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Wenn das Baby die Eltern spaltet

Können sich Väter und Mütter zu viel um die Kinder kümmern? Ja - und das sei eine Gefahr für jede Beziehung, sagt Jesper Juul.

Ein Baby spendet Glück, es raubt aber auch Energie. Und es kann Grund für heftige Beziehungskonflikte sein.  SN/istockphoto
Ein Baby spendet Glück, es raubt aber auch Energie. Und es kann Grund für heftige Beziehungskonflikte sein.

Eltern sollten alles tun, um "Liebende zu bleiben". So lautet der Titel von Jesper Juuls jüngstem Buch. Der dänische Familientherapeut und Bestsellerautor rät Eltern, mehr an sich selbst zu denken. Väter sollten in der Beziehung die "Liebesminister" sein.

Wie können Eltern nach der Geburt eines Kindes Liebende bleiben? Gibt es da ein einfaches Rezept?
Juul: Nein, aber ich kenne keinen Aspekt des Lebens, der einfach ist oder für den es einfache Lösungen gibt. Entscheidend ist die Denkweise: Es geht darum, sich zu erinnern, dass die Partnerschaft - mit all ihren Konflikten, mit Romantik, Dialog, Sex, Spiritualität -, dass diese Partnerschaft das erstgeborene Kind ist, das nicht zugunsten des zweiten Kindes vernachlässigt werden sollte. Wenn wir es trotzdem tun, vernachlässigen wir alle unsere Kinder. Als Psychotherapeuten für Erwachsene wissen wir, wie viele von den Klienten erkennen müssen, dass sie in Familien aufgewachsen sind, in denen sie nie erlebten, dass sich Vater und Mutter berührten, sich küssten, kokette Blicke austauschten oder in wichtige, tiefgründige Gespräche vertieft waren. Als Erwachsene fehlen ihnen die Vorbilder.
Arbeiten gehen und für ein Kind sorgen - das ist schwierig genug für die meisten Eltern. Ist es nicht normal, dass da weder Zeit noch Energie bleibt für die Liebesbeziehung und den Partner?
Ich habe immer gesagt, dass die populäre Forderung nach einer Work-Life-Balance eine Illusion ist. Das meiste ist im Ungleichgewicht. Es bleibt ein offener Prozess, der auch immer wieder zu tiefer Befriedigung und großem Glück führt. Die Suche nach dem Gleichgewicht, emotionaler Verfügbarkeit, nach individuellen Bedürfnissen und Wünschen zwischen drei oder mehr Familienmitgliedern ist der "Prozess der Liebe". Nur wenn wir aufhören damit, verlieren wir den Kontakt zueinander und das Gefühl, wertvoll für das Leben des anderen zu sein. Zeit und Platz zu finden für Sexualität ist schwierig genug für Eltern mit einem bis vier Kindern. Für ein paar Jahre können wir die Spontaneität abschreiben und gelegentlich müssen wir masturbieren, während der andere Elternteil sich um das Baby kümmert oder um den Sechsjährigen, der einen Albtraum hat.

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