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Wildkatze ist auf leisen Pfoten zurück

Lange Zeit galt die scheue Bewohnerin der heimischen Wälder als ausgestorben. Nun mehren sich Hinweise auf ihre Anwesenheit in Niederösterreich, Kärnten und Vorarlberg. Eine Gefahr für den Viehbestand ist sie nicht.

Ein nächtliche Aufnahme: Die Wildkatze reibt sich am Lockstock.  SN/naturschutzbund/peter gerngroß
Ein nächtliche Aufnahme: Die Wildkatze reibt sich am Lockstock.

Sie ist scheu und geht dem Menschen aus dem Weg. Sie liebt sonnige Mischwälder, Lichtungen und Totholzbestände. In Monokulturen aus Nadelholz findet man sie nicht. Für Bauern und Jäger ist sie keine Konkurrenz, denn ihre Hauptbeute sind Mäuse. Die Wildkatze ist perfekt an jene Wälder angepasst, die sich im ökologischen Gleichgewicht befinden oder zumindest naturnah sind. Seit Langem gibt es daher Bestrebungen, das Tier in Österreich wieder heimisch werden zu lassen. Seit den 50er-Jahren galt sie hierorts als ausgestorben.

Doch nun machen laut Naturschutzbund Funde und Beobachtungen Hoffnung: In den vergangenen Monaten mehrten sich die Hinweise auf die Anwesenheit der leisen Waldbewohnerin. In Niederösterreich und Kärnten konnten bereits zwei Tiere durch eine Genanalyse sicher als Wildkatze bestätigt werden. Besonders viele Hinweise sammelten Fachleute des Naturschutzbunds und der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) in einem gemeinsamen Monitoring-Projekt in Niederösterreich. Die Bundesforste arbeiten laut Vorstand Rudolf Freidhager seit zehn Jahren an der Rückkehr der Wildkatze in ihren Forsten. Vielversprechende Hinweise auf die Katze kommen derzeit auch aus Vorarlberg.

Allein von Jänner bis Mai gab es heuer bereits rund 40 Fotohinweise, die auf die Anwesenheit der Wildkatze schließen lassen. Diese werden als "C2-Nachweise" registriert, die das abgebildete Tier ausschließlich aufgrund äußerlicher Merkmale als Wildkatze einstufen. Großteils stammen die Bilder aus dem ÖBf-Forstrevier Weißenkirchen in der Wachau. Mithilfe von mit Baldrian präparierten Lockstöcken wurden zusätzlich auch Haarproben der scheuen Tiere gewonnen. Roman Türk, Präsident des Naturschutzbunds, freut sich darüber: "Wir hoffen, dass sich in den genetischen Untersuchungen die Haarproben als ,C1-Nachweise' entpuppen. Dann können wir ganz sicher sein, dass sich in der Wachau wieder Wildkatzen angesiedelt haben", sagt er. Für den Lockstock werden sägeraue Holzpflöcke mit Baldrianduft an Stellen aufgestellt, wo man Wildkatzen vermutet. Die Wildkatze liebt Baldrian und reibt sich darum am Holz. Dabei bleiben Haare hängen, die genetisch analysiert werden.

Einst wurde die Wildkatze als "echter Wütherich, dem zum Tiger nichts als die Größe fehlt", beschrieben und verfolgt. Heute zählen die Verwechslung mit wildfarbigen Hauskatzen, die Zerschneidung des Lebensraums und der Straßenverkehr zu den größten Gefahren für sie. Der schlechte Ruf ist widerlegt. Die Hauptnahrung der Wildkatze besteht aus Mäusen, vor allem Wühlmäusen. Sie erbeutet auch Amphibien, Reptilien, Insekten, Vögel, Fische und Säugetiere bis zur Größe eines Kaninchens. Zwischen März und Mai gibt es Nachwuchs: Zwei bis fünf Kätzchen kommen pro Wurf auf die Welt. Das Weibchen versteckt die Jungtiere in Asthaufen, Holzpoltern, abgestorbenen Bäumen, Dachs- oder Fuchsbauten und Felsnischen.

Aus der Zusammenarbeit von Naturschutzbund und Bundesforste entstand die Broschüre "Aktiv für Wildkatzen". Sie ist für Forstleute, Landwirte und Jäger gedacht und gibt Tipps, wie das Lebensraumangebot für Wildkatzen in den Wäldern verbessert werden kann.
Info:
Die Broschüre kann unter www.bundesforste.at/publikationen kostenlos bestellt oder heruntergeladen werden.

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