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Tintenfisch machte sich schlau

Die Unterwasserwesen sind klug wie Ratten. Dafür hat einer ihrer Vorfahren gesorgt, der sich selbst mehr Gehirn verschafft hat.

Kraken sind nicht nur äußerst klug, sie können bei Bedarf ihr Genom „upgraden“. SN/sn
Kraken sind nicht nur äußerst klug, sie können bei Bedarf ihr Genom „upgraden“.

Die Naturgeschichte beschreibt diese eleganten Meerestiere ganz nüchtern als "Kopffüßer". Tatsächlich bestehen Tintenfische aus nicht viel mehr als aus einem schwammigen Kopf mit Linsenaugen und gummiartigen, mit Saugnäpfen ausgestatteten Gliedmaßen. Kopffüßer haben die größten Gehirne unter den wirbellosen Tieren. Ihre Intelligenz wird mit der von Ratten verglichen.

Und sie werden - wahrscheinlich wegen ihres gruseligen Aussehens - von vielen Völkern als mystische Seeungeheuer gefürchtet. Immerhin können die größten Exemplare unter ihnen bis zu 270 Kilogramm schwer werden. Strecken sie ihre Fangarme aus, können sie damit eine Kreisfläche von fast zehn Metern abtasten.

Kopffüßer wie Tintenfisch, Oktopus und Nautilus faszinieren die Forschung schon seit einigen Jahren. Man erkannte, dass sie die einzigartige Fähigkeit haben, sich blitzschnell zu tarnen. Und sie können komplexe Aufgaben lösen. Eines der bekanntesten Experimente mit einem Kopffüßer ist jenes, bei dem die Krakendame Frida im Tierpark Hellabrunn gelernt hat, wie sie ein Marmeladenglas aufschraubt, um an ihr Futter zu kommen.

Aber wie schaffen es diese Meeresbewohner, so schlau zu sein? Die Antwort fanden nun Evolutionsbiologen um Oleg Simakov von der Universität Wien. Dazu sequenzierten sie das Erbgut (Genom) des hawaiianischen Bobtail-Tintenfisches (Euprymna scolopes, im Bild).

Die Analyse zeigt, dass ein Kopffüßervorfahr des Tintenfischs und des Oktopus (eine Krakenart) vor Millionen von Jahren eine umfassende Reorganisation des Genoms durchgemacht hat. Erst diese Vorbereitung ermöglichte es den Kopffüßern, im Lauf der Evolution so schlau zu werden. "Man könnte sagen, es war ein Upgrade", sagt Evolutionsbiologe Simakov. Es brachte Schlüsselgene hervor, die zur Entwicklung des komplexen Gehirns beigetragen haben. Gleichzeitig vergrößerte sich durch diese Reorganisation das Erbgut insgesamt. Jedenfalls bei Tintenfisch und Oktopus, von denen bisher das Genom bekannt ist.

Und noch etwas Erstaunliches zeichnet den hawaiianischen Bobtail-Tintenfisch aus. Es findet sich im DNA-Abschnitt, der für das Leuchtorgan zuständig ist, das das Tier unter Wasser farbig aufleuchten lässt. Das Organ bildet eine Symbiose mit dem Bakterienstamm Vibrio fischerii. Der ist es, der das Licht aussendet. Der Tintenfisch aus Hawaii kann die Lichtemission auch kontrollieren, sie einmal stärker machen, einmal abschwächen. Die Forscher vermuten, dass der Tintenfisch dieses Manöver sowohl zum Jagen als auch zum Täuschen seiner Feinde entwickelt hat.

Noch ein Satz zur Unterscheidung der Tiere: Die bekanntesten Gruppen innerhalb der Tintenfische sind die Sepien (Sepiida), die Kalmare (Teuthida) und die Kraken (Octopoda).

Aufgerufen am 18.08.2019 um 05:07 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/tintenfisch-machte-sich-schlau-64072534

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