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Welche Tiere mit "Superkleber" punkten

Viele Pflanzen und Tiere setzen Klebstoffe ein, um sich anzuhalten oder Beute zu fangen. Das will nun auch die Humanmedizin nutzen.

Streng geschützt: der Feuersalamander.  SN/APA/DANIEL ZUPANC
Streng geschützt: der Feuersalamander.

Salamander schließen Fressfeinden die Mäuler mit Superkleber zu, Zecken zementieren sich auf ihren Opfern fest und Vanille-Orchideen verankern die Wurzeln mit Kleister in Baumkronen - Pflanzen und Tiere verwenden Klebstoffe schon lange. Im Folgenden ein Blick in die klebrige Natur:

Wird ein Querzahnmolch angegriffen, sondern seine Hautdrüsen eine Art Sekundenkleber aus. Dadurch verkleben die fresslustigen Mäuler der Angreifer, und der Salamander bleibt unbehelligt.

"Der Klebstoff hält sehr gut auf trockener Haut und wäre perfekt, um oberflächliche Wunden zu schließen", sagte Bioklebstoff-Experte Janek von Byern vom Ludwig Boltzmann Institut für Experimentelle und Klinische Traumatologie in Wien. Darum versucht er nun, seine exakte Zusammensetzung herauszufinden, um ihn für medizinische Anwendungen nachzuahmen.

Zecken nützen Klebekräfte wiederum, um sich an anderen Lebewesen anzuhaften. Dazu benutzen sie eine zementartige Substanz, fanden Wiener Wissenschafter jüngst heraus. Auch diesen "Zecken-Zement" wollen sie nachahmen, um damit etwa Sehnen und Bänder metallfrei an Knochen zu verankern.

Glühwürmchen in der neuseeländischen Höhle "Spellbound Cave" fangen Mücken mit klebrigen Fäden, ähnlich wie Spinnen. Sie bauen aber keine Netze, sondern lassen sie von der Decke herunterhängen, um damit Beute zu angeln. Von Byern will solch einen Klebstoff für die Papierindustrie herstellen.

Auch Zwergtintenfische aus Thailand haben einen Klebstoff entwickelt. Sie leben in von Mangroven umsäumten Flüssen, wo sie leicht von der Strömung mitgerissen werden könnten. Doch sie haben auf dem Rücken eine Drüse, die klebrige Substanzen absondert, erklärte der Forscher. Damit können sie sich fixieren und warten, bis Beute vorbei schwimmt.

Man muss aber gar nicht weit reisen, um Bioklebstoffe bei der Arbeit zuzusehen. Die heimischen Schnecken verwenden sie, um sich fortzubewegen und auf Hauswänden sowie Laternenmasten zu haften, sagte er.

Pflanzen stehen Tieren nichts nach, wenn es um den Einsatz von Klebekraft geht. Orchideen wie Vanille, die aktiv an Bäumen hochwächst und -klettert, halten sich dort mit ihren Wurzeln fest, erklärte von Byern. Dazu nützen sie nicht nur mechanische Kräfte, sondern setzen auch chemische Stoffe frei, die als Klebstoffe wirken. Ebenso kleben sich die heimischen Misteln und Efeu an Bäumen fest.

Wie sonst nur Tiere auf Beutefang geht der "Sonnentau", eine fleischfressende Pflanze. Seine Blätter sind mit Klebedrüsen besetzt, an denen Insekten haften bleiben. Damit können sich die Gewächse auch in Gebieten ernähren, wo der Boden zu nährstoffarm für andere Pflanzen ist.

(APA)

Aufgerufen am 23.11.2017 um 12:47 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/welche-tiere-mit-superkleber-punkten-70510

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