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Schweizer Forschende retten Klimaarchiv vor dem Abschmelzen

Am Montag brachen Forschende des Schweizer Paul Scherrer Instituts PSI auf, um auf dem Gletscher des Bergmassivs Grand Combin ins Eis zu bohren. Damit wollen sie ein einzigartiges Klimagedächtnis retten.

Gletschereis liest sich wie ein Geschichtsbuch. Doch mit dem Klimawandel schmilzt dieses Archiv. Auf über 4000 Metern über Meer bohren die Schweizer Forschenden nun drei parallele Kerne 80 Meter Tief ins Eis, um den kalten Schatz zu sichern.

Die Eiskerne aus dem Wallis sollen später zusammen mit Eis aus anderen bedrohten Gletschern in einer Schneehöhle in der Antarktis gelagert werden. In diesem Gefrierschrank herrschen normalerweise Temperaturen unter minus 50 Grad Celsius. Die acht bis zehn Tage dauernde Expedition ist Teil des internationalen Ice-Memory-Projektes, das unter anderem von der Unesco unterstützt wird.

Nicht nur für die Klimarekonstruktion erweisen sich Eisbohrkerne als wertvoll. "Darüber hinaus finden sich in Eisbohrkernen sicher auch noch andere Ablagerungen und Rückstände, von denen wir noch gar nicht wissen, welche wissenschaftlichen Fragestellungen mit ihrer Hilfe in der Zukunft beantwortet werden könnten", sagte Margit Schwikowski, Leiterin des Labors für Umweltchemie am PSI und Expeditionsleiterin.

Denkbar seien beispielsweise Rückstände von Erbgut, die auf noch unbekannte Lebewesen schließen lassen. Ebenfalls könnten eingefrorene Mikroorganismen Geschichten über Ökosysteme der Vergangenheit erzählen.

"Wie weit die Informationen, die wir aus diesen Eiskernen gewinnen können, zurückreichen, lässt sich jetzt noch nicht sagen", erklärte die Umweltchemikerin. Erst die genaue Untersuchung der Eiskerne wird zeigen, wie weit man mit diesem Archiv in die Vergangenheit zurückblicken kann.

Quelle: Apa/Sda

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