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Nichtstun ist gar nicht so einfach: Fünf Tipps, die das Faulenzen erleichtern können

In Experimenten versetzten sich Teilnehmer lieber Stromstöße, als 15 Minuten lang unbeschäftigt zu sein.

Nichtstun ist keine verschwendete Zeit. SN/APA/ROLAND SCHLAGER
Nichtstun ist keine verschwendete Zeit.

Viele von uns haben das Nichtstun verlernt, und zwar mit fatalen Folgen. Das sagen Wissenschafter. Timothy Wilson und sein Team von Psychologen der Universität von Virginia haben diesbezüglich ein interessantes Experiment durchgeführt. Die Aufgabe, die den Versuchsteilnehmern gestellt wurde, war denkbar einfach: Sie sollten nichts tun, und zwar rein gar nichts - lediglich auf einem Stuhl sitzen, mit nichts anderem als ihren eigenen Gedanken beschäftigt. Das war schon alles.

Kein Problem, könnte man meinen, doch weit gefehlt. Nach nur sechs Minuten fühlte sich die Mehrheit der Probanden schon unwohl und gab zu Protokoll, dass dies eine überaus "schwierige Aufgabe" sei. Um ausschließen zu können, dass es vielleicht der einfache und schmucklose Laborraum war, der dieses unangenehme Gefühl hervorgerufen hat, legten die Experimentatoren noch nach: In einem weiteren Versuch durften die Freiwilligen genau die gleiche Aufgabe bei sich zu Hause erledigen.

Nicht nur Junge hatten ein Problem mit dem Nichtstun

Das Ergebnis war allerdings nicht nur das gleiche, nein, ein Drittel der Versuchsteilnehmer gab sogar später zu, geschummelt und heimlich Musik gehört oder sich mit dem Handy beschäftigt zu haben. Dabei spielte es übrigens überhaupt keine Rolle, wie alt die Probanden waren. "Uns hat überrascht, wie viele ältere Menschen es ebenfalls nicht mögen, rein gar nichts zu tun und nur mit ihren Gedanken allein zu sein", resümiert Wilson die Versuchsergebnisse, an denen Freiwillige im Alter von 18 bis 77 Jahren teilnahmen.

Kann das Nichtstun denn wirklich derart belastend sein? Um das herauszufinden, schlossen die Psychologen aus Virginia ihre Versuchsreihe mit einem spannenden Experiment ab. Wieder ging es darum, nichts zu tun, rein gar nichts, also nur tatenlos auf einem Stuhl zu sitzen, allein mit den eigenen Gedanken beschäftigt.

Dieses Mal gab es aber zwei interessante Modifikationen. Zum einen ging der Versuch über ganze 15 Minuten und nicht mehr nur über sechs. Zum anderen aber, und das war das wirklich Spannende daran, stand den Freiwilligen nun die Option zur Verfügung, sich selbst einen schmerzhaften Stromstoß verabreichen zu können, einfach nur, um überhaupt irgendetwas zu tun.

Würden sich die Versuchsteilnehmer also lieber selbst Schmerzen zufügen, als gar nichts tun zu können? Damit später niemand behaupten konnte, er habe den Stromstoß einfach nur einmal ausprobieren wollen, bekamen alle freiwilligen Versuchsteilnehmer vor Beginn der 15-minütigen Testzeit eine Kostprobe des - zwar ungefährlichen, aber in der Tat von allen als schmerzhaft empfundenen - Stromstoßes verpasst.

Das Ergebnis der Studie überrascht dementsprechend auch: Zwölf der insgesamt 18 teilnehmenden Männer drückten den Stromstoßknopf im Testzeitraum mindestens ein Mal. Bei den weiblichen Versuchsteilnehmern waren es immerhin sechs von 24. Ein Proband fiel sogar völlig aus dem Rahmen und verabreichte sich selbst ganze 190 Stromstöße in 15 Minuten. Timothy Wilson war selbst von dem Testergebnis überrascht: "Den Versuchsteilnehmern war es sogar lieber, sich einen Stromstoß zu verabreichen, als gar nichts zu tun."

Unser Gehirn braucht Ruhephasen, um arbeiten zu können

Dabei ist das Nichtstun keineswegs verschwendete Zeit, wie eine ganze Reihe von Studien zeigt. Ganz im Gegenteil sogar benötigt das Gehirn derartige Ruhephasen, um Dinge besser verarbeiten und abspeichern zu können, sich zu regenerieren oder Ideen zu entwickeln. Im Jahr 2000 entdeckten Neurologen des Mallinckrodt-Instituts für Radiologie (MIR) im US-amerikanischen St. Louis das "Default Mode Network" (dt. Ruhezustandsnetzwerk), eine Gruppe von Gehirnregionen, die beim Nichtstun hochaktiv ist, beim zielgerichteten Lösen von Aufgaben aber heruntergefahren wird.

Während wir augenscheinlich unbeschäftigt sind, also nichts tun, nur faulenzen, dösen und Löcher in die Luft schauen, gilt dies für unser Gehirn ganz und gar nicht, im Gegenteil sogar.

Experten wie der US-amerikanische Kognitionswissenschafter Andrew Smart gehen davon aus, dass das Ruhezustandsnetzwerk das "reizunabhängige Denken" ermöglicht, also für Tagträumereien zuständig ist, aber eben auch für Vorstellungsvermögen, Zukunftsplanung und Einfallsreichtum. "Es wird tatsächlich dann aktiv, wenn wir an einem sonnigen Nachmittag im Gras liegen, wenn wir die Augen schließen oder während der Arbeit aus dem Fenster starren", sagt Andrew Smart. "In diesen Ruhephasen verknüpft das Gehirn verstärkt Erinnerungen und Empfindungen in freien Assoziationen zu neuen Ideen." Viele Kreative kennen das: Die besten Ideen kommen einem oft in der Badewanne. "Wird das Gehirn allerdings mit Reizen wie E-Mails, Anrufen, SMS, Facebook-Updates, dem Checken der To-do-Listen etc. bombardiert", meint Smart, "ist es ständig mit der Herausforderung des Augenblicks beschäftigt." Chronische Geschäftigkeit könne demnach ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen haben, sie sei schlecht für das emotionale Wohlbefinden, die Selbsterkenntnis, die sozialen Fähigkeiten und könne das Herz-Kreislauf-System schädigen.

Das gilt natürlich auch für den Urlaub und die Freizeit, denn oft genug bleibt auch hier keine Minute mehr zum Nichtstun übrig, weil alles bis zur letzten Minute durchgeplant ist. So kann man nicht zur Ruhe kommen. Aber wie dann? Es gibt durchaus eine ganze Reihe von Tipps und Tricks, die einem das Faulenzen erleichtern, auch wenn das reine Nichtstun dem einen oder anderen zu Beginn schwerfallen mag.

Wer es trotzdem nicht schafft, öfter mal überhaupt nichts zu tun, der sollte ruhig einmal daran denken, einen Fachmann zurate zu ziehen, denn Nichtstun ist gar nicht so einfach.

Fünf Tipps, die das Faulenzen erleichtern können

1. Lange Spaziergänge im Park oder Wald machen, die Natur genießen, den Vögeln zuhören. Ein ausgedehntes Bad nehmen. Die pure Langeweile zulassen.

2. Ein Aquarium anschaffen und regelmäßig hineinschauen.

3. Tagträumen nachhängen (vielleicht über den nächsten oder den vergangenen Urlaub nachdenken).

4. Smartphone in der Freizeit abschalten. Sich bewusst für eine Zeit des Nichtstuns entscheiden.

5. In Ruhe den Tisch decken und eine gute, vielleicht sogar selbst gekochte Mahlzeit genießen.

Übrigens: Nebenbei noch Musik zu hören, Fernsehen zu schauen, zu lesen, zu erzählen oder auch Sport zu machen gilt nicht!

Quelle: SN

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