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Warum Extremisten so schwer aus ihrem Milieu herauskommen

Gewaltbereite Gruppen vermitteln ein starkes Wir-Gefühl. Hier kann man körperliche Stärke mit anderen messen.

Warum Extremisten so schwer aus ihrem Milieu herauskommen SN/sn
Einer für alle, alle für einen – und miteinander gegen die anderen.

Die SN sprachen mit der Linzer Psychiaterin Adelheid Kastner über den emotionalen Kitt, den extremistische Gruppen bieten - und mögliche Alternativen.
SN: Warum ist ein erheblicher Teil der jungen Leute anfällig für Extremismus?
Adelheid Kastner: Man muss sich vor einfachen Antworten hüten, die diesen Jugendlichen gewisse Eigenschaft en bloc zuschreiben. Es gibt unterschiedlichste Motive dafür, sich extremistischen Gruppen anzuschließen. Eines dieser Motive ist, dass diese Jugendlichen sich benachteiligt und aus der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen. Es ist aber etwa bei den in Österreich bekannt gewordenen Extremisten keineswegs so, dass alle Betroffenen aus prekären Verhältnissen gekommen wären. Fallweise hatten sie eine gute Ausbildung und die Chance, ihr Leben sinnvoll zu gestalten. Aber sie definierten sich über den Widerstand. Dagegensein ist für sie ein Wert an sich und Extremismus ist ein Angebot, das Dagegensein zu verwirklichen.
SN: Sie haben in Ihrem Buch "Wut" gesagt, dass es an Orten fehle, wo Jugendliche ihr Dagegensein ausleben könnten.
Es gibt die, denen es nur um das Opponieren geht. Anderen geht es aber darum, sich selbst in ihrer Stärke zu erleben und sich mit anderen körperlich zu messen. Dafür gibt bei uns immer weniger Rituale.

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