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Löwenzahn hilft den darbenden Insekten

Kein Gift und mehr Schlamperei: Wenn Gartenbesitzer Bienen und Co. helfen wollen, müssen sie umdenken.

Löwenzahn ist gut für die Insekten.  SN/Robert Ratzer
Löwenzahn ist gut für die Insekten.

Auf Balkonen und in Vorgärten sprießt es derzeit in allen Farben, in Gartencentern greifen Kunden zu Blühmischungen - nicht zuletzt das bayerische Volksbegehren "Rettet die Bienen" hat die Menschen bis nach Österreich aufgerüttelt. Doch vielerorts darben die Insekten weiter. Nicht alles, was bunt blüht, nährt heimische Insekten, mahnen Wissenschafter anlässlich des Weltbienentags am 20. Mai.

Ein Problem ist demnach die Gründlichkeit mit akkuraten Rasenflächen und unkrautfreien Grünanlagen. "Ein bisschen mehr Schlamperei täte der Sache nicht schlecht", sagt Gerhard Haszprunar, Direktor der Zoologischen Staatssammlung München und Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns. "Es muss nicht immer alles picobello sein." Auch Kommunen und Kleingartenvereine müssten ihre Vorschriften anpassen. "Viele Bestimmungen sind absolut kontraproduktiv", so Haszprunar. "Lasst das Gift weg, hört auf, euren Rasen zu düngen und jede Woche zu mähen. Lasst es blühen."

Manche Wildbienen brauchen eine ganz bestimmte Blüte, wie Manfred Klein, Leiter des Agrar- und Waldbereichs beim Bundesamt für Naturschutz (BfN), erläutert.

Von rund 560 Wildbienenarten in Deutschland und 695 Arten in Österreich seien mehr als 41 Prozent in ihrem Bestand gefährdet. Gerade die schönsten Blumen bieten für Bienen und andere Insekten keine Nahrung. "Das sind häufig gefüllte Blüten, bei denen Staub- und teils auch Fruchtblätter zu Blütenblättern umgewandelt sind", sagt Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung München.

Die meisten gezüchteten Dahlien, Rosen, Garten-Chrysanthemen und viele Tulpen und Narzissen hätten zugunsten ihres hübschen Aussehens zurückgebildete oder keine Staubblätter - und damit keine Pollen und keinen Nektar. "Wir reißen den Löwenzahn aus und pflanzen stattdessen eine gefüllte gelbe Dahlie. Das hilft aber den Insekten nichts", sagt Andreas Fleischmann.

Das Hauptproblem bleibt den Wissenschaftern zufolge die intensive Landwirtschaft. Klein nennt Blühstreifen an Feldrändern "einen Tropfen auf den heißen Stein". Sie seien fast unnütz, wenn auf umgebenden Feldern weiter Pflanzenschutzmittel ausgebracht würden. "Was in der Breite fehlt, sind blütenreiche Wiesen und mehrjährige Brachflächen, auf denen drei oder fünf Jahre nichts passiert."

Der Naturschutzbund Salzburg lädt ein:

Die Sorge um den Rückgang der Insektenbestände beschäftigt inzwischen große Teile der Bevölkerung. Doch welche Maßnahmen sinnvoll sind und was wirklich jeder tun kann, das ist vielen nicht klar.

Der Naturschutzkurs des Naturschutzbundes am 25. Mai in Salzburg steht deshalb unter dem Motto "Wild auf Bienen - Wild auf Blumen".

Wildbienen-Experten vermitteln die wichtigsten Informationen, um Bienen zu fördern und geben Anregungen für Projekte. Info: www.naturverbindet.at


Quelle: SN, Dpa

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