Wissen

Wenn die Uni Gutes tut

Bildungseinrichtungen haben das Wissen, um gesellschaftliche Probleme zu lösen: Etwa wie man Menschen dazu bringt, Steuern zu zahlen. Die Forscher geben ihr Wissen aber nicht nur aus Selbstlosigkeit weiter.

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Die Uni Wien nennt es "Third Mission". Unter dem Begriff bündelt die Hochschule alle Aktivitäten, bei denen sie ihr Wissen an gemeinnützige Organisationen, Krankenhäuser oder Firmen weitergibt. Christiane Spiel, Vorständin des Instituts für Angewandte Psychologie, erzählt vom Ziel dieser Akti vitäten. "Wir wollen zur Lösung sozialer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Probleme beitragen", sagt Spiel, eine der Projektleiterinnen.

Vor Kurzem hat die Uni Wien ihre Strategie im Wissenstransfer vorgestellt. "Third Mission" heißt es deshalb, weil Spiel darin die dritte Säule einer Hochschule sieht: "Die ersten zwei Aufgaben von Unis sind Forschung und Lehre." Warum sich die Forscher um die Gesellschaft kümmern, erklärt der Rektor Heinz W. Engl. "Aus neuen Kontakten können sich weitere Projekte und strategische Partnerschaften entwickeln. Auf diese Weise wird ein Innovationskreislauf ausgelöst."

Die Uni Wien steht damit nicht allein da. Die Uni Salzburg arbeitet etwa in Materialchemie, Mineralogie, Physik und Biophysik mit Partnern zusammen. Durch die Kooperation haben Firmen etwa Zugang zum Hochleistungsrechner "Doppler". Die Uni Graz führt zum Beispiel Machbarkeitsstu dien durch, vermittelt Experten oder koordiniert Diplomarbeiten, die sich einem gesellschaftlichen Problem widmen.

Die größte Aufgabe für die Uni Wien sei es, ihre Projekte sichtbar zu machen, sagt Spiel. Bisher hätten einzelne Personen ihr Wissen weitergegeben, nun sollen die Aktivitäten koordiniert werden: "Es gibt unterschiedliche Fakultäten, die ähnliche Dinge tun. Die können wir verbinden und dadurch Neues kreieren." Zudem sollen Unternehmen schnell den richtigen Ansprechpartner für Kooperationen finden. Die Psychologin nennt drei Pfeiler, in denen ihre Hochschule mit Partnern zusammenarbeitet: soziales Engagement, Wissenstransfer sowie Technologie- und Innovationstransfer.

Mit dem St. Anna Kinderspital und der Wiener Kunstuni haben Informatiker etwa eine App für schwer kranke Kinder entwickelt. Nach der Behandlung von Krebs sei es wichtig, dass täglich bestimmte Blutwerte an das Krankenhaus übermittelt würden. "Das setzt die Familie unter Stress", sagt Spiel. Die App helfe bei der Eingabe: "Es ist wie ein Spiel, bei dem die Kinder Punkte sammeln." Die Daten werden dann automatisch an das Spital weitergeleitet. Die Anwendung funktioniere derzeit nur mit dem Kinderspital, da die Daten sensibel seien. Künftig werde es möglich sein, die Technik in anderen Organisationen einzusetzen.

Im Pfeiler Wissenstransfer nennt Spiel ein Projekt: "Zahlen Sie Steuern - und wenn ja, warum?" Die Uni begleitet dabei eine Fair-Play-Initiative: "Die Idee ist, dass Personen freiwillig Steuern zahlen." Es sei etwa ein psychologisches Phänomen, dass niemand gern im Nachhinein für etwas zahlt. "Wenn ich aber im Vorfeld regelmäßig Steuern zahle - und vielleicht am Ende noch etwas zurückbekomme - ist das angenehmer." Zudem spiele Transparenz bei den Staatsausgaben und das Vertrauen eine Rolle. "Durch ständige Kontrollen vermittelt mir die Steuerbehörde, dass sie mir nicht vertraut." Wenn Behörde und Steuerzahler sich jedoch auf Augenhöhe begegnen würden und gemeinsam Richtlinien erar beiten würden, würde die Zahlungsmoral steigen.

Die Uni Wien helfe zudem, Öl zu fördern - mit innovativen Polymermaterialien. Auf der Welt gebe es immer weniger Quellen: "Das Material gestattet es, Öl schneller an die Oberfläche zu befördern."

Durch den Wissenstransfer wage sich die Uni einerseits aus dem Elfenbeinturm. "Die Beschreibungstexte sind so verfasst, dass sie auch Laien verstehen", sagt Spiel. Gleichzeitig soll das Verständnis für Forschung in der Gesellschaft steigen. "Die Menschen lesen immer nur, dass die Unis mehr Geld brauchen. Doch das ist nicht zum Selbstzweck: Die Forschung dient der Gesellschaft und der Wirtschaft." Zahlreiche Erfindungen landeten im Alltag der Menschen, ohne dass ihnen dies bewusst sei.

Künftig sollen bereits Studierende in die "Third Mission"-Aktivitäten der Uni Wien eingebunden werden. Sie sollen so vorbereitet werden, um verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen, sagt die Projektleiterin. "Es geht um eine gewisse Haltung. Die Absolventen sollen wissen, dass sie etwas beitragen können. Sie können optimale Lösungen für komplexe Probleme finden."

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