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Komet "Neowise" ist mit freiem Auge zu sehen

Ein Komet hat seinen Vorbeiflug an der Sonne als Ganzes geschafft und Kometenbeobachter weltweit positiv überrascht. Der Milliarden Jahre alte "Neowise" ist bereits mit freiem Auge zu sehen. Wer ihn verpasst, hat leider wenig andere Chancen: Das nächste Mal kommt er in 6000 Jahren wieder.

Auf seiner Reise durch das Sonnensystem hat er den sonnennächsten Punkt passiert und dies gut überstanden, er "wird wirklich ein schöner Komet", sagte Alexander Pikhard von der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA) zur APA.

Auch Julia Weratschnig, Kuratorin für Astronomie des Salzburger Hauses der Natur ist begeistert: "Vor Sonnenaufgang - zwischen 4:00 und 4:30 Uhr früh - ist der Komet am nordöstlichen Horizont, in der Nähe der hellen Venus, auffindbar. Mit einem Feldstecher ist er ein lohnendes Objekt, mit freiem Auge kann man ihn aber auch bereits erkennen. Der Komet wird sich nun im Laufe des Juli immer mehr der Erde annähern. Er steht auch immer höher über dem Horizont, sodass er bereits früher in der Nacht sichtbar wird. Dies vereinfacht das Auffinden und macht ihn für längere Zeit - um den 20. Juli ab Mitternacht bis knapp vor Sonnenaufgang - beobachtbar.

Obwohl es schwierig ist, die Entwicklung der Helligkeit vorauszusagen: sollte diese zumindest gleich bleiben oder sogar steigen, so wird der Komet tatsächlich noch ein beeindruckendes Schauspiel bieten. Nun heißt es Daumendrücken, dass dieses Versprechen nicht auch wieder gebrochen wird", sagt sie.

Derzeit steht der Schweifstern noch sehr tief am Horizont. Für Beobachtungen empfiehlt auch Alexander Pikhard "morgens um etwa 4 Uhr den Blick nach Norden zu richten, abends um etwa 22 Uhr nach Nordwesten". Der beste Beobachtungszeitraum ist in den Tagen rund um Neumond am 20. Juli, sagte der Experte. Der Komet und sein Schweif sind laut Pikhard am besten mit einem Fernglas oder einem leichten Teleobjektiv am Fotoapparat zu sehen.

In 6000 Jahren kommt er wieder

Entdeckt wurde der Komet am 27. März vom US-Weltraumteleskop "Wise". Der Schweifstern mit dem Fachnamen "C/2020 F3" ist ein wiederkehrender Komet mit einer nahezu parabolischen Umlaufbahn, die nächste Wiederkehr ist wahrscheinlich erst in mehr als 6000 Jahren.

Kometen gelten als Überbleibsel der Entstehung unseres Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren. Sie bestehen aus einer Mischung von Eis, Staub und Gestein und werden deshalb oft auch mit schmutzigen Schneebällen verglichen. Das Eis enthält dabei nicht nur gefrorenes Wasser, sondern unter anderem auch Kohlendioxid ("Trockeneis"), Methan und Ammoniak. Viele Kometen bewegen sich auf stark ellipsenförmigen Bahnen durch das Sonnensystem: Sie tauchen aus den Randbezirken des Sonnensystems auf und kommen der Sonne sehr nahe, wobei sie antauen und der oft spektakuläre Schweif entsteht. Als Ursprungsort der Kometen nehmen Astronomen den sogenannten Kuipergürtel und die Oortsche Wolke an, die sich am Rande unseres Sonnensystems befinden. Die derzeit gängigen Theorien besagen, dass bei der Entstehung unseres Planetensystems heiße Gase an die äußersten Ränder unseres Sonnensystems gedrängt wurden und dort und zu Eis- und Gesteinklumpen erstarrten. Wenn Sterne in der Nähe der Oortschen Wolke vorbeiziehen, können sie Kometenbahnen durch ihre Anziehungskraft verändern und diese auf eine lange Reise in Richtung Sonne schicken. Für den Flug aus der Oortschen Wolke bis in unser Planetensystem brauchen Kometen einige Tausend Jahre.

Durch das Antauen entsteht eine große Wolke aus Gas und Staub um den kleinen Kometenkern, die sogenannte Koma. Der "Sonnenwind", ein beständiger Teilchenstrom von der Sonne, bläst das aufgetaute Gas-Staub-Gemisch vom Kometen weg und formt dadurch den Schweif, der stets von der Sonne wegzeigt.

Die Forschung hat die Angst vor Kometen genommen

Menschen in früheren Jahrhunderten sahen in Kometen eine göttliche Warnung. Sir Edmond Halley sorgte im 17. Jahrhundert dafür, dass man langsam besser verstand, was Kometen sind. Halley war der erste Astronom, der die Bahn eines Kometen im Sonnensystem bestimmen konnte. Er konnte so die Rückkehr des heute nach ihm benannten Kometen erfolgreich vorhersagen.

Laut dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt sind Kometen sind für Wissenschaftler so interessant, weil sie die Materie, aus der auch die Erde entstanden ist, in beinahe unverändertem Zustand aufbewahrt haben. Wie unser Planet Erde sind sie vor rund 4,6 Milliarden Jahren aus einer kosmischen Staubwolke entstanden. Doch während sich die Erde seit damals durch Wind und Wetter, Vulkane und geologische Prozesse verändert hat, enthalten Kometen die Ur-Materie in tiefgekühltem Zustand - fast so, wie sie ursprünglich einmal beschaffen war. Wenn man einen Kometen untersucht, blickt man in die Vergangenheit der Erde.

(SERVICE - Die Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie bietet in den nächsten Wochen immer wieder die Möglichkeit zur Beobachtung des Kometen auf der Sophienalpe in Wien-Penzing: https">www.waa.at/">https://www.waa.at/)

Quelle: SN-U.k., Apa

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