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Warum nicht einmal Spitzenathletinnen mit Urfrauen mithalten könnten

Harte Arbeit, über Stunden hinweg täglich ausgeübt, macht nicht nur Muskeln, sondern auch Knochen stark und fest. Prähistorische Funde zeigen, wie schwer damals die Frauen gearbeitet haben.

Selbst Tennisspielerin Serena Williams hätte mit prähistorischen Frauen nicht mithalten können. SN/APA (AFP)/PAUL CROCK
Selbst Tennisspielerin Serena Williams hätte mit prähistorischen Frauen nicht mithalten können.

Körperliche Routinearbeit in prähistorischer Zeit muss ein Knochenjob gewesen sein. Eine solche schwere Arbeit, die damals Frauen geleistet haben, könnten vermutlich nicht einmal Spitzensportlerinnen von heute bewältigen. Zu dem Schluss kommen Forscher der University of Cambridge und der Anthropologe Ron Pinhasi von der Universität Wien in ihrer Studie.

Die Wissenschafter untersuchten die Knochen mitteleuropäischer Frauen, die während der ersten 6000 Jahre der Agrargeschichte lebten, und verglichen sie mit den Knochen heutiger Athletinnen. Das Ergebnis überraschte: Die prähistorischen, landwirtschaftlich tätigen Frauen hatten offenbar weitaus kräftigere Oberarme als heutige Spitzenathletinnen - Bodybuilderinnen einmal ausgenommen.

Bisher war die "Knochenarbeit" von Frauen unterschätzt

Diese körperliche Höchstleistung entwickelte sich vermutlich durch das händische Ernten und Bestellen der Äcker sowie durch das Mahlen von Mehl aus Getreide für manchmal bis zu fünf Stunden pro Tag. Bioarchäologische Untersuchungen haben bisher ausschließlich Knochen von Frauen mit jenen von Männern verglichen. Allerdings reagieren männliche Knochen wesentlich drastischer auf Belastungen als weibliche. Den Wissenschaftern zufolge führte dies dazu, dass man Art und Ausmaß der körperlichen Anforderungen an prähistorische Frauen bisher systematisch unterschätzt hat.

"Es wird oft vergessen, dass ein Knochen lebendes Gewebe ist, das auf die Belastungen reagiert, denen wir unsere Körper aussetzen. Durch körperliche Beanspruchung und die Muskelaktivität werden Knochen derart belastet, dass sich ihre Form, Krümmung, Stärke und Dichte über die Zeit hinweg verändern, um wiederholten Belastungen standhalten zu können", erklärt Alison Macintosh aus Cambridge. Die aktuelle Studie analysierte die Knochen der Oberarme und Schienbeine lebender Frauen, die einer Reihe unterschiedlicher körperlicher Aktivitäten nachgehen: von Sportlerinnen wie Läuferinnen oder Ruderinnen zu Frauen, die ihren Alltag eher sitzend verbringen. Die Knochenstärke der modernen Frauen wurde mit jener von Frauen der neolithischen landwirtschaftlichen Ära bis hin zu Frauen aus dem mittelalterlichen Bauernstand verglichen.

Muskelkraft vermutlich durch das Mahlen von Getreide

Die Ergebnisse zeigten, dass die Beinknochen der untersuchten neolithischen Frauen (die vor 7400 bis 7000 Jahren lebten) eine ähnliche Knochenstärke aufwiesen wie die der heutigen Athletinnen. Ihre Armknochen waren jedoch um elf bis 16 Prozent stärker als die der lebenden Sportlerinnen und um fast 30 Prozent stärker als die Armknochen einer durchschnittlichen Studentin in Cambridge.

Eine mögliche Erklärung für diese außergewöhnliche Kraft in den Armen könnte im Mahlen des Getreides liegen. Dies war eine der Hauptaktivitäten in den frühen Agrargesellschaften, die höchstwahrscheinlich von Frauen erledigt wurde. Jahrtausendelang wurde Getreide per Hand zwischen zwei großen Steinen gemahlen. In den wenigen Gesellschaften, wo Mahlsteine noch heute Verwendung finden, sind es zumeist Frauen, die für bis zu fünf Stunden pro Tag Getreide mahlen.

Aufgerufen am 25.04.2018 um 10:17 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/warum-nicht-einmal-spitzenathletinnen-mit-urfrauen-mithalten-koennten-21312451

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