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Schützenhilfe aus dem All

Die Weltraumtechnik liefert wertvolle Daten für Klimaforscher - und atemberaubende Bilder. Sie zeigen, wie fragil und schützenswert unser Planet ist.

Der ESA-Satellit Envisat hat 2007 aufgenommen, wie der Rauch von Waldbränden in Südkalifornien über das Meer getragen wird.ESA   SN/esa
Der ESA-Satellit Envisat hat 2007 aufgenommen, wie der Rauch von Waldbränden in Südkalifornien über das Meer getragen wird.ESA  

Die Fotos könnten einmalig werden. Wären da nicht die Handschuhe, mit denen es unmöglich ist, die Kameraeinstellung zu ändern. Diese Szene könnte sich bei jedem Winterspaziergang abspielen - oder eben beim Weltraumspaziergang. Geschildert hat sie Luca Parmitano, Astronaut bei der Europäischen Weltraumagentur ESA, der kürzlich bei einer Konferenz des Büros für Weltraumfragen der UNO in Wien zu Gast war. Der gebürtige Italiener schwärmte vom Blick aus dem All auf die Erde, erzählte, wie zerbrechlich unser Planet aus dieser Perspektive wirke und wie stark ihm dort oben bewusst sei: "Diese Erde gibt es nur ein Mal. Es ist unser aller Zuhause. Wir müssen es schützen und für künftige Generationen bewahren."

Es ist ein Perspektivenwechsel, für den nicht zwingend ein Flug in den Weltraum notwendig ist. Die ESA veröffentlicht unter dem Titel "My Planet from Space" auf ihrer Webseite und in Buchform spektakuläre Aufnahmen, in denen die Erde aus dem Weltall zu sehen ist. Sie können im wahrsten Sinne des Wortes dazu beitragen, die Welt mit anderen Augen zu sehen - und vielleicht zu erkennen, warum der Klimaschutz uns alle angeht, so wie es Astronaut Parmitano ergangen ist.

Neben Bildern aus dem All liefert die Weltraumtechnik seit Jahrzehnten wichtige Informationen für Klimaforscher. Seit den 1970er-Jahren werden mit Hilfe von Satelliten Aufnahmen der Erde aus dem All gemacht, zuerst von den Amerikanern. Die Europäer hätten in der Erdbeobachtung mit der Meteorologie angefangen, erzählt der Österreicher Josef Aschbacher, Direktor für Erdbeobachtung bei der ESA. Erst in den 1980ern wurden andere Programme gestartet und 2014 schließlich der erste Satellit des Copernicus-Programms ins All geschickt.

Das Programm ist eine gemeinsame Initiative von EU, ESA und anderen europäischen Instituten. "Es ist das größte und beste Erdbeobachtungssystem der Welt", sagt Aschbacher nicht ohne Stolz. Es sei so gut, dass die Amerikaner Daten daraus bekommen, weil sie nichts Vergleichbares haben.

Die Satelliten liefern einerseits Bilder, die den Klimawandel dokumentieren. Im zeitlichen Vergleich wird etwa sichtbar, wie weit Eis oder Wasser in bestimmten Regionen zurückgehen. Aus dem Weltall werden nicht nur Aufnahmen, sondern auch Informationen gesammelt. Die Höhe des Meeresspiegels wird seit Jahrzehnten dokumentiert, indem die Distanz der Satelliten bis zur Meeresoberfläche und die Rückstrahlung zum Satelliten gemessen werden. "Die Technik ist so genau, dass man auf den Millimeter diese Distanz messen kann, was ja fast unglaublich ist", so gerät Aschbacher ins Schwärmen.

Genutzt werden solche Daten auch von den Wissenschaftern, die Analysen für die UN-Klimakonferenzen vorbereiten. Theoretisch könnten die Daten aber auch verwendet werden, um Fortschritte bei der Umsetzung des Pariser Klimavertrages zu kontrollieren. Und schließlich messen die Satelliten auch Änderungen von Treibhausgasen in der Atmosphäre.

Aufgerufen am 15.11.2018 um 12:51 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/schuetzenhilfe-aus-dem-all-374119

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