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Weißt du, wie viel Sternlein stehen?

"Gaia" ist eine Entdeckungsmaschine der Europäer. Sie schwebt hoch über der Erde und fertigt eine Karte unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, an. Und zwar in 3D. Jetzt, nach 1000 Tagen, gibt es erste Daten.

Weißt du, wie viel Sternlein stehen? SN/esa
Die ESA-Sonde „Gaia“ macht eine Karte unserer Galaxie, der Milchstraße.

Seit gut zwei Jahren vermisst die europäische Raumsonde "Gaia" die Milchstraße. Und das mit einer zuvor nie da gewesenen Präzision. Bisher seien 1,15 Milliarden Sterne in Position und Helligkeit erfasst und beschrieben worden, sagte am Mittwoch ESA-Wissenschaftsdirektor Alvaro Giménez.

Das, was "Gaia" da macht, ist eine Art kosmische Volkszählung. Damit auch ja kein Stern übersehen wird, statteten die Ingenieure die Sonde mit einer Digitalkamera mit einer Milliarde Pixeln aus. Zum Vergleich: Eine irdische Handykamera hat rund acht Mill. Pixel. Die "Gaia"-Kamera könnte noch eine Centmünze auf dem Mond erkennen.

Die Milchstraße besitzt nach heutiger Schätzung rund 300 Milliarden Sonnen. So gewaltig die Datenmenge von "Gaia" also jetzt schon mit 1,15 Milliarden Sternen ist - es ist noch ein langer Weg zu einer detaillierten Karte unserer Milchstraße, die es am Ende sogar in 3D geben soll.

",Gaia' ist die Entdeckungsmaschine der ESA. Dank dieser Raumsonde erhalten wir genauere Antworten als je zuvor auf die Frage, woraus unsere Heimatgalaxie besteht und wie sie sich gebildet hat. Dadurch wird Europa zum Vorreiter in Sachen Präzisionsastronomie", erklärt Giménez das ehrgeizige Unternehmen der Europäer.

Der europäische Satellit "Gaia" wurde am 19. Dezember 2013 mit dem Ziel gestartet, eine dreidimensionale Karte der Milchstraße zu erstellen. Der zwei Tonnen schwere Satellit wurde dazu von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA in 1,5 Millionen Kilometern Entfernung von der Erde stationiert, und zwar am Lagrange-Punkt. Das ist ein Ort, an dem die Fliehkraft die Anziehungskraft von Erde und Sonne gerade aufhebt, sodass ein Satellit dort dauerhaft kreisen kann. Der Vorteil ist, dass dort Beobachtungen weitgehend ohne Störeinflüsse möglich sind. So kann im Laufe eines Jahres der gesamte Himmel beobachtet werden. Dabei wird jeder Stern 70 Mal erfasst. Das sind rund 40 Millionen Sternbeobachtungen pro Tag während der geplanten Flugdauer von fünf Jahren. Der Satellit wird weiters die Positionen einer Million anderer Galaxien bestimmen. Schon jetzt haben die Astronomen in den Daten mehr als 2000 ferne aktive Galaxien identifiziert, sogenannte Quasare.

In Kombination mit weiteren Messungen können Astronomen anhand dieser Daten sogar die Geschichte der Milchstraße rekonstruieren. Die Astronomen gehen davon aus, dass sie im Verlauf der Mission neue Asteroiden in unserem eigenen Sonnensystem und Planeten anderer Sternensysteme entdecken werden.

Mithilfe von "Gaia" könnte es sogar möglich sein, die Verteilung der weitgehend unerforschten Dunklen Materie zu analysieren, jener unsichtbaren Substanz, die nur wegen ihrer Schwerewirkung auf Himmelskörper erkennbar ist. Sie ist im Universum mehr als fünf Mal häufiger vertreten als die uns vertraute sichtbare Materie, also Sterne, Gasnebel, Planeten, Asteroiden und vieles mehr. Die Dunkle Materie zählt zu den größten Rätseln der Physik.

Die Daten der gesamten Mission werden nach ESA-Angaben selbst in komprimiertem Zustand mehr als 1,5 Millionen CD-Roms füllen.

Zusätzlich zu der Karte von einer Milliarde Sternen hat der Satellit den Angaben zufolge bereits einen 3D-Film von noch nie gesehenen Bewegungen der zwei Millionen hellsten Sterne in unserer kosmischen Umgebung erstellt.

Der Name ist übrigens die Abkürzung für Globales Astrometrisches Interferometer für die Astrophysik.

Aufgerufen am 21.09.2018 um 02:13 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/weisst-du-wie-viel-sternlein-stehen-1063216

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