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Neurowissenschafter orteten für Flexibilität zuständige Hirnzellen

Neurowissenschaftler der Universität Zürich haben herausgefunden, dass ein Teil der Großhirnrinde die Nervenzellen umprogrammieren kann, damit sich Tiere flexibel an neue Umstände anpassen können. Die im Mausmodell beobachteten Prozesse könnten sich auch im menschlichen Gehirn abspielen, wie die Uni am Mittwoch mitteilte.

Die Studie wurde an Mäusen durchgeführt (Symbolbild). SN/stock.adobe.com/torook
Die Studie wurde an Mäusen durchgeführt (Symbolbild).

Die Forschenden simulierten einen Prozess des Umlernens in Mäusen. Zuerst belohnten sie die Tiere mit Zuckerwasser, wenn sie an Tasthaaren mit grobkörnigem Sandpapier schleckten. Beim Schlecken von feinkörnigem Sandpapier ertönte jedoch ein unangenehmes Geräusch. Danach drehten die Forschenden den Spieß um: Nur beim Schlecken von feinkörnigem Papier erhielten die Nager das süße Wässerchen. Resultat: Die Mäuse stellten sich erstaunlich rasch auf das neue Muster ein.

Während des Versuchs analysierten die Neurowissenschafter die Funktion einzelner Nervenzellen in den beteiligten Hirnarealen. Eine Gruppe von Zellen im orbitofrontalen Kortex, der sich bei Menschen in der Großhirnrinde direkt über der Augenhöhle befindet, waren besonders aktiv. Wurden die betreffenden Hirnzellen des orbitofrontalen Kortex gezielt ausgeschaltet, funktionierte das Umlernen nicht, wie die Forschenden im Fachmagazin "Nature" berichten.

Sie gehen davon aus, dass sich die in den Mäusen beobachteten Prozesse in ähnlicher Weise auch im menschlichen Gehirn abspielen. "Unsere Forschungsergebnisse tragen etwa zum besseren Verständnis von Hirnkrankheiten bei, bei denen diese Flexibilität gestört ist, wie beispielsweise bei Formen von Autismus und Schizophrenie", sagte der Neurowissenschaftler Fritjof Helmchen.

Quelle: Apa/Sda

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