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Wie sich die FHs zukunftsfit machen

Blended Learning oder das Bemühen um den Doktortitel: Wie 2021 für Österreichs Fachhochschulen war - und wo es nun hingeht.

Während andere Einrichtungen im Land Laptops bestellen und digital nachrüsten mussten, habe die Umstellung auf Online- und Hybridlehre bei Österreichs Fachhochschulen schnell und unkompliziert geklappt. Dieses Resümee zieht Ulrike Prommer, die kürzlich den Vorsitz in der Fachhochschul-Konferenz von FH-Salzburg-Geschäftsführer Raimund Ribitsch übernommen hat. "Das Wichtigste war, dass die Studienbedingungen so waren, dass unsere Studierenden weitermachen konnten und ihre Abschlüsse bekommen haben", sagt Prommer. Freilich, nicht alles sei ideal verlaufen, doch die Bildungseinrichtungen hätten sich angestrengt, trotz der komplizierten Lage qualitativ hochwertige Studien zu ermöglichen.

Die Geschäftsführerin der IMC FH Krems nennt ein Beispiel, das gut zu Niederösterreich passt: "In unserem Studiengang ,International Wine Business' geht es auch um das Verkosten. Im Lockdown war es nicht möglich, gemeinsam zu probieren und zu bewerten. Also haben wir Weinproben an unsere Studierenden geschickt. Sie konnten daheim kosten und beschreiben, was sie schmecken. Das war flexibel und innovativ." In der Chemie etwa sei der Onlineunterricht besonders herausfordernd gewesen. Neue Werkzeuge wie Padlet, eine Art digitale Pinnwand, und eigens gedrehte Videos konnten allerdings zur Vielfalt in der Lehre beitragen.

Auf die Frage, wo neben den Stärken die Schwächen der Fachhochschulen liegen, antwortet Prommer: "Meine Philosophie ist die kontinuierliche Verbesserung. Perfekt ist es nie. Auf der Strecke blieb freilich die soziale Dimension, was sich in den entsprechenden Studien widerspiegelt. Deshalb haben wir ein Programm angeboten, bei dem wir vor allem die mentale Gesundheit unterstützt haben. Der Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden gelingt online leider nicht - das haben wir lernen müssen."

Darüber hinaus freut sich Prommer über die generelle Rolle der FH im Bildungssektor. "Fachhochschulen wurden einst gegründet, um rasch auf veränderte Berufsbilder reagieren zu können. Schauen wir auf unsere Gesundheitswissenschaften, die Pflege und das Digitale: Hier können und wollen wir Wachstum weiter ermöglichen."

In die gleiche Kerbe schlägt Raimund Ribitsch, Geschäftsführer der FH Salzburg: "Fachhochschulen sind besonders in der Pandemie systemrelevant", sagt er. Absolventinnen und Absolventen könnten sofort an die Betten in Spitälern und Pflegeeinrichtungen geholt werden. Deshalb liege ihm viel daran, die gesundheitswissenschaftlichen Studiengänge weiterzuentwickeln und die Länder in Sachen Finanzierung von Studienplätzen in die Pflicht zu nehmen. Ribitsch betont, dass es den FH-Bereich auszeichne, wie stark der Zusammenhalt über die eigenen Hochschulgrenzen hinaus sei. Gerade für das Jahr 2021 lobt er die strategische Abstimmung von Zielen, was für die Wirksamkeit ein entscheidender Faktor sei.

Zu der Entwicklung der Studierendenzahlen sagt Ribitsch, dass sie "insgesamt ordentlich steigend in ganz Österreich" seien. Ein starker Treiber seien wiederum die Fachgebiete Gesundheitswissenschaften und Pflege. Bei den anderen - technischen und nicht technischen Fächern - sei die Kurve der Studierendenzahl "in den vergangenen Jahren sehr flach". Pro Jahr werden in allen Bundesländern 300 zusätzliche Anfängerstudienplätze vom Ministerium ausgeschrieben. Ribitsch kritisiert, dass die Fachhochschulen durchaus stärker wachsen könnten, um ihre Kompetenzen in der Digitalisierung und auch als Schnittstellen zwischen Wirtschaft, Gesundheit und Kommunikation auszuspielen. Hemmschuh sei die Finanzierung durch Länder und Bund. "Da könnte man durchaus mehr machen. Es ist der Mut auf Bundesseite gefragt", sagt er.

Im Hinblick auf die Akkreditierung von Doktoratsprogrammen an den FHs gebe es auf Österreich-Ebene einen kleinen Erfolg zu verzeichnen: Erste Kooperationen zwischen fünf Fachhochschulen und fünf Universitäten mit einem Volumen von fünf Millionen Euro seien gestartet worden. "Wir bemühen uns um eine nachhaltige und leistungsbezogene Forschungsfinanzierung - doch das ist ein extrem dickes Brett, das es zu durchbohren gilt. Die Überzeugung des Ministeriums bleibt unsere Herausforderung."

Indessen stellt sich die FH Salzburg selbst organisatorisch neu auf, wie dieser Tage bekannt wurde: Die beiden Geschäftsführer, Doris Walter und Raimund Ribitsch, treten einen Schritt zurück und werden Prokuristen. Ausgeschrieben wird die Stelle einer wissenschaftlichen Geschäftsführung. "Diese Reform ist ein extrem wichtiger Schritt für unsere Zukunftsfähigkeit. Wir wollen Größe in unseren Kompetenzbereichen erreichen und von einer kleinteiligen Sicht auf einzelne Studiengänge wegkommen", erklärt Ribitsch. Er respektiere die Entscheidung der Eigentümer. Die neue Leitung werde mit Jänner ausgeschrieben und im Laufe des Jahres besetzt.

Aufgerufen am 20.01.2022 um 06:17 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/wie-sich-die-fhs-zukunftsfit-machen-114348037

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