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Reine Ansichtssache: Wie definiert man Reichtum?

Kohle, Zaster, Moneten - und was noch? Wer als reich bezeichnet wird, hat in der Regel sehr viel Geld. Doch ein Forscher fordert ein weiterreichendes Verständnis von Reichtum. Fünf Definitionen eines polarisierenden Begriffs.

Reine Ansichtssache: Wie definiert man Reichtum? SN/robert ratzer
Symbolbild.

"Ein reicher Mann ist oft nur ein armer Mann mit sehr viel Geld", sagte einmal Aristoteles Onassis. Er musste es wissen: Der griechische Reeder war in den 1960er-Jahren ein Sinnbild des Superreichen, verfügte über Milliarden. Doch private Schicksalsschläge stellten ihn mehrfach vor die Frage: Ist Reichtum wirklich nur Geld? Diese Frage stellte am Montag auch der Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski. Er fordert eine neue Definition von Reichtum, die über "Zahlen, Geld und Güter" hinausgeht. Fünf Synonyme, die der Duden vorschlägt:

VERMÖGEN: 35.616 Euro netto im Jahr - so viel muss verdienen, wer in als reich gelten will. Wer auf ein Einkommen von 53.424 Euro jährlich kommt, wird als sehr reich bezeichnet. So schreibt es das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Der Anteil der Reichen in Deutschland etwa ist demnach in den vergangenen Jahren auf rund acht Prozent der Haushalte gestiegen. Das Geld ist ungleich verteilt: Die reichsten zehn Prozent der Haushalte verfügen laut Reichtumsbericht der Bundesregierung über mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens.

BESITZ: Mehr als 2300 Dollar-Milliardäre gibt es Schätzungen zufolge derzeit auf der Welt. Das geht aus dem "Milliardärszensus" der Schweizer Bank UBS und dem Forschungsunternehmen Wealth-X hervor. Ihr Gesamtvermögen: Knapp 7,3 Trilliarden Dollar. Ihr Durchschnittsalter: 63 Jahre. Der Frauenanteil hielte mit etwa zwölf Prozent keiner Quote stand. Was macht man mit so viel Geld? Zu den beliebtesten Investitionen der reichsten Menschen der Welt gehören Residenzen. Alle drei Jahre wechselt ein Milliardär sein Anwesen, heißt es - genauer: eines seiner durchschnittlich vier Anwesen.

LUXUS: Der weltweite Luxusmarkt hatte im Jahr 2014 ein Volumen von 223 Milliarden Euro. Doch was ist schon Luxus? "Hierzulande hat Luxus noch eine andere Dimension als materielle Fülle: Es geht darum, sich mit positiven Erlebnissen aufzuladen", sagt Petra-Anna Herhoffer vom Institut für Luxus, einem Beratungsunternehmen. Das gelinge etwa mit exklusiven Reisen in abgelegene Gegenden oder einem Aufenthalt in einer "well-clinic" - einer Mischung aus Hotel und Klinik. Oberste Maxime: ein komfortables Leben. "Der Weitererzählwert ist dabei nicht entscheidend. Ein immer wichtigerer Luxusbaustein wird die Erinnerung." Teuer sei diese Form des Luxus aber meistens trotzdem.

FÜLLE: In vielen Religionen ist es verpönt, gierig nur auf Geld und Eigentum zu schauen. Im Christentum verbietet das zehnte Gebot Gier, Habsucht und Neid. Papst Franziskus kritisierte zuletzt mehrfach, Geld werde verherrlicht. Das Weltwirtschaftssystem geißelte er als unerträglich. Sogar seinen Papst-Namen wählte er, weil die Franziskaner nach dem Gelübde der Armut leben. Kurios aber: Im Dezember stand der Franziskaner-Orden laut Berichten am Rande einer Pleite, angeblich wegen dubioser Finanzgeschäfte in Millionenhöhe.

VIELFALT: Immer mehr Geld, immer mehr Besitz - dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel der Selbstversorger auf dem Funckenhof bei Lüneburg. "In der Natur gibt es kein ewiges Wachstum", heißt es auf ihrer Webseite. Anstelle von Schmuck oder Jachten zählen die Selbstversorger auf, was ihrer Meinung nach zwischen Hühnern, Kühen und Enten wirklich zählt: "Satt und zufrieden sein, es warm und behaglich haben. In Ruhe genießen können... Wer will das nicht?" Ein bisschen Geld brachte aber auch der Funckenhof schon ein. Mit dem Verkauf der Agrarprodukte - und mit Bildern eines malenden Esels.

Quelle: Dpa

Aufgerufen am 14.08.2020 um 02:23 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/reine-ansichtssache-wie-definiert-man-reichtum-2654323

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