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Linkshänder haben es schwer

Heute ist der internationale Linkshändertag. Wenn Kinder nicht mit der rechten Hand schreiben wollen, werden sie zwar nicht mehr schikaniert oder gar umerzogen. Doch allein die andere Schreibhaltung ist anstrengend.

Linkshänder haben es schwer SN/Fontanis - Fotolia
Hier ist gut zu sehen, wie schwierig es ist, mit der linken Hand von links nach rechts zu schreiben.  

Archäologische Funde wie Faustkeile und Speere zeigen, dass es in der Steinzeit mehr Linkshänder gab als heute. Forscher gehen davon aus, dass mindestens die Hälfte aller Menschen die wichtigen Dinge mit der linken Hand erledigten. Man nimmt an, dass heute bis zu 25 Prozent der Weltbevölkerung Linkshänder sind. Darunter sind berühmte Menschen wie etwa US-Präsident Barack Obama.

Ein Stigma ist Linkshändigkeit nicht mehr, doch Vorurteile gibt es immer noch. Morgen, Samstag, soll deshalb der "Linkshändertag" daran erinnern, dass es Menschen, die bevorzugt ihre linke Hand einsetzen, in unserer Gesellschaft noch immer nicht so leicht haben.

Die Zeiten, in denen linkshändig orientierte Kinder zum Schreiben mit der rechten Hand gezwungen und, wenn sie das nicht taten, schikaniert wurden, sind vorbei.

Doch damit sind nicht alle Hürden beseitigt, mit denen Linkshänder in der "Rechtshänder-Welt" konfrontiert werden. In den Schulen wird den speziellen Bedürfnissen der Linkshänder häufig nicht die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt.

Für Eltern und Lehrer gibt es ein paar Tipps:

Das Schreiben mit der linken Hand ist von Natur aus schwieriger als das Schreiben mit der rechten. Aufgrund der bei uns üblichen Schreibrichtung müssen Linkshänder viele Striche auf dem Papier schieben, die von Rechts-Schreibenden gezogen werden. Die Sicht auf das bereits Geschriebene ist ebenfalls nicht ganz einfach. Eine entspannte Schreibhaltung ermöglicht ein angenehmes Arbeiten in einer natürlichen Position. Die spezielle Technik verhindert auch das Verwischen der Tinte und das schnelle Verdecken des gerade Geschriebenen. Der Trick: Das Blatt wird nach rechts gekippt, die Hand liegt unter der Zeile. Eine Linkshand-Schreibunterlage unterstützt den Lernprozess. Am Schreibtisch soll die Bewegungsfreiheit für den linken Arm gewährleistet sein. In den Schulbänken sitzen Linkshänder neben Rechtshändern auf dem linken Platz, damit sie sich nicht gegenseitig behindern. Der Lichteinfall sollte von rechts und vorn kommen.

Beim Schreibenlernen sind weiche, dicke, dreieckige Stifte gut. Es gibt sie mit und ohne Griffmulden und Anti-Rutsch-Noppen. Je größer die Auflagefläche für Daumen, Zeige- und Mittelfinger, umso weniger Kraft muss aufgewendet werden, um den Stift sicher zu führen. Dünne, runde Stifte machen rasch müde, die Finger verkrampfen schnell.

Das linkshändige Handarbeiten und Werken ist spiegelverkehrt zum rechtshändigen. Da die Erfolge beim Arbeiten mit der dominanten Hand weit größer sind, sollten laut Fachleuten Kinder dazu ermutigt werden, so zu arbeiten, wie sie sich geschickter fühlen.

Die Ursache für Linkshändigkeit ist noch unerforscht, doch kommt den Genen eine besondere Bedeutung zu. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Rechtshänder ein linkshändiges Kind bekommen, liegt bei nur zwei Prozent. Bei zwei Linkshändern hingegen stehen die Chancen fast 50 zu 50, dass der Nachwuchs ebenfalls linkshändig sein wird.

Wissenschafter der University of Birmingham haben festgestellt, dass das gesamte Weltbild der Linkshänder anders ist. Die Gründe dafür liegen in den zwei Gehirnhälften, die ein anderes Bild erzeugen. Die Forscher haben die Wahrnehmungsunterschiede zwischen den Rechts- und Linkshändern deutlich gemacht.

Das menschliche Gehirn besteht aus zwei Seiten - der linken und der rechten Hemisphäre. Die linke Gehirnhälfte ist auf logisches Denken spezialisiert, sie steuert auch die Detailwahrnehmung und ist Sitz des Sprachzentrums.

Die rechte Gehirnhälfte ist für die Kreativität und die Wahrnehmung des großen Ganzen verantwortlich. Bei Linkshändern ist die rechte, kreative Gehirnhälfte besser ausgeprägt und somit dominanter. Das könnte der Grund sein, warum sich in kreativen Berufen viele Linkshänder finden.

Aufgerufen am 23.09.2018 um 08:12 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/linkshaender-haben-es-schwer-1166626

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