte Produktion des Immunbotenstoffs Interleukin 2 (IL-2) einhergehen. Es zeigte sich eine immunologische Reaktion nach der Immunisierung bei den Probanden. Eine klinisch breiter anwendbare Therapie wurde daraus nicht.

Etwa um die Jahrtausendwende identifizierten Wissenschafter am IMP die Polo-like-Kinase, ein Enzym, als wichtigen Faktor für die Zellteilung. Ein auf der Basis dieser Erkenntnisse entwickelter Wirkstoff (Volasertib) wurde bei Patienten mit Akuter Myeloischer Leukämie (AML) im Alter über 65 Jahren untersucht, die keine hoch dosierte Chemotherapie mehr vertrugen. Allerdings erreichte eine Wirksamkeitsstudie, die 2016 vorgestellt wurde, nicht den Nachweis einer besseren Effektivität.

Viele Jahre mit zahlreichen Publikationen in Sachen Krebs und Dermatologie war an dem Institut auch Erwin F. Wagner tätig. Er und sein Team klärten beispielsweise die Rolle von des Gens JunB bei Psoriasis auf. Sie führten bahnbrechende Studien zum Knochenstoffwechsel bei Mäusen (c-Fos-Gen) durch und wiesen auf eine Beteiligung der Knochenfresszellen (Osteoklasten) bei Krebs hin. Wagner übersiedelte schließlich ans nationale spanische Krebsforschungsinstitut.

"Das IMP hat sich einen Fixplatz unter den weltweit führenden Instituten im Bereich molekularbiologischer Forschung erarbeitet", sagte 2015 Philipp von Lattorff, Generaldirektor des Boehringer Ingelheim Regional Center Vienna (RCV), als die Entscheidung für den Bau des neuen Gebäudes bekannt gegeben wurde.

Für den wissenschaftlichen Direktor des IMP, Jan-Michael Peters, bedeutete damals das neue Institutsgebäude "eine deutliche Verbesserung unserer Infrastruktur, Flexibilität und Kommunikationsmöglichkeiten". Er sieht darin ein "ermutigendes Signal zur weiteren Stärkung der Grundlagenforschung".

Quelle: APA

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