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Wie wählt die Generation Greta das Studium?

Die Fridays-for-Future-Bewegung kämpft gegen den Klimawandel. Werden die Schüler auch ihre Karrieren nach dem Thema richten? Welche Hochschulen zudem als nachhaltig zertifiziert sind.

Woche für Woche ziehen die Protestierenden von Fridays for Future durch die Straßen Österreichs. Umweltschutz scheint ein zentrales Thema bei den Jugendlichen zu sein. Doch wirkt sich das Interesse auch auf die Studienwahl aus? Sind Vorlesungen von Wissenschaftern, die zu Klima lehren und forschen, beliebter als zuvor?

Beim Institut für Höhere Studien in Wien ist Martin Unger zuständig für Hochschulforschung. Die Zahlen vom laufenden Wintersemester sind noch nicht verfügbar. Unger hat aber die Inskriptionszahlen für jene Studiengänge addiert, in denen "Umwelt" im Namen auftaucht. "Der Bereich ist in den vergangenen 20 Jahren deutlich gewachsen. Das Interesse hat schon vor Fridays for Future angefangen." Einen Höhepunkt stellt der Forscher 2017 fest, seither sind die Zahlen leicht zurückgegangen - was auch an den eingeführten Aufnahmeregelungen etwa bei Biologie liegen könne.

Wie wichtig Umweltschutz bei der Studienwahl sei, könne Unger zwar nicht mit Zahlen belegen. "Aber ich denke, dass viele Studierende ihre Abschlussarbeit zu dem Thema schreiben - egal in welcher Fachrichtung."

Ihre Bachelorarbeit hat Josefine Herz zur Kreislaufwirtschaft geschrieben. In ihrem Studium Design- und Produktmanagement an der FH Salzburg sei sehr viel darüber diskutiert worden, wie man Ressourcen wiederverwerten könne. Die 23-jährige Deutsche glaubt, dass Nachhaltigkeit künftig ein sehr großes Thema bei der Studienwahl sein wird: "Die Studiengänge, die in dem Bereich etwas anbieten, sollten sich ganz klar positionieren."

An der FH Salzburg fanden kürzlich die sogenannten Future Lectures statt. Herz hat einen Vortrag darüber gehalten, wie sich Designer der Verantwortung der Zukunft stellen können. "Wir sind voller Kreativität und Ideen, wir müssen diese aber in die richtige Richtung kanalisieren." Was war zuerst, das Interesse der Studierenden oder der Schwerpunkt Kreislaufwirtschaft an ihrer Hochschule? "Das hat sich gegenseitig befruchtet. Wir hatten ein Treffen, bei dem wir den Vorschlag eingebracht haben, das Thema zu integrieren."

In Österreich gibt es seit 2012 eine Allianz der nachhaltigen Universitäten. Die Uni Salzburg und das Mozarteum sind aus Salzburg dabei. Seit einigen Jahren sind die Gebäude der Uni Salzburg als umweltfreundlich zertifiziert. Auch in Forschung und Lehre ist Nachhaltigkeit vermehrt zu finden, sagt Isabella Uhl-Hädicke. Sie ist die Koordinatorin der Studienergänzung Klimawandel und Nachhaltigkeit, die es seit dem Wintersemester gibt. In ihrer Vorlesung Umweltpsychologie habe sich die Studierendenzahl verdoppelt: 70 Personen haben die Prüfung im Wintersemester 2018 abgelegt, im laufenden Semester sind 145 bei der Vorlesung angemeldet. "Das Thema wird auf der Uni immer präsenter." Das Engagement der Studierenden nehme zu: 2016 hat Uhl-Hädicke ein "Green Campus Student Team" gegründet. Damals hätten sich fünf Personen gemeldet, heute seien es mehr als 30. Bei der "Green WG Challenge" kämpften zuletzt 13 Teams um den Titel der nachhaltigsten Wohngemeinschaft.

Seit Herbst marschiert Mira Dolleschka bei den Demos der Fridays for Future in Wien mit. Ein Mal hat die 20-jährige Niederösterreicherin die Sprüche vorgesprochen. Ihre Kommilitonen haben sie motiviert mitzumachen: Dolleschka studiert Umwelt- und Bioressourcen-Management an der Universität für Bodenkultur. Davor war sie in Kultur- und Sozialanthropologie und Politikwissenschaften inskribiert. "Ich wollte aber etwas Naturwissenschaftliches machen. Ich kann jedoch nicht sagen, dass die Aktualität des Themas mich beeinflusst hat." In ihrer Familie sei Umweltschutz immer schon präsent gewesen.

Der Vorteil an dem Studium sei, dass sie Wissen habe. "Ich kann erkennen, wenn jemand in Diskussionen Blödsinn redet." Für die 20-Jährige wäre es wichtig, dass Nachhaltigkeit bereits in der Schule vorkommt. "Und ein Freifach auf der Uni wäre cool, über alle Studienbereiche hinweg." Dolleschka würde den Hochschulen empfehlen, sich dabei mit Organisationen wie den Fridays for Future abzusprechen: Damit Interessierte mitbekommen, dass man sich leicht engagieren kann. "Bei vielen ist sonst die Hemmschwelle groß, einfach mal zu einer Demo oder einem Treffen zu gehen."

Bei Fridays for Future gebe es deshalb ein Buddy-Programm: "Das soll neuen Leuten den Einstieg erleichtern und ihnen helfen, sich zurechtzufinden." Gegen den Klimawandel will sich Dolleschka weiterhin engagieren. "Derzeit formulieren wir Forderungen an die Stadt Wien."

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