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MAB-Programm der UNESCO bringt seit 50 Jahren Mensch und Biosphäre in Einklang

Die UNESCO feiert heuer das 50-jährige Bestehen ihres Programms "Der Mensch und die Biosphäre" (Man and the Biosphere, MAB).

Ziel des 1971 gegründeten Forschungsprogramms ist es, ein Gleichgewicht zwischen Artenschutz, wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung und der Bewahrung kultureller Werte zu schaffen. Dazu wurden bisher weltweit mehr als 700 Modellregionen in 129 Staaten eingerichtet. In Österreich gibt es vier solcher Biosphärenparks.

Der Vorläufer des MAB war das "International Biological Programme" (IBP), in dem sich erstmals die ökologisch orientierte Biologie international organisiert hat. Zum ersten Mal standen damals nicht mehr die Arten eines Ökosystems im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses, sondern die darin enthaltene Biomasse, Energieflüsse und Nährstoffkreisläufe.

Doch bei diesem Ansatz fehlte noch der Mensch - seine Rolle sollte mit der Gründung des MAB-Programms und seiner Weiterentwicklung immer stärker in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Seither widmet sich das zwischenstaatliche Forschungsprogramm der Beziehung zwischen dem Menschen und seiner Umwelt.

Eine Schlüsselrolle im MAB-Programm spielen die UNESCO-Biosphärenparks. "Das sind nach einheitlichen, international festgelegten Kriterien anerkannte Ökosysteme, in denen Modelle für eine nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen zum Wohle von Mensch und Umwelt entwickelt, erprobt und umgesetzt werden", erklärte der Vize-Vorsitzende und Rapporteur des MAB-International Coordinating Council (MAB-ICC), Günter Köck, von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) gegenüber der APA. Mit diesem Schutz- und Entwicklungskonzept könnten Naturschutz, Erhaltung der biologischen Diversität und Regionalentwicklung in Einklang gebracht werden.

Weltweit gibt es ein globales Netzwerk von 714 Biosphärenparks in 129 Staaten, darunter 21 grenzüberschreitende Modellregionen. Damit sind aktuell rund fünf Prozent der Erdoberfläche Teil eines Biosphärenparks. In Österreich sind vier Biosphärenparks von der UNESCO anerkannt: Mit der Region "Großes Walsertal" wurde im Jahr 2000 der erste Biosphärenpark eingerichtet. 2005 folgte der "Wienerwald", 2012 dann "Salzburger Lungau und Kärntner Nockberge" und schließlich 2019 der Biosphärenpark "Unteres Murtal". Dass Österreich mit vier Regionen in diesem globalen Netzwerk vertreten ist, stellt einen ganz konkreten Beitrag zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der UN-Agenda 2030 für eine bessere Zukunft für uns alle dar", erklärte die Generalsekretärin der Österreichischen UNESCO-Kommission, Patrizia Jankovic.

Das "Untere Murtal" wird auch Teil des weltweit ersten fünf Länder verbindenden Biosphärenparks im Mur-Drau-Donau-Korridor. Diese Modellregion wird sich dann über Slowenien, Kroatien, Ungarn, Serbien und Österreich erstrecken. Der Internationale Koordinierungsrat des Programms (MAB-ICC) wird vermutlich Mitte September über dessen offizielle Anerkennung entscheiden.

Das an der ÖAW angesiedelte Nationalkomitee, das in Österreich das MAB-Programm koordiniert, wurde bereits bei seiner Gründung 1973 mit einem eigenen Forschungsbudget ausgestattet. Es nehme damit international "eine Sonderstellung" ein, betont der Vorsitzende des MAB-Nationalkomitees, Arne Arnberger von der Universität für Bodenkultur Wien, und könne mit Forschungsprojekten Wissenslücken füllen. Zum Jubiläum des Programms organisiert und finanziert das Nationalkomitee in der internationalen Fachzeitschrift "eco.mont" einen Sonderband mit zahlreichen Beiträgen zum Thema "UNESCO Biosphärenparks in Berggebieten".

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