Wissen

Korallen fressen Plastikteilchen

Forscher der Universität Gießen in Deutschland können nachweisen, dass der Plastikmüll in den Weltmeeren größere Auswirkungen hat, als bisher angenommen wurde. Man findet ihn mittlerweile überall. Auch auf unseren Badestränden.

Korallen verleiben sich Plastikteilchen ein.  SN/uni giessen/reichert
Korallen verleiben sich Plastikteilchen ein.

Korallenriffe zählen zu den vielfältigsten Lebensräumen unseres Planeten. Tausende Fischarten nutzen Korallen als Unterschlupf, Nahrungsquelle und Kinderstube. Doch Korallenriffe leiden zunehmend unter den Einflüssen des globalen Wandels. Neben steigenden Temperaturen setzt ihnen auch die zunehmende Verschmutzung mit Plastikmüll zu. Plastikabfälle in Form von Flaschen, Mülltüten und Verpackungen sind heutzutage in fast jedem Riff zu finden.

Weniger offensichtlich, aber deshalb nicht weniger häufig und potenziell gefährlich ist Mikroplastik. Das sind Fragmente aus Plastik, die kleiner als fünf Millimeter sind. Die Forscher der Universität in Gießen untersuchten erstmals die Auswirkungen dieser Partikel auf sechs weit verbreitete Korallenarten.

Für die Studie setzten die Wissenschafter Korallen unter Laborbedingungen erhöhten Mikroplastikkonzentrationen aus und dokumentierten die Reaktionen der Korallen. Dabei zeigte sich, dass die Korallen häufig mit den Plastikpartikeln interagieren und manche sie sogar mit Futter verwechseln. Sie fressen sie. Andere Korallen reagierten vermehrt mit Schleimproduktion und anderen Abwehrreaktionen.

Nach vier Wochen traten bei fünf der sechs untersuchten Arten erste Anzeichen von Gesundheitsbeeinträchtigungen wie Bleiche und das Absterben von Gewebe auf. Weitere Studien müssen nun zeigen, ob negative Effekte auch bei den aktuell in den Meeren nachzuweisenden Mikroplastikkonzentrationen zu verzeichnen sind und welche Langzeitwirkung Mikroplastik auf Korallen hat.

"Unsere Studie weist klar darauf hin, dass Mikroplastik einen weiteren menschengemachten Stressfaktor für Korallen darstellt und damit sehr wahrscheinlich zum weiteren Rückgang der Korallenriffe auf der Erde beitragen wird", erklärt Erstautorin Jessica Reichert.

Die Studie ist Teil des in Gießen angesiedelten "Ocean 2100"-Projekts, bei dem angehende Doktoren des deutsch-kolumbianischen Exzellenzzentrums für Meeresforschung CEMarin (Center of Excellence in Marine Sciences) die Auswirkungen des Klimawandels auf riffbildende Steinkorallen untersuchen. Dazu werden die Bedingungen im Jahr 2100 in Versuchstanks am Interdisziplinären Forschungszentrum (iFZ) simuliert, indem verschiedene Parameter wie Temperatur und Säuregehalt des Wassers langsam auf die zu erwartenden Werte eingestellt werden.

Aufgerufen am 15.12.2018 um 03:09 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/korallen-fressen-plastikteilchen-29300704

Kommentare

Schlagzeilen