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Mit Liebe soll das neue Jahr beginnen

An Festtagen nehmen wir gern neuen Schwung, um unsere Partnerschaft zu verbessern. Gute Vorsätze fassen, so nennt sich das. Damit es nicht dabei bleibt, gibt es hier ein paar Anregungen.

Rote Rosen sind ein schönes Zeichen, um die Liebe neu zu wecken braucht es aber mehr. SN/dpa
Rote Rosen sind ein schönes Zeichen, um die Liebe neu zu wecken braucht es aber mehr.

Gute Vorsätze haben die Eigenschaft, so rasch zu verwelken wie ein Strauß Rosen. Das betrifft erfahrungsgemäß auch all die schönen Gedanken und Absichten, die man unter dem Christbaum oder zum Jahreswechsel kundtut, weil man jetzt - endlich einmal - für die Beziehung etwas tun will: mehr miteinander reden und so ... Das empfehlen schließlich auch die einschlägigen buchförmigen Ratgeber.

Wolfgang Krüger ist Paartherapeut und Psychotherapeut. Wenn er etwas von guten Vorsätzen hört, muss er gleich schmunzeln. Für ihn geht es um Grundsätzlicheres.

Vorsätze sind etwas durchaus Ehrenwertes. Warum ist die Umsetzung ins tägliche Leben so schwierig? Wolfgang Krüger: Es gibt dafür ein hübsches Fremdwort: Prokrastination. Das bedeutet Aufschieberitis. Darunter leiden rund 80 Prozent der Menschen. Es ist normal, dass wir zu hohen Feiertagen und Gedenktagen Schwung nehmen, um etwas zu verbessern. Aber die Realität ist, dass wir uns fünf Mal ernsthaft etwas vornehmen müssen, um ein Mal etwas ändern zu können. Das ist auch normal. Und immer dann, wenn wir uns große Dinge vornehmen, funktioniert es nicht.

Der erste Schritt ist also, sich kleine Veränderungen vorzunehmen, die konkret sein müssen, und zu akzeptieren, dass es Rückschläge geben wird. Wenn das Ziel zu groß ist, gebe ich beim ersten Rückschlag auf. Das ist auch normal.

Das klingt jetzt schon entmutigend, noch dazu, da man es bei Veränderungen, die die Partnerschaft betreffen, mit zwei Menschen zu tun hat ... Ja, und erschwerend kommt hinzu, dass wir immer mit den Änderungen beim Partner anfangen wollen. Die Grundregel ist aber: Ich fange bei mir an. Dann kann ich schauen, wie ich die Partnerin oder den Partner dafür gewinne. Das Geheimnis dabei ist, dass Veränderungen immer dann passieren, wenn man nicht mehr damit rechnet. Dann übt man nämlich keinen Druck mehr aus.

Gut, dann fangen wir jetzt bei uns selbst an. Wie könnte das aussehen? Der Partner profitiert am meisten, wenn ich meine Lebensziele umsetze und gut gelaunt bin. Ich bin dann besser in der Lage, um den Partner zu werben und habe keine Stimmungsschwankungen. Ich kümmere mich um mein Leben also so, dass ich eine tiefe Zufriedenheit damit empfinde. Das bringt meinem Partner am meisten. Die seelische Ausgeglichenheit bringt das Glück.

Das ist ein Dauerprogramm. Also erübrigen sich gute Vorsätze zu Silvester? Eine schöne Geste zu Silvester ist, seine Frau, seine Freundin oder seinen Mann, seinen Freund zu fragen: Was kann ich tun, was dich glücklich macht? Sie oder er wird sich schon über aufmerksames Zuhören freuen, und dass man die Bedürfnisse ernst nimmt. Geglückt ist das aber erst, wenn man das auch umsetzt, was sich der andere wünscht. Das kann durchaus etwas sein, das einem selbst gegen den Strich geht. Die Frage ist dann, wie kann ich es so umsetzen, dass beide zufrieden sind. Ich mache das selbst mit meiner Frau ein Mal im Jahr. Das kann eine Partnerschaft revolutionieren, weil man sieht, dass der andere den Wunsch und Willen hat, dass es mir gut geht.

Was wünschen sich die Frauen? Meiner Erfahrung als Paartherapeut nach wünschen sich Frauen am meisten, dass die Männer mehr reden und sagen, wie es ihnen wirklich geht. Sie möchten auch, dass sich die Männer mehr ums eigene Aussehen und den Zustand ihrer Kleidung kümmern.

Was wünschen sich die Männer? Männer möchten gern mehr in Ruhe gelassen werden und sie wollen mehr Sex. Sie wünschen sich doppelt so viel Sex, wie Frauen wollen.

Woran liegt das? An den unterschiedlichen Schwerpunkten. Frauen brauchen Intimität, die durch Reden und Zärtlichkeit hergestellt wird. Bei Männern entsteht Intimität durch Sexualität. Männer finden es mühsam, dass sie schon in der Früh um die Frau werben müssen, damit es am Abend Sex gibt.

In der Partnerschaft ist es aber so, dass der, der am wenigsten will, die Menge bestimmt. Die Männer müssten also auf die Wünsche der Partnerin eingehen. Frauen sollten dem Partner entgegenkommen und auch mal das Überraschende annehmen. Intimität ist ja sowieso etwas, das man immer wieder neu herstellen muss. Ich muss dafür den Partner teilhaben lassen an dem, was mich bewegt. Der Rat, der oft gegeben wird, mehr miteinander zu reden, hat etwas für sich. Gemeint ist aber ein echtes, tiefes Gespräch, nicht die Vereinbarung beim Frühstück, wer heute für was zuständig ist.

Dann gibt es noch ein paar kleine Aufmerksamkeiten, die Intimität herstellen: Zum Beispiel schenken nur zehn Prozent der Männer ihren Frauen Blumen. Frauen lieben ein solches Geschenk aber sehr. Man kann auch kleine Liebesbriefe schreiben. Man kann wechselseitig dafür sorgen, dass die Alltagspflichten gerecht verteilt sind. Frauen könnten ihren Männern mehr Anerkennung geben. Das alles sind liebevolle Signale, die die Stimmung rasch verbessern.

Für Sie ist Anerkennung ein fundamental wichtiges Element in der Partnerschaft. Warum? Der größte Wunsch von Frauen wie Männern ist, in der Partnerschaft Anerkennung zu bekommen und verstanden zu werden. Das macht am Anfang die Verliebtheit aus. Im Lauf der Zeit geht das durch die Belastungen des Alltags verloren und zwar so weit, dass es Paare an ihre Grenzen bringen kann. Es liegt auch durchaus nicht daran, dass dafür keine Zeit mehr vorhanden ist. Alle können Stunden mit dem Smartphone und dem TV-Gerät verbringen. Es ist das Wollen, das fehlt. Wir sind desillusioniert und nicht bereit, dem Partner Anerkennung zu geben, weil in uns sich das Gefühl breit gemacht hat, dass er das nicht verdient hat.

Wir hängen den Maßstab zu hoch und haben hohe Perfektionsansprüche. Wir sehen nicht, dass emotionale Großzügigkeit den anderen und mich und damit die Partnerschaft wärmt und stärkt. Wir haben dazu auch Umfragen gemacht. Männer sagen etwa, Anerkennung sei wichtiger als Sex.

Ziemlich viele Menschen kämpfen mit dem Anerkennungsloch, vor allem mit dem, das sich im Beruf auftut. Wer selbst keine Anerkennung bekommt, tut sich schwer, sie zu schenken. Was ist der Ausweg? In diesem Loch zu sitzen ist eine schwierige Situation. Die meisten Menschen haben einen solchen Mangelzustand. Wir müssen lernen, uns selbst Anerkennung zu geben, damit wir dem anderen gegenüber großzügig sein können. Dann werden wir auch rasch merken, dass viel zurückkommt. Wenn man es schafft, die Stimmung so zu verbessern, ergeben sich positive Veränderungen von selbst. Man fängt etwa wieder an, gemeinsam etwas Interessantes zu unternehmen. Umgekehrt funktioniert das nicht. Es nützt nichts, einen romantischen Abend zu planen, wenn die Grundlage fehlt. Anerkennung und gute Stimmung sind das Schmieröl der Beziehung.

Wolfgang Krüger hat dazu das Buch "So gelingt die Liebe" geschrieben. Er wird am 14. Jänner 2019 um 19.00 in der AK Linz, Kongresssaal, Volksgartenstraße 40, einen Vortrag halten. Sein Thema: "Über-Leben in der Patchworkfamilie".

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