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Roboter helfen den Zahnärzten

Mit der Studie "InnoDent" an der Fachhochschule Salzburg werden mobile Roboter fit für Hilfsdienste in Zahnarztkliniken gemacht. Die Coronakrise beschleunigt diese Entwicklung.

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Manchmal werden Märchen wahr. Für die legendären "Robotermärchen" des polnischen Schriftstellers Stanisław Lem stimmt das auf jeden Fall. Bald 50 Jahre nach ihrem Erscheinen ist die Science-Fiction von einst dabei, Alltagsrealität zu werden. "Es lebte einst ein großer Erfinder, ein Konstrukteur, der ohne Unterlass ungewöhnliche Anlagen ausdachte und die seltsamsten Apparate schuf", beginnt eines von Lems Robotermärchen.

An der Fachhochschule Salzburg heißt dieser Konstrukteur Simon Hoher. Er arbeitet als Fachbereichsleiter Mechatronik und Robotik, leitet die forschungsbasierte Ideenstudie "InnoDent" über kollaborative Robotik in der Zahnarztpraxis und ist damit hochaktuell: "Die Ära der Cobots hat begonnen", titelte Mitte Juni das Nachrichtenmagazin "Spiegel" und verknüpfte diese Technologierevolution sogleich mit der Coronakrise: "Die Pandemie beschleunigt den Vormarsch der Roboter. Sie desinfizieren Kliniken, räumen Regale ein, helfen bei der Wohnungsbesichtigung. Und dabei stecken sie niemanden an." FH-Professor Hoher bestätigt im Interview mit den SN die Argumentationslinie des "Spiegel"-Artikels: "Wir haben mit unserer Studie vor Corona begonnen, unsere Arbeit hat mit den Auswirkungen der Pandemie aber sicher an Relevanz gewonnen."
Der Begriff "Cobot" stammt aus der Verbindung der englischen Wörter "Collaboration" und "Robot" und beschreibt Roboter, die für die direkte Interaktion mit Menschen konzipiert sind. Damit das reibungsfreie Zusammenspiel zwischen Mensch und Roboter Seite an Seite in einem Arbeitsraum getestet werden kann, erschufen Hoher und sein Team für ihre Simulationsstudie eine virtuelle Welt, die einer realen Zahnarztpraxis gleicht. In diese virtuellen Ordinationsräume ließen sie eine mobile Roboterplattform mit einem kollaborativen Roboterarm hineinfahren und so wie das "Helferlein" von Daniel Düsentrieb verschiedene Aufgaben erfüllen. "Wir schauten, was im besten Fall möglich ist, und probierten Szenarien aus, wo es Sinn hat, dass ein Roboter Tätigkeiten übernimmt, damit sich die Fachkräfte auf ihre Kernaufgaben fokussieren können", sagt Hoher und zählt Tätigkeitsfelder auf, bei denen die Maschine das Fachpersonal in Zahnarztpraxen am besten unterstützen kann: Reinigen, Desinfizieren, Sterilisieren, also die Vor- und Nachbereitung von Behandlungsräumen, Materialtransport zu den Behandlungsstationen und Patientenführung vom Wartezimmer zum Röntgengerät oder Behandlungsstuhl.

Dass der aktuelle Trend in der Zahnmedizin in Richtung Zahnarztkliniken geht, in denen sich mehrere Zahnärzte zusammenschließen, könnte der "Roboterisierung" ebenfalls Auftrieb geben. Wobei Hoher wichtig zu betonen ist, dass dabei nicht Menschen ersetzt werden sollen, sondern man ihnen mit Robotern ständig wiederkehrende Servicearbeiten abnimmt.

Franz Leitner, leitender Versuchsingenieur der Salzburger Firma "Dental Manufacturing Unit Gmbh" (DMU), betont ebenfalls, dass "es nicht darum geht, alles zu automatisieren und Arbeitsplätze mit Maschinen zu ersetzen, sondern kollaborative Robotik heißt, dass Roboter den Menschen beim gemeinsamen Arbeiten Tätigkeiten abnehmen und Hilfestellung anbieten". DMU ist Projektpartner bei der InnoDent-Studie, lieferte die Idee und wandte sich für die Umsetzung an die FH Salzburg. Leitner streut Projektleiter Simon Hoher Rosen: "Wir haben da einen super Partner gefunden, der sehr tief in der Materie drin ist. Wir haben bewiesen, dass sich der Roboter orientieren kann, dass er seine Pfade und Aufgaben schafft. Der nächste Schritt ist, einen Prototyp zu entwickeln."

Nach dem Zeithorizont befragt, in dem man damit rechnen kann, von einem Roboter im Zahnarztwartezimmer abgeholt zu werden, antwortet Hoher: Die Entwicklung des Prototyps in einem Folgeprojekt werde zwei bis drei Jahre dauern, in fünf bis zehn Jahren sollten dann die ersten Geräte in Zahnarztkliniken gang und gäbe sein. So wie es Stanisław Lem im "Robotermärchen" vom großen Erfinder und Konstrukteur vorausgesagt hat: Der machte sich nämlich am Ende des Märchens auf die Wanderschaft. "Und auf seinen schwarzen sterngespickten Wegen wandert er noch heute; früher oder später wird er bestimmt auch uns besuchen."

Quelle: SN

Aufgerufen am 25.10.2020 um 07:59 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/roboter-helfen-den-zahnaerzten-89342980

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