Wissen

Wenn sich Unis ein Studium teilen

Zwei Universitäten, zwei Standorte, aber nur ein Studium: Joint Degrees liegen im Trend. Wie sich Studenten durch geteilte Studiengänge profilieren können. Und welche Joint Degrees an der Uni Salzburg angeboten werden.

Wenn sich Unis ein Studium teilen SN/uni salzburg/holzmann
Studenten des neuen Joint Master „Digital Communication Leadership“.

Das Studium selbst, ein Nebenjob, dazu zwei Auslandssemester. Der Aufwand ist für Nina Biller nicht ohne. Doch für die 25-Jährige ist es die Mühe wert. "Ich bin mir sicher, dass ich gegenüber jenen in regulären Mastern einen Vorteil habe", sagt die junge Deutsche. Biller ist eine von 19 Studenten, die seit diesem Semester im neu geschaffenen Masterstudiengang "Digital Communication Leadership" (DCLead) eingeschrieben sind. Der komplett auf Englisch abgehaltene DCLead ist ein sogenannter Joint Master, also ein Studium, das von zwei oder mehreren Universitäten ins Leben gerufen wurde - und deren Curriculum sich an den verschiedenen Standorten abspielt. Auch der Studienabschluss wird von Unis gemeinsam verliehen. Der DCLead wird etwa vom Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Uni Salzburg gemeinsam mit der Vrije Universiteit in Brüssel und der Aalborg University in Kopenhagen angeboten. Im ersten Semester studiert man in Salzburg, danach wechselt man für zwei Semester nach Brüssel oder Kopenhagen. Im Mittelpunkt steht die Ausbildung von Fachleuten im Bereich digitaler Kommunikation. "Ich will später an der Uni arbeiten", beschreibt Nina Biller ihre Motivation. "Und da kann die internationale Ausrichtung des Studiums und das zukunftsträchtige Thema nur helfen."

Gemeinsame Studiengänge liegen offenbar im Trend: Die Zahl der Joint Degrees ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Laut Wissenschaftsministerium gibt es österreichweit 131 Joint-, Double- und Multiple-Degree-Studien, 2012 waren es lediglich 101. Bei Double- und Multiple-Degrees vergeben die Partnerunis separate Abschlüsse.

An der Uni Salzburg werden sechs Joint-Degrees angeboten. Neben dem DCLead gibt es noch zwei am Fachbereich Molekularbiologie, einen in Computerwissenschaften sowie je einen an den Fakultäten Material- und Ingenieurwissenschaften. Das Bachelorstudium der Ingenieurwissenschaften in Kooperation mit der TU München feiert dieser Tage sein zehnjähriges Bestehen. "Joint-, Double- und Multiple-Degree-Programme sind eine der tragenden Säulen des europäischen Hochschulraums", sagt Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner auf SN-Anfrage. Sie seien vor allem für die internationale Vernetzung elementar.

Dass die Zahl der Joint-Degree-Studien in den vergangenen Jahren gestiegen ist, liegt auch an der EU. Die Union fördert die Studiengänge durch eigene Programme. Auch das "Digital Communication Leadership"-Studium profitiert von den Zuschüssen. "Eigentlich haben wir ja ein Doktoratsprogramm beantragt", sagt Josef Trappel, Fachbereichsleiter an der KoWi und gleichzeitig Direktor des Programms. Als der Antrag abgelehnt wurde, sei die Idee des DCLead geboren worden. Die EU-Förderung macht es auch möglich, dass 14 der 19 Studenten ein Vollstipendium erhalten. Ihnen werden nicht nur die Studiengebühren erlassen, sie bekommen auch 1000 Euro monatlich für ihre Lebenshaltungskosten sowie sämtliche Reisespesen. Jene fünf Studenten, denen kein Stipendium zugesprochen wurde, zahlen zwischen 4000 und 17.000 Euro, ab hängig von ihrem Herkunftsland. Unter den 19 Studenten ist übrigens kein Salzburger. "Das Auswahlverfahren war äußert kompetitiv. Wir hatten rund 300 Bewerber", erläutert Trappel.

Durch die speziell an Nicht-EU-Studenten gerichteten Stipendien wolle die EU "die besten Köpfe nach Europa holen". Parallel habe die Union aber noch einen weiteren Hintergedanken, beschreibt Trappel: Es sei "extrem mühsam", sich mit den anderen Unis auf einen gemeinsamen Lehrplan zu einigen. "Das ist oft ein wahrer Albtraum, da hat die EU bisher wenig geleistet. Aber durch die Joint Degrees soll das ein wenig aufgefangen werden - und die Unis sollen sich auf Standards einigen."

Auch Erich Müller, Vizerektor für Lehre an der Uni Salzburg, ortet nach wie vor Probleme bei der Umsetzung von Joint-Degrees. Werden solche mit Partnerunis aus Österreich durchgeführt, sei die Umsetzung "in der Regel machbar, grenzüberschreitend ist aber alles viel schwieriger". Dennoch steht Müller den Doppelabschlüssen positiv gegenüber. Es sei eine Win-win-Situation für die Partnereinrichtungen, weil jeder die Möglichkeit habe, die eigenen Stärken einzubringen - und zwar nicht nur in der Lehre, sondern ebenso in der daran gekoppelten Forschung. Aber ein Vorteil steht wohl über allem: "Studien, die zwar attraktiv sind, aber an einem Standort nicht genug Teilnehmer haben, können durch Joint Degrees dennoch umgesetzt werden." Den Vorwurf, dass man durch solche Abschlüsse den eigenen Studienstandort schwäche, da man die Studenten für einen gewisse Zeit ins Ausland schicke, lässt Müller nicht gelten. "Man kann die Münze von zwei Seiten sehen. Wir holen ja auch Studierende von Partnerunis nach Salzburg."

Aber wohin geht die Reise? Werden Joint-Degrees irgendwann klassische Studien ablösen? Das Wissenschaftsministerium hat sich das Ziel gesetzt, bis 2020 die Zahl der Joint-, Double- und Multiple-Degrees von 131 auf 167 zu schrauben. Aber auch Müller glaubt nicht, dass Joint Degrees flächendeckend werden. "Es muss die Sinnhaftigkeit gegeben sein. Und die besteht nicht immer."

Aufgerufen am 19.11.2018 um 03:59 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/wenn-sich-unis-ein-studium-teilen-894565

Das Uni-Magazin zum Semesterstart

Das Uni-Magazin zum Semesterstart

Jetzt lesen

Newsfeed

Arrow Down

Schlagzeilen