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US-Arzneimittelbehörde lässt Remdesivir gegen Covid-19 zu

Seit Mai gab es bereits eine Notfallzulassung, nun hat die US-Arzneimittelbehörde das Medikament zur Behandlung von Covid-19-Erkrankungen offiziell zugelassen. Dessen Wirksamkeit ist allerdings umstritten. Andere Mittel werden noch getestet.

Remdesivir wurde ursprünglich gegen die Viruserkrankung Ebola entwickelt.  SN/AFP
Remdesivir wurde ursprünglich gegen die Viruserkrankung Ebola entwickelt.

Die US-Arzneimittelbehörde hat das Medikament Remdesivir zur Behandlung von Covid-19-Erkankungen zugelassen. Seit Mai hatte das Mittel des US-Herstellers Gilead Sciences in den USA bereits eine Notfallzulassung, nun ist es dort das erste offiziell zur Behandlung von Covid-19-Patienten zugelassene Medikament. Die FDA sprach von einem "Meilenstein in der Pandemie".

Das Mittel sei geeignet für Menschen, die mindestens 12 Jahre alt und mindestens 40 Kilogramm schwer seien, und solle nur bei schwereren Verläufen und von medizinischen Experten verabreicht werden, teilte der Hersteller mit.

In Europa hatte das Mittel im Juli als erstes Medikament eine Zulassung unter Auflagen zur spezifischen Behandlung von bestimmten Covid-19-Patienten erhalten.

Den Angaben der US-Arzneimittelbehörde FDA zufolge kann Remdesivir die Dauer der durch die Infektion mit dem Coronavirus hervorgerufenen Erkrankung verkürzen. Dies sei hinreichend nachgewiesen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte vergangene Woche allerdings mitgeteilt, dass mehrere in weltweiten Testreihen überprüfte, potenzielle Corona-Medikamente wenig oder keinen Nutzen gezeigt hätten. Darunter war auch Remdesivir. Die Daten der von der WHO koordinierten Solidaritätsstudie waren allerdings noch in keinem begutachteten Fachjournal erschienen und von Wissenschaftern geprüft worden.

Ein Wundermittel gibt es nicht

Kortikoide wirken bei schweren Verläufen, Hydroxychloroquin oder Anti-Aids-Mittel sind wirkungslos: Seit Beginn der Corona-Pandemie arbeiten Pharmafirmen und Forscher weltweit an Therapien gegen Covid-19, inzwischen gibt es über einige von ihnen größere Klarheit. Um die neuesten Erkenntnisse zum Kampf gegen das Virus geht es ab Sonntag auch beim World Health Summit, der diesmal rein digital stattfindet. Eines ist schon jetzt klar: Ein Wundermittel wurde noch nicht gefunden.

Welche Mittel gibt es noch?

Dexamethason (und Kortikoide): Das Steroid Dexamethason ist frühen Studien zufolge bei Patienten, die Sauerstoff benötigen, vielversprechend - als einziges Medikament, das nachweislich die Sterblichkeit senkt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Europäische Arzneimittelagentur befürworten daher den Einsatz. Den Studien zufolge könnte es möglicherweise aber nur bei den schwersten Fällen wirken.

Neuere Forschungen deuten darauf hin, dass auch andere Steroide die Sterblichkeit bei hospitalisierten Patienten senken könnten.

Hydroxychloroquin: Das vielleicht umstrittenste Medikament der Pandemie ist Hydroxychloroquin, das von seinen Fans als Wundermittel gefeiert wird und in US-Präsident Donald Trump lange Zeit seinen prominentesten Fürsprecher hatte. Kritiker warnen vor schweren Nebenwirkungen bei der Behandlung von Coronapatienten mit dem Anti-Malaria-Mittel. Im Juni kam die britische Recovery-Studie zu dem Ergebnis, dass das Medikament nichts zur Reduzierung der Corona-Sterblichkeit beitrage - ein Ergebnis, das auch von der WHO-Studie in der vergangenen Woche bestätigt wurde.

Lopinavir-Ritonavir: Die sonst zur Behandlung und Vorbeugung von HIV/Aids eingesetzte Medikamentenkombination hat sich bei hospitalisierten Covid-19-Patienten als unwirksam erwiesen. Auch hier war es die Recovery-Studie, die am 29. Juni zu diesen Ergebnissen führte. Demnach reduziert die Lopinavir-Ritonavir-Kombination, die unter dem Namen Kaletra vermarktet wird, weder die Dauer des Krankenhausaufenthaltes, noch das Risiko, künstlich beatmet zu werden. Auch die Sterblichkeitsrate sinkt dadurch nicht.

Diese Mittel sind im Test

Synthetische Antikörper: Im Kampf gegen Viren wie SARS-CoV-2 entwickelt der Körper Antikörper - Proteine, die sich gegen bestimmte Krankheitserreger richten. Diese können in einem Labor synthetisch hergestellt und Patienten zur Stärkung ihrer eigenen Immunantwort verabreicht werden. Trump bekam diese noch experimentelle Behandlung, als er mit Covid-19 ins Krankenhaus musste.

Plasma: Plasma aus dem Blut genesener Patienten zeigte schon früh eine vielversprechende Wirkung, wenn es Covid-19-Patienten - durch einen Tropf oder per Injektion - verabreicht wurde. Einigen Studien zufolge erwies sich der Einsatz des sogenannten rekonvaleszenten Plasmas bereits bei der Behandlung des Ebola-Virus oder von SARS, das zur selben Familie wie das neue Coronavirus gehört, als wirksam. Doch sind für eine klare Aussage nach einhelliger Experten-Meinung noch weitere Vergleichsstudien notwendig - wie das derzeit etwa im Rahmen der Recovery-Studie der Fall ist.

Die Recovery-Studie untersucht derzeit auch die Wirksamkeit von Tocilizumab, eines immunsuppressiven Wirkstoffs, der, so hoffen die Forscher, übermäßige und potenziell tödliche Entzündungen in schweren Fällen verhindern könnte.

Daneben laufen weitere Studien, in denen die Eignung von Medikamenten untersucht wird, die bei anderen Krankheiten zum Einsatz kommen.

Quelle: Dpa

Aufgerufen am 24.11.2020 um 10:15 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/us-arzneimittelbehoerde-laesst-remdesivir-gegen-covid-19-zu-94618309

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