Wissen

Öffi-Fahrer sind schlanker als Autofahrer

Wer mit Bus oder Bahn in die Arbeit fährt, bringt Bewegung in seinen Alltag und senkt sein Risiko für Übergewicht.

Im Morgengrauen zum Bus sprinten oder im nasskalten Herbstwetter Rad fahren - selbst Hartgesottene wünschen sich bei solchen Gelegenheiten, mit dem Auto direkt zum Arbeitsplatz fahren zu können.

Jetzt kommt aus Großbritannien ein kleiner Motivationsschub für geplagte Pendler: Wer sein Fahrzeug in der Garage stehen lässt, ist schlanker. Laut einer aktuellen Studie wiegen Menschen, die statt mit dem Auto mit Bus oder Bahn in die Arbeit fahren, im Schnitt bis zu drei Kilogramm weniger.

Öffi-Fahren verbrennt KalorienDie Forscher untersuchten mehr als 7000 Engländer und ihren täglichen Arbeitsweg. Bei allen Personen wurden Body-Mass-Index (BMI) und Körperfettanteil ermittelt. Beide Werte sind anerkannte Maßeinheiten für Übergewicht. Männer, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen, zur Arbeit gehen oder radeln, wiegen laut dieser Studie um durchschnittlich drei Kilogramm weniger als ihre Autofahrer-Kollegen. Frauen, die auf das Auto verzichten, waren im Schnitt um knapp 2,5 Kilogramm leichter. Auch bei der Untersuchung auf den Körperfettanteil schnitten Öffi-Nutzer deutlich besser als Autofahrer ab. Denn wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, muss mitunter unzählige Treppen nehmen, zu Anschlussverbindungen sprinten oder einfach den Weg von der oder zur nächsten Haltestelle zurücklegen. Das verbrennt Kalorien. Offen lässt die Studie aber, ob schlankere Menschen von vornherein eher auf Rad, Fußweg und Öffis setzen oder erst dadurch Gewicht verloren haben. "Generell gilt: Je weniger ich wiege, desto mehr macht mir Bewegung auch Freude", sagt Josef Niebauer, Vorstand der Universitätsklinik für Sportmedizin an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) Salzburg. Übergewichtige Personen würden bei der Fahrt zum Arbeitsplatz vermehrt auf ihr Auto setzen. "Wenn mich jeder Schritt anstrengt, will ich keinen einzigen Meter zu viel laufen", sagt Niebauer.

Normalbürger profitiert von jedem SchrittFür den Sportmediziner steht fest: Das Umsteigen vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad kann helfen, den Kampf gegen Übergewicht anzugehen. "Alles, was ich an Bewegung mache, kann schon etwas bewirken", sagt Niebauer. In Zeiten, in denen der Normalbürger täglich nur noch 300 bis 700 Meter zu Fuß zurücklege, profitiere man bei jedem Schritt - und sei es nur bei dem alltäglichen Gang zur Bushaltestelle.

Zu wenig Bewegung gilt als vierthäufigste Ursache für einen frühzeitigen Tod. Jährlich sterben nach Berechnungen der amerikanischen Universität Harvard knapp fünf Millionen Menschen, weil sie im Alltag keinen Schritt zu viel machen. Ein gesunder Erwachsener sollte sich mindestens 2,5 Stunden pro Woche, also 20 Minuten täglich, sportlich betätigen. "Diese Zeit hat jeder, man muss sie sich nur nehmen", sagt Niebauer. Das Problem: Heutzutage gibt es kaum noch einen Grund, sich mehr als unbedingt nötig zu bewegen. "Das Stiegenhaus sucht man in vielen Büros oft vergeblich, in vielen Skigebieten bringt eine Rolltreppe die Gäste zu den Liften", sagt Primar Niebauer.

Nicht den bequemsten Weg wählenEs gilt also sportliche Betätigung bewusst in den Alltag einzubauen. Da der Mensch zu Fuß die meisten Kalorien verbrennt, rät der Sportmediziner auf dem Weg in die Arbeit zu möglichst vielen Schritten. Etwa statt direkt vor dem Büro ein, zwei Kilometer entfernt parken und einen Fußmarsch einplanen. Oder bei der Fahrt mit dem Bus eine Haltestelle früher aussteigen.

Niebauer: "Auch wenn es schwerfällt, muss man nicht immer den bequemsten Weg nehmen."

Aufgerufen am 21.11.2018 um 09:14 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/oeffi-fahrer-sind-schlanker-als-autofahrer-3072073

Schlagzeilen