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Wie gesund sind Eier wirklich und wie viele darf man essen?

Lang hielten sich trotz gegenteiliger Erkenntnisse fragwürdige Empfehlungen. Heute gilt das Ei als rehabilitiert.

Wie viel ist zu viel? SN/stock.adobe.com
Wie viel ist zu viel?

Ja, Cholesterin erhöht das Risiko für Gefäßverkalkung. Und ja, der Konsum von Eiern erhöht die Cholesterinwerte. Dennoch haben Mediziner in vielen Studien das Ei inzwischen als Nahrungsmittel mehr als rehabilitiert.

Maria Anna Benedikt, Leiterin der Ernährungsmedizinischen Beratung am Uniklinikum Salzburg, betont im SN-Gespräch, dass Eier das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht erhöhten. Sie schickt aber voraus: "Das gilt nur bei einer ausgewogenen Fettzufuhr. Das heißt, gesättigte Fettsäuren zu reduzieren, die vorwiegend in tierischen Produkten und Kokos- sowie Palmfett enthalten sind. Gleichzeitig sollte man ausreichend ungesättigte Fettsäuren aus hochwertigen Pflanzenölen verwenden."

Worüber haben Mediziner so lange gestritten, was das Ei betrifft? Zum einen ist heute wissenschaftlich erwiesen, dass hohe Cholesterinwerte nicht nur ernährungsbedingt sind, sondern auch genetische Ursachen haben. Zweitens hat man, wie gesagt, überwiegend die gesättigten Fettsäuren im Visier. Und davon haben Eier nur sehr wenig. Drittens kamen, wie Benedikt betont, zwischen 1979 und 2018 viele Studien und Metaanalysen zu folgendem Ergebnis: Die Zufuhr von Cholesterin über Eier erhöht zwar die Werte des "bösen", weil gefäßschädigenden LDL-Cholesterins. Gleichzeitig steigen dadurch aber auch die Werte des "guten" HDL-Cholesterins, das schädliches Cholesterin, vereinfacht ausgedrückt, abtransportiert.

Große Diskussionen gab es unter den Experten auch lang darüber, wie viele Eier man nun essen dürfe. In den US-Richtlinien der American Heart Association aus den Sechzigerjahren hatte es noch geheißen, man solle täglich nicht mehr als 300 Gramm Cholesterin mit der Nahrung aufnehmen. Für den Eikonsum bedeutete das nicht mehr als drei Eier pro Woche. Obwohl nach Angaben Benedikts Studien aus den Siebziger-, Achtziger- und Neunzigerjahren das widerlegten, hielt sich diese Empfehlung hartnäckig bis 2018 in österreichischen und deutschen Ernährungsgesellschaften. Seit dem Vorjahr findet man jedoch in den Empfehlungen für gesunde Ernährung keine Anhaltspunkte mehr, wie viele Eier gegessen werden dürfen. Auch in den jüngsten US-Richtlinien ist dazu nichts zu finden. Allerdings gibt es von der American Heart Association den Rat, nicht mehr als 740 Gramm Fleisch und Geflügel in der Woche zu essen, Eier mit eingeschlossen.

Die Salzburger Ernährungsexpertin weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass Eier eine wichtige Eiweißquelle für den Menschen seien. Proteine sind im Körper für die ständige Zellerneuerung, die Hormonbildung und auch für das Immunsystem wichtig. Das Ei sei zum Beispiel für Vegetarier ein unverzichtbarer Bestandteil in der täglichen Ernährung, weil es unentbehrliche Aminosäuren enthalte, die der menschliche Körper selbst nicht aufbauen könne, sagt Benedikt. Sie hat auch noch einen Tipp, wie man die biologische Wertigkeit des Eis steigern kann, dass also dieses proteinreiche Nahrungsmittel noch besser in körpereigenes Eiweiß umgebaut werden kann: "Kombinieren Sie Eier mit Kartoffeln, Milch oder Getreide. Das war in unserer heimischen Küche immer schon wichtig."

Aufgerufen am 30.10.2020 um 09:19 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/wie-gesund-sind-eier-wirklich-und-wie-viele-darf-man-essen-68896732

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