Wissen

Klick, Klick, Unglück

Cyberkriminalität hat seit Beginn der Coronapandemie stark zugenommen - die Digitalisierung bietet neue Angriffsflächen. Eine Hoffnung liegt in der Forschung.

Immer mehr Firmen wie auch Privatpersonen tappen in die Digitalfallen. SN/fotolia
Immer mehr Firmen wie auch Privatpersonen tappen in die Digitalfallen.

"Ihr Paket ist unterwegs. Klicken Sie auf folgenden Link, um die Sendungsverfolgung zu öffnen." Es sind Nachrichten wie diese, die immer häufiger an private Smartphones als SMS oder E-Mail verschickt werden. Der Inhalt erscheint durchaus plausibel: Kurz vor Weihnachten dürften viele darauf warten, dass die Weihnachtsgeschenke vom Paketboten gebracht werden. Zudem bieten viele Onlinehändler, aber auch die Post und Paketdienste an, die Lieferung vom Lager bis zur Haustür verfolgen zu können. Genau deshalb klicken viele Menschen die mitgeschickten Links an. Das Problem ist: Die Nachrichten werden von Betrügern verschickt, um private Daten abzugreifen.

Solche sogenannten Phishingmails können aber nicht nur Privatpersonen schaden. Auch für Betriebe können sie nach Angaben von Gottfried Tonweber weitreichende Folgen haben. Er ist Leiter der Cybersecurity bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young: Er bietet an, Betriebe bei der Prävention gegen digitale Angriffe zu unterstützen, und hilft im Falle einer Cyberattacke, Schäden zu minimieren. "Phishing-E-Mails und Lücken im Sicherheitssystem ermöglichen Cyberkriminellen den Zugang zu Systemen", sagt Tonweber. Ist Angreifern das gelungen, sei es ihnen möglich, Sicherungen zu deaktivieren und sogar die komplette Produktion eines Unternehmens lahmzulegen. "Sie fordern dann häufig ein Lösegeld in sechs- bis siebenstelliger Höhe."

Auch Unternehmen in Salzburg wurden dieses Jahr zur Zielscheibe von Cyberkriminellen. Neben dem Molkereibetrieb SalzburgMilch wurden auch ein hiesiges Biotechnologieunternehmen und eine Firma zur Herstellung von Reinigungsmitteln angegriffen - und das zum Teil trotz Vorsichtsmaßnahmen. Laut dem Cybercrime-Report 2020 des Bundesministeriums für Inneres hat die Cyberkriminalität im Vergleich zu 2019 um 26 Prozent zugenommen. Vorläufige Zahlen, die jüngst vom ehemaligen Innenminister und heutigen Bundeskanzler Karl Nehammer veröffentlicht wurden, bestätigen den Trend auch für 2021. Verbrechen wie der "betrügerische Datenverarbeitungsmissbrauch", bei dem unter anderem Systemfehler genutzt werden, um sich zu bereichern, haben demnach um 15 Prozent zugenommen.

Insbesondere Firmen seien zunehmend von dieser Form der Kriminalität betroffen. "Wir gehen davon aus, dass ein Viertel aller österreichischen Unternehmen von Cyberangriffen und Datenklau betroffen ist - und das ist eine eher zurückhaltende Schätzung", erklärt Gottfried Tonweber. Dies heiße zwar nicht, dass es den Angreifern auch immer gelinge, wichtige Daten abzugreifen, dennoch zeigt sich Tonweber besorgt. Denn insbesondere Corona habe der Cyberkriminalität Vorschub geleistet: "Seit Beginn der Pandemie hat sich die Zahl verfünffacht. Es gab also einen regelrechten Boost." Grund dafür seien Sicherheitslücken im Homeoffice: Angreifer würden versuchen, diese auszunutzen, um auf die IT-Systeme zuzugreifen.

Die zunehmende Digitalisierung spielt Hackern in die Hände. Dominik Engel, Fachbereichsleiter des Zentrums für sichere Energieinformatik an der FH Salzburg, nimmt hier insbesondere die Forschung in die Pflicht, neue Schutzmechanismen zu entwickeln: "Es kommen nicht nur grundlegende Algorithmen aus der Forschung - es werden auch neue Methoden entwickelt, um Systeme abzusichern." Und dies habe derzeit Priorität. Denn in allen Branchen werde derzeit die Digitalisierung vorangetrieben: "Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Es bietet aber viele neue Angriffsflächen."

Während man sich bislang auf den IT-Bereich, also die Informationstechnologien, konzentriert habe, rücke zunehmend ein neuer Bereich in den Mittelpunkt der Forschung: die Operationstechnologien. "Wenn man sich den Bereich der intelligenten Produktion ansieht, also Produktionsmaschinen, die digital angesteuert werden, dann ist man in einem völlig neuen Umfeld unterwegs - und dann helfen die herkömmlichen Sicherheitsmaßnahmen auch nicht mehr." Im IT-Bereich könne man beispielsweise durch regelmäßige Aktualisierungen der Betriebssysteme und Virenprogramme einen gewissen Schutz gewährleisten, erklärt Engel weiter. Im Bereich der Organisationstechnologie sei dies nicht möglich. "Hier müssen - zusammen mit Experten aus der Praxis - Lösungen erarbeitet werden, um das Gesamtsystem zu schützen."

Obwohl die sogenannte Cybersecurity immer komplexer werde und auch kein absoluter Schutz garantiert werden könne, ist Engel optimistisch: "Man kann das mit der Automobilindustrie vergleichen: Es gibt keine Technologie, die zu 100 Prozent garantieren kann, dass ein Unfall verhindert wird. Dennoch wird der Schutz immer besser."

Aufgerufen am 18.01.2022 um 05:50 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/klick-klick-unglueck-114347818

Golling holte verschollene Münze heim

Golling holte verschollene Münze heim

Der Münzschatz wurde im Jahr 1903 am Thannhausgut in Torren bei Golling neben dem Stallgebäude entdeckt und umfasste insgesamt 879, teils von Grünspan grünlich verfärbte Silbermünzen sowie einen Silberbarren …

Brand am Fuß des Dürrnbergs hatte Stau zur Folge

Brand am Fuß des Dürrnbergs hatte Stau zur Folge

Am Donnerstag kurz nach 16 Uhr wurde die Feuerwehr zu einem Dachgeschoß-Brand am Fuß des Dürrnbergs alarmiert: Betroffen war ein unbewohntes, als Lager genutztes Haus. Einsatzleiter Josef Tschematschar: "Wir …

Kommentare

Schlagzeilen