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Tiroler überlebte Blitzschlag in den USA: "Wahnsinniger Schmerz"

Der Tiroler, der in der vergangenen Woche einen Blitzschlag in der Sierra Nevada im Norden Kaliforniens überlebt hatte, ist inzwischen in die Heimat zurückgekehrt. Es gehe ihm "den Umständen entsprechend gut", sagte Mathias Steinhuber im Gespräch mit der APA - und erinnert sich an jenes dramatische Ereignis, das weltweit Schlagzeilen machte.

An den "Blitzmoment" kann sich der 31-jährige gebürtige Oberösterreicher, der 2010 nach Innsbruck kam, gar nicht erinnern: "An den unmittelbaren Vorfall selbst habe ich keinerlei Erinnerung. Ich war etwa 15 bis 20 Minuten bewusstlos. Davor habe ich allerdings keine Erinnerungslücken: Ich habe mit dem Handy Fotos gemacht. Währenddessen hat der Blitz eingeschlagen".

Er war zusammen mit seiner Freundin eine Etappe des Pacific Crest Trails gewandert, ein in etwa 30 Kilometer langer Höhenweg zwischen Donners Pass und Squaw Valley.

"Auf halber Strecke befindet sich der Tinker Knob. Der Weg geht unterhalb des Gipfels vorbei. Durch eine fünf bis zehnminütige Kraxlerei kann man einen Abstecher auf den Gipfel machen. Ich bin etwas vorgelaufen und schnell auf diesen Gipfel hinauf. Meine Freundin wollte ebenfalls hinauf und war gute hundert Meter hinter mir, als ich oben schon die Fotos machte", skizzierte der Tiroler Ort und Situation vor dem Blitzereignis.

"Dann war der Blitz. Durch den Hinterkopf rein, durch die Füße, besonders den linken, wieder raus. Meine Freundin hörte einen ohrenbetäubenden Krach und dort, wo sie mich gerade noch gesehen hatte, war nur mehr Rauch. Als sie weiterging, schlug unmittelbar neben ihr noch ein zweiter Blitz ein", schilderte er.

Nach einer Viertelstunde kam er wieder zu Bewusstsein: "Ich lag auf einem Steinhaufen, meine Kleidung war zerfetzt, ich hatte blutige Abschürfungen".

In etwa 50 Minuten nach dem Blitz brachte ihn ein Hubschrauber in das Krankenhaus der kleinen Stadt Truckee. Hier fanden Erstversorgung und Erstdiagnose statt.

"An viel kann ich mich nicht erinnern. Dort kam aber dann der wahnsinnige Schmerz. Ich hatte bis dahin in meinem Leben noch keine annähernd so schlimmen Schmerzen gehabt. Nervenschmerzen in den Beinen, Muskelschmerzen, Wundschmerzen von den Verbrennungen, Schmerzen auf der Haut am ganzen Körper", beschrieb Steinhuber die qualvollen Momente. Er habe immer wieder um Schmerzmittel gefleht. "Irgendwann hat ein Pfleger zu mir gesagt: ´Wenn wir dir noch mehr Schmerzmittel geben, stirbst du an den Schmerzmitteln", so der Tiroler, der Französisch und Deutsch studierte.

Schließlich wurde der 31-Jährige weiter in das UC-Davis Krankenhaus geflogen, das besonders auf Verbrennungen spezialisiert ist. "An diese Reise kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich wurde immer wieder bewusstlos, auch während der umfassenden Untersuchungen im Krankenhaus. Ich weiß noch, dass ich furchtbaren Durst hatte, ich durfte allerdings immer nur an einem Schwamm nuckeln, bis zum Ende der Untersuchungen musste ich nüchtern bleiben", berichtete Steinhuber.

Zwei Nächte verbrachte er dann auf der Intensivstation und wurde schließlich auf ein normales Zimmer verlegt. Insgesamt blieb er acht Nächte im Krankenhaus. Ziel sei es stets gewesen, ihn wieder "flugfähig zu machen". Vor wenigen Tagen klappte es schließlich mit dem Rückflug.

In der Heimat angekommen, empfingen das Paar Eltern und Freunde. Nicht zuletzt das veranlasste ihn dazu, vor allem die positiven Aspekte des Ereignisses wahrzunehmen: "Lieber wäre mir natürlich gewesen, dass es nicht passiert wäre. Aber seit dem Unfall überwiegen insgesamt die positiven Eindrücke. Rückhalt und Solidarität unserer Freunde, analog (im Krankenhaus) und digital (Anrufe, Nachrichten von daheim) waren gewaltig und haben mich tief beeindruckt. Besonders meiner Freundin bin ich dankbar, sie ist nie von meiner Seite gewichen und hat mir viel Kraft gegeben, obwohl diese Woche auch für sie ein Wahnsinn war. Die ganze Geschichte hat uns sehr zusammengeschweißt."

Insgesamt nimmt der Tiroler das außergewöhnliche Ereignis gelassen und durchaus auch mit Humor. So postete er etwa Ende August in einem sozialen Netzwerk ein Bild von sich selbst mit einem gezeichneten Blitz. "Thunderstruck" sozusagen. Die Frage, warum ausgerechnet ihm so etwas passiert ist, stellt er sich aber nicht. "Was passiert, passiert. Falsche Zeit, falscher Ort. Für mich gibt es da keinen tieferen Sinn", so Steinhuber.

Gefragt nach seinem gesundheitlichen Zustand, klagt Steinhuber vor allem darüber, dass "der Jetlag im Moment natürlich heftig ist", sowie die "Schmerzen in der Nacht". Vor allem die Wunde am Fuß schmerze: "Psychisch geht es mir aber gut". Er sei sich bewusst, dass er Glück gehabt habe. "Ich empfinde das Ereignis allerdings nicht als besondere Zäsur in meinem Leben", meinte der "Blitzüberlebende".

Quelle: APA

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