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Seit Corona-Pandemie auch drei Millionen an Tuberkulose gestorben

Österreichische Gesellschaft für Pneumologie warnt vor unbehandelten Ansteckungen - Weltweit besorgniserregender Anstieg - WHO: Kinder stark betroffen.

Tuberkulose ist eine ernste und sehr ansteckende Krankheit.  SN/robert ratzer
Tuberkulose ist eine ernste und sehr ansteckende Krankheit.

Die Corona-Pandemie hat weltweit zu einem besorgniserregenden Anstieg von Tuberkulosefällen geführt. Während Covid-19 bisher rund sechs Millionen Menschenleben gefordert hat, sind in derselben Zeit rund drei Millionen an Tuberkulose gestorben, warnte die Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) am Montag anlässlich des Welttuberkulosetages am 24. März. Die Fortschritte im globalen Kampf gegen Tuberkulose seien durch die Pandemie zunichtegemacht und um Jahre zurückgeworfen worden.

Seit Ausbruch der Pandemie werden zwar weltweit bedeutend weniger Fälle von Tuberkulose (TB) diagnostiziert - aber nicht, weil es nun tatsächlich weniger Erkrankte gäbe. Die Menschen suchen nur seltener Ärztinnen oder Ärzte auf - aufgrund von Lockdowns, Ausgangsbeschränkungen oder der Sorge, sich in Gesundheitseinrichtungen mit SARS-CoV-2 anzustecken. Das werde nicht ohne Folgen bleiben, betonen die Experten der ÖGP, denn die Heilungschancen stehen nur bei rechtzeitiger und kontinuierlicher Therapie sehr gut.

Darüber hinaus werden Familienmitglieder und andere enge Kontakte ebenfalls angesteckt. Die Infektionsketten werden immer länger und die Gefahr, dass sich multiresistente Formen der Tuberkulose ausbreiten, gegen die immer weniger Medikamente wirksam sind, wird größer. Die ÖGP sprach in einer Aussendung von einer bedrohlichen Entwicklung, da Tuberkulose als "Killer" unter den Infektionskrankheiten gilt. So liege der weltweite Therapieerfolg bei einer multiresistenten Tuberkulose bei nur rund 50 Prozent.

2019 sind weltweit von den geschätzten zehn Millionen TB-Neuinfektionen 7,1 Millionen diagnostiziert worden. 2020, also im Jahr eins der Corona-Pandemie, wurden nur 5,8 Millionen neu diagnostiziert. "Das sind um 18 Prozent weniger und das bedeutet, dass zusätzlich circa 1,3 Millionen, ohne es zu wissen, an Tuberkulose erkrankt sind und die Erreger weitergeben", erläuterte Oberarzt Helmut Salzer vom Kepler Universitätsklinikum in Linz und Leiter des Arbeitskreises Infektiologie & Tuberkulose der ÖGP.

Eine ähnliche Abnahme an TB-Diagnosen sieht man auch in Österreich. Wurden vor der Pandemie 500 bis 600 Neudiagnosen pro Jahr gestellt, waren es 2020 nur 388 TB-Fälle, die in das epidemiologische Meldesystem EMS eingemeldet wurden (4,4 je 100.000 Einwohner). "Seit Beginn der Pandemie werden weniger, dafür vermehrt schwere TB-Fälle in den Krankenhäusern registriert", berichtete Salzer. "Neben möglichst frühzeitiger Diagnose und rascher, leitliniengerechter Behandlung müssen vor allem auch infektionsgefährdete Personen im engen Patientenumfeld identifiziert, untersucht, aufgeklärt und bei Bedarf behandelt werden", betonte der Mediziner.

Die Weltgemeinschaft ist nicht auf Kurs, ihre selbstgesteckten Ziele zur Eindämmung der Tuberkulose zu erreichen, berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ebenfalls am Montag. Gerade Jugendliche und Kinder seien Leidtragende. Im Jahr 2020 hätten sich 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren mit TB infiziert, 226.000 seien daran gestorben. 2020 wurden der WHO zufolge nach Schätzungen weltweit 72 Prozent der Kinder unter fünf Jahren, die sich infiziert haben, nicht behandelt. Zwei Drittel der Kleinen, die für eine Vorsorgebehandlung infrage kämen, seien nicht behandelt worden.

Mit neuen Richtlinien dringt die WHO auf eine möglichst schnelle Diagnose und eine kürzere Behandlungszeit. Das reduziere die Kosten, die in vielen Ländern Familien selbst tragen müssen. Kinder mit milden Symptomen sollen für vier statt sechs Monate Medikamente einnehmen, solche mit tuberkulöser Meningitis sechs statt zwölf Monate. Die WHO empfiehlt auch die neuen Medikamente Bedaquilin und Delamanid jetzt für Kinder. Sie wirken gegen Mykobakterien, die gegen die bisher wirksamsten Anti-TB-Medikamente resistent sind. Die Infektionskrankheit betrifft oft die Lunge, kann aber auch an anderen Organen auftreten. Klassische Symptomen sind länger bestehender Husten, Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsverlust.

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