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Treibhausgasemissionen: Wald agierte 2018 und 2019 als "Klimasünder"

Eine Neubewertung sorgte für kurzzeitigen Rollenwechsel des Waldes zur Netto-Treibhausgas-Quelle. Und: Die globale Erwärmung könnte die Funktion der Waldflächen als CO2-Senken langfristig gefährden.

Eine (zu) intensive Waldnutzung gefährdet seine Funktion als CO2-Speicher.  SN/robert ratzer
Eine (zu) intensive Waldnutzung gefährdet seine Funktion als CO2-Speicher.

48 Prozent der österreichischen Landesfläche besteht aus Wald und dieser gilt bekanntlich als "Kohlenstoffsenke". Eine rückblickend jedoch negative Rolle als "Klimasünder" spielte der Wald in den beiden Jahren 2018 und 2019. Da leistete er einen positiven Beitrag zur Treibhausgasbilanz, indem er 5 bzw. 1,7 Millionen Tonnen CO2 emittierte. Erst 2020 ging der Trend wieder in die gewohnte Richtung und die Wälder konnten wieder 5,5 Millionen Tonnen CO2 binden.

Das geht aus der aktuellen Treibhausgas-Bilanz (THG) 2021 hervor, die am Montag vom Umweltbundesamt publiziert wurde. Sie wies insgesamt einen weiteren Anstieg der Emissionen von 4,9 Prozent gegenüber 2020 aus, was in Summe 77,5 Millionen Tonnen an CO2-Äquivalenten ergab.

Der Wald, er wird dem Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft (LULUCF) zugerechnet, wies für das Bilanzjahr 2021 ein Nettoabbau von 10,4 Tonnen CO2-Äquivalent auf. Jedoch wurde festgehalten, dass im Vergleich zur letzten Vorlage "größere Überarbeitungen vorgenommen" wurden, die aufgrund der Verfügbarkeit von Daten aus dem letzten Zyklus der nationalen Waldinventur (2016 bis 2021) erfolgten. Neue Ergebnisse der Bodenkohlenstoffmodellierung und erstmals Schätzungen der Emissionen bzw. Entnahmen für die unbewirtschafteten Wälder flossen so in die Berechnungen ein.

Hohe Ernteraten und geringe Zuwächse führten zu negativer Klimabilanz

Durch diese Neubewertung wurden die LULUCF-Kategorie insgesamt und die Unterkategorie Waldflächen so zum ersten Mal seit Beginn der Berichterstattung in den beiden Jahren zur Netto-THG-Quellen, die in der Bilanz durch hohe Ernteraten "aufgrund natürlicher Störungen und geringer Zuwächse aufgrund von Wetterbedingungen" erklärt wurden.

In der Tageszeitung "Kurier" (Mittwochsausgabe), die auf diese beiden "Ausreißer" aufmerksam wurde, erklärte Christian Lackner vom Bundesforschungszentrum für Wald, dass der Waldzuwachs in einem Trockenjahr relativ klein ausfällt. "Wenn dann auch noch vermehrt Schadholz durch Käfer oder Stürme anfällt und damit die Holznutzung überdurchschnittlich hoch ist, dann ist die Speicherleistung des Waldes sehr gering." Generell gelte, dass bei einer Zunahme der globalen Erderwärmung ein dauerhafter Erhalt des Waldes als CO2-Senke nicht möglich sei.

Die EU baut zumindest in den kommenden Jahren darauf, dass der Wald weiter dem Klimawandel Paroli bieten soll: Im November 2022 haben der Rat und das Europäische Parlament eine vorläufige Einigung über die Überarbeitung der LULUCF-Verordnung erzielt, um sie den Green-Deal-Zielen anzupassen. Damit sind ehrgeizigere Vorgaben in diesem Sektor vorgesehen, so etwa die Festlegung des Gesamtziels der EU beim Nettoabbau von Treibhausgasen im LULUCF-Sektor auf 310 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent im Jahr 2030.

Aufgerufen am 30.01.2023 um 06:02 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/treibhausgasemissionen-wald-agierte-2018-und-2019-als-klimasuender-133090750

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