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Strom aus Wasserkraft ist nicht immer umweltfreundlich

Vom Amazonas bis zum Jangtse werden weltweit Staudämme errichtet. Aber die riesigen Talsperren schaffen Probleme.

Dämme können freilich auch brechen – wie hier in England 2019. SN/APA/AFP/ROLAND HARRISON
Dämme können freilich auch brechen – wie hier in England 2019.

Feierlich schreiten Ägyptens Präsident Anwar as-Sadat und der sowjetische Staatschef Nikolai Podgorny 1971 über den Staudamm in Assuan. Tief unten sprudelt Nilwasser durch zwölf Turbinen der neu gebauten Kraftwerksanlage. Erstmals kann der Mensch die Nilflut kontrollieren und Tausende Hektar Ackerland nach Bedarf bewässern. In ägyptischen Dörfern, zuvor noch ohne Stromanschluss, wird das Licht angeknipst. Aber 50 Jahre nach Einweihung des Assuan-Hochdamms sind auch die Umweltschäden solcher Projekte sichtbar: Erosion, Bodenversalzung, schlechtere Wasserqualität, Verdunstung und ein stark veränderter Lebensraum für Süßwassertiere sind nur einige Probleme. Die Organisation River Watch nennt Staudämme "einen der schlimmsten Eingriffe in die Natur", der Verein Rettet den Regenwald spricht von der "Ausrottung ganzer Tier- und Pflanzenspezies" und der Vertreibung von "Zigmillionen" Menschen.

Pauschal lasse sich nicht sagen, ob der Nutzen eines Staudamms - etwa klimafreundliche Stromgewinnung oder Kontrolle über Hochwasser - die Schäden überwiege, sagt Christiane Zarfl vom Zentrum für Angewandte Geowissenschaften der Universität Tübingen. "Doch auch ganz kleine Staudämme bewirken eine Veränderung im Ökosystem" , sagt sie.

Global gibt es derzeit einen regelrechten Boom beim Bau neuer Staudämme, insbesondere zur Stromgewinnung. Ein Team um Zarfl hat in einer Datenbank mehr als 3700 mittlere und große Wasserkraftwerke zusammengetragen, die sich in Planung oder bereits in Bau befinden. Die oft mächtigen Talsperren entstehen etwa in Südamerika im Einzugsgebiet des Amazonas und des La-Plata-Flusses, in Süd- und Ostasien - am Ganges, Brahmaputra und Jangtse - sowie in Afrika.

Dabei ist längst nicht sicher, dass ein Wasserkraftwerk immer klimaneutral oder -schützend arbeitet: Äste und anderes organisches Material sammeln sich in Stauseen und werden auf dem Grund ohne Sauerstoff abgebaut. Dadurch entsteht Methan, als Treibhausgas rund 25 Mal klimaschädlicher als CO2. Dasselbe gilt, wenn bei der Befüllung von Stauseen Wälder geflutet werden. Forscher errechneten 2016, dass Stauseen jährlich rund eine Milliarde Tonnen klimaschädliche Treibhausgase verursachen.

Der höchste Staudamm der Welt mit 335 Metern entsteht zurzeit in Tadschikistan. Er soll die Energieknappheit des verarmten Hochgebirgslandes an der Grenze zu Afghanistan bessern und - so hoffen nicht wenige - der Industrie mehr Wachstum bringen. Das 3600-Megawatt-Kraftwerk ist jedoch umstritten: Nachbar Usbekistan befürchtet, Tadschikistan könne ihm nach Belieben das Wasser abdrehen. Solche Konflikte gibt es auch zwischen Äthiopien, dem Sudan und Ägypten beim Bau des künftig größten Staudamms in Afrika. Der Damm soll den Blauen Nil im Norden von Äthiopien kurz vor der sudanesischen Grenze stauen.

Quelle: SN, Dpa

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