Wissen

Passt Uni oder FH besser zu mir?

Die Wahl der Hochschule entscheidet über den Studienerfolg. Die Vor- und Nachteile von Universität und Fachhochschule im Überblick.

 SN/alphaspirit - Fotolia

Geld, Freiheit, Praxis: Das sind die Unterscheidungsmerkmale zwischen Uni und FH. Die Wahl der Hochschule bestimmt, wie ein Studierender sein Leben führt. Gertraud Meusburger von der Psychologischen Beratungsstelle für Studierende Salzburg gibt Tipps für die Entscheidung: "Im ersten Schritt wählt man ein Studium, das sich an Fachinteresse und an der Eignung orientiert." Programme wie 18plus und oder jene der BiBer Bildungsberatung sowie Messen wie BeSt und die ÖH-Beratungsstelle können bei der Wahl helfen.

Manche Studienfächer gebe es nur an der Uni oder nur an der FH. Dann erübrige sich die Entscheidung, welche Art der Hochschule ein Maturant wählt. Wenn das Wunschfach an mehreren Bildungseinrichtungen angeboten wird, sollte man die Studienprogramme, die Studienpläne sowie externe Kooperationen mit Industrie, Wirtschaft oder Gesundheitswesen vergleichen. "Das ist wichtig, damit man später nicht in eine berufliche Sackgasse gerät", sagt Meusburger. Wer etwa eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, sollte definitiv an einer Uni studieren. Auch der Ort könne wichtig sein: "Wer bei den Eltern wohnt, könnte sich etwa 900 Euro monatlich ersparen."

Apropos Geld. Ist es eigentlich günstiger, sich an einer FH oder an einer Uni zu inskribieren? Die Frage sei nicht eindeutig zu beantworten, sagt Meusburger. Zwei Drittel der Fachhochschulen verlangen eine Gebühr von 363,36 Euro pro Semester. An den Unis gibt es zwar keine Studiengebühren - dafür ist die Wartezeit bei Pflichtseminaren weniger gut abzuschätzen. Für diejenigen, die eine Wohnung zahlen müssen, könnte also die Universität teurer kommen.

Die Einstiegsgehälter nach dem Studium sind zudem unterschiedlich. Laut dem Österreichischen Wissenschaftsrat lag 2011 das Durchschnittsgehalt eines Uni-Absolventen bei 2780 Euro brutto, ein Mitarbeiter mit FH-Abschluss verdiente 2600 Euro. Das könnte sich bald ändern, sagt Doris Walter, Geschäftsführerin der FH Salzburg. "Die Einstiegsgehälter gleichen sich immer mehr an." Bei technischen Berufen gebe es schon jetzt kaum Unterschiede.

Wer studiert hat, hat es meist leichter, eine Arbeit zu finden. Akademiker wiesen im dritten Quartal 2016 die geringste Arbeitslosigkeit auf: Die Arbeitslosenquote lag bei 4,3 Prozent, im Vergleich zu 6,1 Prozent insgesamt. Betrachtet man die FH-Studierenden, dann fänden indes nur 1,6 Prozent keinen Job, sagt Walter. "Wir haben quasi Vollbeschäftigung." Meusburger von der Studierendenberatung ergänzt, dass neben dem Studium aber Zusatzausbildungen und persönliche Stärken eine große Rolle spielen. "Kommunikations- und Teamfähigkeit sind oft ausschlaggebender als die besuchte Hochschule."

Und dann wäre da noch die Freiheit. Für Peter Engel vom ÖH-Beratungszentrum an der Uni Salzburg ist sie eine der größten Vorteile einer Universität - und gleichzeitig die größte Herausforderung. "Das Studium an einer Uni stellt hohe Anforderungen an die Selbstorganisationsfähigkeit des Individuums."

Eine Uni sei die richtige Wahl für Studierende, die Dingen gern selbstständig auf den Grund gehen und forschen möchten. Wer hingegen einfach nur gern unter Anleitung etwas Neues dazulernt und systematische Zusammenhänge nicht interessant findet, sei auf einer Fachhochschule besser aufgehoben.

Generell sollte jeder Maturant sich intensiv mit den Inhalten und dem System Hochschule beschäftigen. Die Initiative "Studieren probieren" kann dabei helfen. Die Schüler können sich dort zu Schnuppervorlesungen anmelden und mit Studierenden reden. Die richtige Hochschule hält Engel für entscheidend: "Der Studierende ist zufriedener und erbringt bessere Leistungen."

Für Doris Walter ist ein großer Vorteil der FH, dass der Studienplatz fix ist - wenn der Studierende die Aufnahmeprüfung geschafft hat. Die Ausbildung sei planbarer, was vor allem für sozial schwächere Gruppen wichtig sei. "Den Bachelor hat man in drei Jahren, den Master in zwei." Studierende könnten sich ihren Stundenplan aber nicht selbst zusammenstellen. Und es gelte die Anwesenheitspflicht. "Ich kann mir nicht im Lehrveranstaltungsverzeichnis Vorlesungen aussuchen, je nachdem wann ich Zeit habe."

Zuletzt: die Praxis. An der FH Salzburg müsse jeder Studierende verpflichtend Praktika und teilweise sogar Auslandssemester absolvieren. Dabei werden vorab mit den Partnerfirmen Ziele vereinbart. "Wenn der Studierende die nicht erreicht, intervenieren wir bei dem Unternehmen", sagt Walter. Damit das klappt, ist jedes FH-Studium einem Berufsbild zugeordnet. "Man sollte sich also vorher vergewissern, ob der Beruf zu einem passt." Wer sich noch nicht festlegen will, sollte die Uni wählen, sagt Meusburger. "Universitäten legen den Fokus auf Lehre und Forschung mit dem Ziel, eine breite wissenschaftliche Ausbildung zu ermöglichen." Uni-Studierende müssten sich Praktika also meist selbst organisieren.

Wer seine Wahl getroffen hat, sollte sich über mögliche Aufnahmeverfahren informieren. An den Fachhochschulen gebe es einen mehrstufigen Test, sagt Meusburger. "Da die Verfahren meist an unterschiedlichen Tagen stattfinden, kann man sich bei mehreren FH gleichzeitig bewerben."

An den Universitäten haben nur bestimmte Fächer einen Aufnahmetest: Biologie, Ernährungswissenschaften, Informatik, Lehramt, Medizin, Musik, Kunststudien, Pharmazie, Psychologie, Kommunikationswissenschaften, Veterinärmedizin, Wirtschaft und Zahnmedizin. An den Unis findet die Zulassung meist an einem Tag statt, man muss sich also vorher für eine Hochschule entscheiden. "Auch die zeitintensive Vorbereitung auf den Aufnahmetest sollte man nicht unterschätzen", sagt Meusburger.

Aufgerufen am 20.11.2018 um 08:51 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/passt-uni-oder-fh-besser-zu-mir-491512

Das Uni-Magazin zum Semesterstart

Das Uni-Magazin zum Semesterstart

Jetzt lesen

Newsfeed

Arrow Down

Schlagzeilen