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Kollektive Selbsttäuschung: Österreicher verschwenden mehr als sie denken

In Österreich wird mehr verschwendet, als man glaubt: 13 Prozent der eingekauften Lebensmittel werden nie konsumiert, mehr als ein Viertel der Kleidungsstücke im Schrank wird nie getragen. In anderen Ländern sieht die Lage noch radikaler aus. Wir täuschen uns aber vor, dass wir weniger wegwerfen, als wir es in Wirklichkeit tun.

13 Prozent der österreichischen Lebensmitteleinkäufe landen im Müll.  SN/apa (dpa)
13 Prozent der österreichischen Lebensmitteleinkäufe landen im Müll.

Viele von uns kennen es: Der Kleiderschrank daheim ist überfüllt. Trotzdem kaufen wir uns immer wieder neue Kleidung. Und trotzdem greifen wir immer wieder zur gleichen Lieblingshose. Ähnlich sieht unser Konsumverhalten auch hinsichtlich der Lebensmitteleinkäufe aus. Es wird besser mehr als zu wenig gekauft. Nur vieles landet dann eben im Müll. Die Österreicher selbst glauben zwar, wenig wegzuwerfen. Da täuschen sie sich aber. Und zwar mit 13 Prozent.

Länder mit geringster Selbsttäuschung: Österreich auf Rang 5

Die Österreicher glauben, sie würden 39 Prozent ihrer Kleidungsstücke nicht regelmäßig tragen. Tatsächlich bleiben aber 65 Prozent der Kleidung ständig im Schrank. Ein Selbsttäuschungs-Unterschied liegt also bei 13,33 Prozent.

Bei den Lebensmittel sieht es folgendermaßen aus: Während der Anteil der in Österreich weggeworfenen Lebensmittel auf 10 Prozent geschätzt wird, liegt er in Wirklichkeit bei 13 Prozent.

Es gibt Länder, in denen der Unterschied zwischen tatsächlicher Verschwendung und Annahme der Bevölkerung noch fataler ist. Das deutsche Umzugsunternehmen "Movinga" bestätigt diese Tendenzen in einer Studie. Die Studie ergab, dass Österreich in der Liste der Länder mit der geringsten Selbsttäuschung weltweit auf Platz 5 rangiert. Angeführt wird diese Liste von Russland, Schlusslicht ist die Schweiz.

Methodik der Studie

Im Rahmen der Studie wurden 18.000 Haushalte in 20 Ländern über ihr Konsumverhalten befragt. Nach ersten Befragungen kam es zu folgender Vorgehensweise: Bei der Kleidung nahmen die Experten eine Inventur der Kleiderschränke der Teilnehmer vor. Im Anschluss wurde zwölf Monate lang die tatsächliche Verwendung der Kleidungsstücke dokumentiert. Bezüglich des Nahrungsmittelkonsums wurden die Teilnehmer gebeten, ihr Wegwerfverhalten über sechs Monate hinweg zu dokumentieren. Die erhobenen Daten wurden dann mit Expertendaten abgeglichen.

Ziel der Studie: Bewusstheit über den eigenen Besitz schärfen

Laut "Movinga" sei es das Ziel der Studie, den Blick auf die Organisation des eigenen Zuhauses zu schärfen. Die falschen individuellen Einschätzungen zeigten, dass in unserer Gesellschaft oft die Bewusstheit für den eigenen Besitz fehle. Die Leute sollten auf Initiativen wie Freecycle oder Läden von Wohltätigkeitsorganisationen zurückgreifen, um die nicht gebrauchten Gegenstände verschenken zu können.

Quelle: SN

Aufgerufen am 16.12.2018 um 05:10 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/kollektive-selbsttaeuschung-oesterreicher-verschwenden-mehr-als-sie-denken-39054586

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